Rechter TV-Star Megyn Kelly Die Füchsin

Megyn Kelly, Aushängeschild des konservativen US-Senders Fox News, wechselt zu NBC. Ihr Aufstieg offenbart den Rechtsdrall der amerikanischen Mainstream-Medien.

AP

Von , New York


In den USA sind manche Fernsehmoderatoren größere Stars als Hollywood-Schauspieler oder Promi-Sportler. Ihre Millionengehälter, Rivalitäten, Privatdramen und Karrieresprünge machen Schlagzeilen. Jüngstes Beispiel: Megyn Kelly, die bisherige Vorzeige-Lady des konservativen Kabelkanals Fox News.

Kelly hatte im US-Wahlkampf für Wirbel gesorgt, als sie mit Donald Trump aneinandergeriet - sie befragte ihn zu seinen sexistischen Äußerungen, er beleidigte sie daraufhin sexistisch: Eine "Tussi" sei Kelly, ein "Leichtgewicht", der "das Blut rausläuft". Es folgte dann aber kein öffentlicher Schlagabtausch mehr, sondern ein handzahmes Versöhnungsinterview.

Nach dem Sexskandal-Sturz ihres Chefs Roger Ailes versilberte Kelly ihre neue Rolle als Jeanne d'Arc der Pressefreiheit dennoch mit einer Autobiografie - und lukrativen Vertragsverhandlungen, die die ganze Nation verfolgte.

Interview von Kelly und Trump im März 2016:

Reuters/Fox News

Diese Verhandlungen fanden jetzt ihr dramatisches Finale: Kelly wechselt von Fox News zu NBC. Ein Quantensprung: NBC ist das älteste, etablierteste, aber auch staubigste Network Amerikas. In seinen Rockefeller-Center-Studios entstand TV-Geschichte - nur einen Block entfernt vom modernen, 1996 gegründeten Fox News, das die Nachrichten politisierte und Trump mit zum Wahlsieg trug.

Doch Kellys Umstieg vom Kabelstar zur Network-Diva offenbart noch viel mehr. Denn sie ist mitnichten eine Heldin, sondern bleibt ein - gut kaschiertes - Produkt des rechtskonservativen Universums. Mit ihrem makellosen Mythos und ihrer Beförderung in den journalistischen Mainstream verkörpert sie das neue Schlagwort du jour: "Trumpification" - die Vertrumpung der Medien.

Rassismus, "fake news", Lügen als Agenda: Selten zuvor wurden in der US-Politik so viele Tabus gebrochen. Der Rand wird zur "neuen Mitte" - auch dank vieler Journalisten, die das Undenkbare normalisieren und stubenrein machen.

Kelly schafft das mit dem kühlen Glamour einer Eiskönigin. Sie verwandelt Propaganda in Entertainment, macht Ideologie attraktiv: Fox News setzte sie an Glastische, um ihre Beine zeigen zu können. Gleichzeitig verbreitete Kelly aber einst auch eine rechte Verschwörungstheorie, wonach Präsident Barack Obama mit den radikalen Black Panthers unter einer Decke stecke. Sie ließ Rassisten oft unwidersprochen zu Wort kommen und versicherte allen Kindern, dass "Jesus ein weißer Mann war" - und der Weihnachtsmann auch.

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Star-Moderatorin Megyn Kelly: Ihre Karriere in Bildern

Ab und an gab sie sich auch als moderat angehauchte Stimme der Vernunft - weshalb ihr Fox News auch 20 Millionen Dollar im Jahr geboten haben soll, um sie zu halten. In seinem meist von Männern moderierten Programm war sie ein Lichtblick, ein Lächeln zwischen griesgrämigen Trumpisten - erst recht seit dem Frauenskandal um Ailes. Nach dem Abgang ihrer Konkurrentin Greta Van Susteren war Kelly die letzte Moderatorin in der konservativen Primetime.

Dass Fox News nun einen Mann zu ihrem Nachfolger ernannt hat, zeigt seine tiefe Sinnkrise - die auch von außen kommt: Fox News hat kein Monopol mehr auf die Wutbürger. Die Konkurrenz des Senders rückt immer weiter nach rechts. CNN bot den extremen Tönen des Trump-Teams eine kostenlose Bühne. MSNBC, die einst linke Antwort auf Fox News, scheffelt mit progressiven Idolen wie Rachel Maddow zwar weiter Quoten. Doch auch da hat die Aushöhlung längst begonnen. Die populären Moderatoren des MSNBC-Frühstückstalks "Morning Joe" haben inzwischen offen die Seite gewechselt. Jetzt verkündete MSNBC die Aufnahme einer weiteren Fox-News-Exilantin ins Abendprogramm: Greta Van Susteren.

