Umstrittener Kabarettist MDR überdenkt Zusammenarbeit mit Uwe Steimle

Der sächsische Komiker Uwe Steimle gilt wegen politisch kontroverser Äußerungen seit Langem als umstritten. Nun deuten mehrere Hinweise auf das Ende seiner Auftritte im Mitteldeutschen Rundfunk hin.

Kabarettist Uwe Steimle
Sven Ellger/ imago images

Kabarettist Uwe Steimle


Der Mitteldeutsche Rundfunk will offenbar seine Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten Uwe Steimle überdenken. In der ARD-Anstalt ist der sächsische Komiker wegen politisch kontroverser Äußerungen seit Langem umstritten. In seiner Sendung "Steimles Welt" verbreitete er verleumderische Gerüchte über Flüchtlinge, in seinem Bühnenprogramm verglich er die rechtsextreme Terrorzelle "Revolution Chemnitz" mit der Olsenbande.

Nun mehren sich in Leipzig Hinweise, die auf ein baldiges Ende seiner MDR-Auftritte deuten. Gegenüber dem SPIEGEL teilt die Programmdirektion mit: "Die Redaktionen sind aktuell dabei, den Bereich Kabarett und Satire inhaltlich neu aufzustellen." Bereits im vergangenen Jahr hatte MDR-Intendantin Karola Wille Steimle in einem persönlichen Gespräch zur Mäßigung aufgerufen. "Es ist eine Grenze überschritten, wenn uns jemand in die Nähe des Staatsfernsehens rückt", sagte Wille dem SPIEGEL.

In einem Interview mit der Wochenzeitung "Junge Freiheit" hatte Steimle Deutschland als "besetztes Land" bezeichnet und einen staatsfernen Rundfunk bestritten. Im vergangenen Juni erst ließ sich Steimle mit einem "Kraft durch Freunde"-Shirt fotografieren - eine Anspielung auf die nationalsozialistische Freizeitorganisation.

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Seite 1
jonath2010 25.10.2019
1. Armer MDR
Ein bekennender Linker (Steimle über sich) mit rechtspopulistischen Ansichten und Äußerungen. Wie passt das zusammen? Und vor allem: Wie soll man das sanktionieren? Der arme Mitteldeutsche Rundfunk gerät ins Schwimmen.
Bernd Hofstetter 25.10.2019
2. Jeden Tag spring ein neuer Nazi aus dem Busch
Man fragt sich schon, was in diesem Land eigentlich gerade abgeht. Von Steimle hätte ich solche rechten Parolen und Provokationen nicht erwartet. Aber die vergangenen Jahre haben mich auch gelehrt, dass man manche Leute des öffentlichen Lebens ebenso wie des privaten Umfelds plötzlich neu kennenlernt. Plötzlich pullert aus ehemaligen Freunden und Bekannten und leider auch Verwandten rechte Hetze und man fragt sich, ob diese Menschen schon immer so gedacht haben und nur geschwiegen haben oder ob sie ihre neuen Ansichten frisch entwickelt haben. Es gruselt einen, wenn man sich bewusst wird, dass der Kumpel von einst vielleicht insgeheim von einer Karriere als KZ-Aufseher träumt.
les2005 25.10.2019
3. Kein Gegensatz
Zitat von jonath2010Ein bekennender Linker (Steimle über sich) mit rechtspopulistischen Ansichten und Äußerungen. Wie passt das zusammen? Und vor allem: Wie soll man das sanktionieren? Der arme Mitteldeutsche Rundfunk gerät ins Schwimmen.
Sarrazin ist bekanntlich auch (noch) in der SPD. Es ist reine Fiktion, daß links- und rechtsextreme Positionen überschneidungsfrei sind. Zur Erinnerung, Nazi steht für NationalSOZIALIST. Rechtsextrem ist keineswegs eine extremere Form von konservativ. Die Nazis liebten alles, dem sie das Wort "Volks-" voransetzen konnten, und Populisten beider Lager konstruieren ja gerne einen Gegensatz zwischen den guten "einfachen Leuten" und den bösen Eliten - ob die jetzt mehr Geld haben oder mehr Verstand, ist da egal.
torgrun 25.10.2019
4. Na, wenn der MDR...
… ihn rauskantet, dann beweist er bloß, dass er Staatsfernsehen ist.^^ Steimle macht dass, was man eigentlich von der Politik erwartet: mit den Leuten reden, um heraus zu finden, warum sie z.B. bei PEGIDA mitmarschieren. Das KdFr auf dem Nikki ist ein alter Kabarett-Hut, ja der SPIEGEL selbst hat diesen Slogan mehrfach verwendet. Und das wir de facto ein besetztes Land sind, sehen wir doch jeden Tag in Form der freiwilligen (?) Arschkriecherei gegenüber den Amis, von Atlantikbrücke über Wirtschaftssanktionen bis zum völkerrechtswidrigen Einsatz in Syrien. Na, und dass der ÖrR nicht staatsfern ist, sieht jeder Blinde - ein z.T. pures Verlautbarungsorgan von Bundesregierung, Wirtschaft und USA-NATO. Und dann kommt ein politisch interessierter Kabarettist, spricht diese Binsenwahrheiten aus und wird gemobbt... Getroffene Hunde... Uwe Steimle in die rechte Ecke zu stellen ist grotesk. Fehlt eigentlich nur noch Herr Felix Klein... Ich kann Herrn Steimle nur wünschen, dass er sich von dieser "freien" medialen und politischen Öffentlichkeit nicht einschüchtern lässt. Damit sich in diesem Land überhaupt noch etwas bewegt, brauchen wir Leute wie ihn. Gopf hoch un Gusche uff, Uuwä!
interessierter10 25.10.2019
5. Ja, und was sagt Steimle dazu?
Wird bei SPON nicht mehr recherchiert? Steimle hatte ich immer im fortschrittlichen Bereich verortet.
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