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16. Januar 2012, 14:40 Uhr

McDonald's-Report in der ARD

Die öffentlich-rechtliche Burger-Wehr

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Frontalangriff an der Fast-Food-Front: Im "McDonald's-Check" versucht die ARD, die Geschmacklosigkeiten und Verfehlungen des Konzerns nachzuweisen. Ein gewagtes Infotainment-Stück, das leider bei aller Kampfeslust oft im Vagen bleibt.

Wer brät den besseren Burger - Joe Champs, Burger King oder McDonald's? Eigentlich ist das eine Fragestellung, die man eher beim Privatfernsehen verorten würde, dürfte das jüngere Publikum von ProSieben oder RTL doch stärker dem Fast Food zugetan sein als der öffentlich-rechtliche Stammzuschauer. Doch nun geht die ARD auf die Straße einer Einkaufspassage, um die Passanten zum kulinarischen Blind-Date zu bitten. Das Urteil ist eindeutig: Die McDonald's-Bulette kommt mit Abstand am schlechtesten an.

So ein Burger-Votum, das klingt ein bisschen nach "RTL Explosiv". Wie bei der privaten Konkurrenz jazzt man bei dem vom WDR produzierten "McDonald's-Check" das statistisch kaum ernst zu nehmende Ergebnis zu einer Art Volksbefragung auf.

Trotzdem: Der Frontalangriff auf den mächtigen und werbe-wütigen Fast-Food-Anbieter kann brisant genannt werden - schließlich schielt auch die ARD auf die Werbeeinnahmen aus dem Vorabendprogramm. McDonald's könnte sich nach so einer Reportage schon überlegen, ob das Erste das richtige Umfeld für die eigenen Produktinformationen bietet. Dabei hatte man bei McDonald's mit Alfons Schuhbeck und Uli Hoeneß ("Hütten-Gaudi"!) doch gerade zwei Werbeträger gewonnen, die auch dem 50-Plus-Publikum der ARD bekannt sind.

So gesehen ist der "McDonald's-Check" also durchaus unbequem - auch wenn ein ziemlich gerissenes Quoten-Konzept dahintersteckt: Der Film ist Teil der Service-Reihe "Der Marken-Check", in der die Versprechen großer populärer Konzerne geprüft werden. Das heißt, die Macher können mit kritischer Haltung auftreten - und gleichzeitig mit Namen klingeln, die jedem geläufig sind. Dass die Rechnung aufgeht, bewies letzte Woche der "Der Lidl-Check", den 6,3 Millionen Zuschauer sehen wollten. Für ein Doku-Format ist das eine echte Quotensensation.

Das "Happy-Meal" als "Einstiegsdroge"

Das Ergebnis kommt nicht von ungefähr - beim "Marken-Check" im Ersten steht Infotainment vor investigativer Recherche, die Attitüde vor der Analyse. So lässt sich der McDonald's-Report an diesem Montag schwerlich als lückenlose Beweisführung lesen, mit der dem Fast-Food-Riesen Mitarbeiter-Ausbeutung und zweifelhafte Fleischverwertung nachgewiesen werden kann. Vielmehr geht es darum, eine Art Diskussionsanstoß über die Schnellfraßkultur und die ihr eigenen Verarbeitungs- und Verbreitungswege zu geben. Eine ideale Rampe für einen Gesellschafts-Talk wie Frank Plasbergs "Hart aber fair", der am Montag im Anschluss eine Diskussion unter dem Motto "Billig, schnell und fett - machen Burger und Discounter unser Essen kaputt?" leitet.

So kommt der "McDonald's-Check" als unterhaltsames Burger-Bashing daher - echte Vergehen jenseits jener gegen den guten Geschmack können allerdings nicht nachgewiesen werden. Zwar kritisiert ein Ernährungsexperte das McDonald's-Kinder-Menü "Happy Meal" vor der Kamera als "Einstiegsdroge", das Experiment danach allerdings, das beweisen soll, wie Kinder mit dem Spielzeug angefixt werden, überzeugt technisch nicht wirklich: Man appliziert einem kleinen Probanden einen Eye-Tracker, der alle Augenbewegungen registriert, dann geht man mit ihm in eine McDonald's-Filiale. Tatsächlich ist der Blick der Versuchsfigur aber gar nicht so starr aufs Happy Meal gerichtet wie das im Kommentar siegessicher behauptet wird.

In einem anderen Versuch stopfen sich zwei Probanden über je eine Woche bei unterschiedlichen Schnellrestaurants voll. Wen wundert's, Asiate und Fischbratstube sind auf Dauer bekömmlicher als die Burger-Bude. Immerhin wird an dieser Stelle eine sachliche Erklärung mitgeliefert: Bei einer McDonald's-Frikadelle im Brot kommt man auf 256 Kilokalorien bei 100 Gramm, bei Gerichten aus einem asiatischen Imbiss nur auf 135 bei 100 Gramm.

Vager sind indes die Angaben, die im Film beim Thema Personalpolitik gemacht werden. Es wird von Degradierungen und fristlosen Kündigungen bei dem Konzern und seinen Franchise-Ablegern berichtet - allerdings finden sich kaum aussagewillige Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter. Bei einem Kassen-Minus von über einem Euro soll dieses in vielen Filialen dem Mitarbeiter in Rechnung gestellt werden. Mit dem Vorwurf konfrontiert, spricht der McDonald's-Chef von Einzelfällen, die nicht sein dürfen. Die Filmemacher haben dieser Abwiegelung leider keine konkreten Beweise entgegenzusetzen.

Einen gewissen Respekt nötigt einem diese Primetime-Sendung dennoch ab. In seiner aktuellen Werbe-Kampagne inszeniert sich McDonald's als eine Art Volksbildungsinstitut, das mit seiner Personalpolitik Kindern aus bildungsfernen Haushalten den Karriereeinstieg ermöglicht. Die Bratstube als Vorspiel zur Management-Laufbahn? Bei so viel Zynismus ist ein etwas verkürztes Aufklärungsfilmchen wie "Der McDonald's-Check" allemal erlaubt.


"Der McDonald's-Check", Montag, 20.15 Uhr, ARD - im Anschluss diskutiert Frank Plasberg bei "Hart aber fair" über das Thema

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