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Interessenkonflikte: Das Imperium der Trumps

Da will nun auch NBC, die Network-Mutter von MSNBC, mitmachen. Immerhin hat sie Trump groß gemacht: Bei NBC startete er sein TV-Comeback mit der Reality-Show "The Celebrity Apprentice", bei der Promis ihren Geschäftssinn beweisen sollen. Heute wird sie vom kalifornischen Ex-Gouverneur und Actionheld a. D. Arnold Schwarzenegger moderiert. Als Co-Produzent lässt sich Trump dafür weiter von NBC bezahlen - einer seiner vielen Interessenkonflikte.

In diesen bunten Kessel aus Politik und Showbusiness stößt jetzt Megyn Kelly. Nach ihrem telegenen Wahlkampfzank mit Trump erklärten sie die Kollegen zur Schutzheiligen. Sie war nicht ganz so schlimm wie die anderen rechten Eiferer, das reichte: "Vanity Fair" machte sie zum Covergirl, als "Rollenvorbild für Frauen, die ihr Geschlecht als irrelevant sehen", doch erbaute sich zugleich an Kellys "glitzernden Locken" und ihrem "engen schwarzen Rock".

Bei NBC soll Kelly Talk- und Reportageshows moderieren. Und bei politischen Großereignissen künftig, offenbar zum Ärger der nüchternen NBC-Journalisten, eine führende Rolle spielen - zum Beispiel bei der nächsten Präsidentschaftswahl.



insgesamt 26 Beiträge
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lightcycler 06.01.2017
1. Das klingt nach einem fairen Shift
So links, wie die amerikanischen Main-Stream-Medien bisher aufgestellt waren, ist das doch als der richtige Schritt in einer ausgewogenere Berichterstattung in den Vereinigten Staaten zu bewerten.
sabato.74 06.01.2017
2. Unmöglich
Dass solche Leute wie Megyn Kelly einen Job in einem anerkannten TV-Sender bekommen, nachdem sie für Fox News gearbeitet haben, ist eine Verharmlosung dieses Hetztsenders. Solche Leute sollten beruflich für immer verbrannt sein. Fox News ist das Allerletzte. Die Hetze wird auch nicht dadurch relativiert, dass es inzwischen Medien gibt, die noch weiter rechts stehen (Breitbart). Hier in Europa muss man sich ja ständig anhören, man sei anti-amerikanisch, wenn man die USA kritisiert (beispielsweise für sinnlose Krieg in Mittelost). Wer das behauptet, der sollte sich mal einen Tag vor Fox News setzen und sich reinziehen, was da für ein Bild von Westeuropa und insbesondere von Deutschland gezeichnet wird. Man könnte Bücher über Anti-Europäismus in den USA schreiben. Redet aber keiner von, schon gar nicht in den USA.
C. V. Neuves 06.01.2017
3.
"Rechts" oder "Links" ist heute nicht mehr unbedingt der Gegensatz. Simon Jenkins vom ehemals linken Guardian schrub unlängst "there is no longer a 'right wing, or a left. There are nations and there are tribes within nations, both growing ever more assertive".
Mr T 06.01.2017
4. Esrtaunen
Zitat von lightcyclerSo links, wie die amerikanischen Main-Stream-Medien bisher aufgestellt waren, ist das doch als der richtige Schritt in einer ausgewogenere Berichterstattung in den Vereinigten Staaten zu bewerten.
Habne Sie schon mal amerikanische Zeitugen neben der NYT und Washington Post gelesen?
räbbi 06.01.2017
5.
Ah, die Megyn. Ich find sie ja faszinierend. Kennt noch jemand den Streifen "Teuflisch" in dem Liz Hurley den Satan persönlich spielt? Die Rolle wär auch was für Megyn gewesen: "sei einfach du selbst". :D Aber mal sehen wie sie sich schlägt...unterhaltsam wird's sicherlich.
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