MDR-Skandal Fernsehdirektor wusste seit 2009 von krummen Geschäften

MDR-Sumpf immer tiefer: Jetzt hat Intendant Udo Reiter bekannt gegeben, dass Fernsehdirektor Wolfgang Vietze schon 2009 vom seltsamen Finanzgebaren des Ex-Unterhaltungschefs Udo Foht gewusst hat.

Suspendierter MDR-Unterhaltungschef Foht: Was genau wussten Vorgesetzten wann?
DPA

Suspendierter MDR-Unterhaltungschef Foht: Was genau wussten Vorgesetzten wann?


Leipzig/Berlin - Für Udo Reiter ist das, was zur Zeit über die anrüchigen Geldgeschäfte beim MDR geschrieben wird, "falsch oder nur die halbe Wahrheit" - so schreibt es der Intendant in einem Brief an seine Mitarbeiter. Eine pikante Tatsache offenbart er darin wie nebenbei: Sein Fernsehdirektor Wolfgang Vietze hat schon im Februar 2009 von Schulden des Ende Juli suspendierten Unterhaltungschefs Udo Foht gewusst.

Reiters Rundbrief zufolge ging es um eine Forderung in Höhe von 20.000 Euro. Reiter selbst sei am 28. September 2009 von einem Produzenten darüber informiert worden, dass Foht ihm 10.000 Euro schulde. "Ich habe diesen Vorgang an den Fernsehdirektor weitergegeben und erhielt von ihm Mitte Oktober die Mitteilung, dass die Sache erledigt sei", schreibt der scheidende Intendant. Er habe keine weiteren Nachforschungen angestellt.

Vietze, der wegen der Betrugsaffäre beim Kinderkanal Kika arbeitsrechtlich ermahnt worden war, tritt Ende September in den Ruhestand. Soll er vorgeschoben werden, um von Reiters Nachlässigkeit abzulenken? Reiter selbst hat bereits im Mai seinen vorzeitigen Abschied angekündigt und bleibt noch bis zur Wahl seines Nachfolgers im Amt.

Geld wurde spät oder nie zurückgezahlt

Der Fall Foht kam nach Angaben Reiters ins Rollen, nachdem er wegen des Betrugsfalls beim Kika im Mai eine unabhängige Untersuchungskommission beauftragt hatte, die Strukturen und Abläufe innerhalb des Hauses zu überprüfen. "Daraufhin hat sich ein Produzent an die Juristische Direktorin des MDR gewandt und ihr von merkwürdigen Geldgeschäften im Bereich der Fernsehunterhaltung berichtet."

Nachforschungen ergaben, dass der Leiter des Programmbereichs Unterhaltung sich offenbar bei Produzenten und Privatpersonen Geld geliehen hatte. Angeblich brauchte er dieses für Produktionen oder Not leidende Produktionsfirmen. "Dieses Geld wurde dann teilweise von Dritten, teilweise mit großer Verspätung, teilweise gar nicht zurückgezahlt", berichtete der Intendant.

"Kein finanzieller Schaden für den MDR"

"Dem MDR ist nach bisherigem Erkenntnisstand durch die Geschäfte von Herrn Foht keinerlei finanzieller Schaden entstanden. Gleichwohl hat der Unterhaltungschef grob gegen MDR-Regularien verstoßen", stellte Reiter fest. Er habe ihn deshalb unverzüglich vom Dienst suspendiert und den Vorfall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Bereits vorher war bekannt geworden, dass Foht offizielles Geschäftspapier des MDR genutzt hat, um Geld einzutreiben. Er soll eine Art Schneeball-System aufgebaut haben, bei dem er sich immer neue Kredite besorgt hatte, wenn er alte bedienen musste.

kuz/dapd



insgesamt 2 Beiträge
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thominator, 17.08.2011
1. Das
Zitat von sysopMDR-Sumpf immer tiefer: Jetzt hat Intendant Udo Reiter bekannt gegeben, dass Fernsehdirektor Wolfgang Vietze schon 2009 vom seltsamen Finanzgebaren des Ex-Unterhaltungschefs Udo Foht gewusst hat. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,780754,00.html
kann wirklich nur die halbe Wahrheit sein. Im Grunde genommen geht es offiziell doch nur um Peanuts. Gelder zur Unterstützung "notleidender" Produktionsfirmen wurden erbettelt ??? Der MDR schwimmt doch im Geld . Und nun werden Alles in Allem 20.000 Euro zum Drama ?? Was verdient so ein Programdirektor ??? 1500 Euro brutto ?? Der dann noch das Fernsehballett für 600 Euro monatlich beraten hat ?? Welche Beratungsleistung gibt es für 600 Euro ?? Was ist eigentlich aus den Millionen geworden, die 2008/2009 in den Sand gesetzt wurden, da verspekuliert ?? Wieso darf ein ö-r Fernsehsender öffentliche Gelder an der Börse anlegen und verheizen ?? Fragen über Fragen. Und wir werden die Wahrheit nie erfahren. Aber der Depp ist immer der Bürger.
Hungersson 26.09.2011
2. Im Grunde genommen
macht doch jeder Spitzenangestellte bei den Öffentlich Rechtlichen, was er will. Schleichwerbung beim NDR, nebenbei die eigene Autobiografie, halbe Millionen für die rekonvaleszente Lierhaus, bisschen Förderung für die eigenen "Schlager-Stars". Das Problem liegt in der föderalistsichen Ausrichtung der ganzen ARD. Da dürfen Provinzsender mit Milliarden hantieren. Riesenunternehmen werde von unfähigen Ex-Politikern oder möchtegern Branchenkennern geleitet. kontrolle findet dort ja eh nicht statt. Musste sehr lachen, als ich von der "juristischen Direktorin" gelesen habe. Würde gerne mal deren Gehalt wissen und was sie so den ganzen Tag macht.
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