Mehmet Kurtulus verlässt "Tatort" Abgang eines Alleskönners

Hiobsbotschaft für den Hamburger "Tatort": Im nächsten Jahr wird Mehmet Kurtulus nicht mehr als Cenk Batu im Revier an der Elbe ermitteln. Dabei stellten die Folgen mit dem Undercover-Cop die spannendsten und innovativsten der gesamten Krimi-Reihe dar. Der NDR sucht bereits einen Nachfolger.
Schauspieler Kurtulus: Nach sechs Filmen als "Tatort"-Ermittler Cenk Batu ist Schluss

Schauspieler Kurtulus: Nach sechs Filmen als "Tatort"-Ermittler Cenk Batu ist Schluss

Foto: AP / NDR

Hamburg - Ein verdeckter Ermittler türkischer Herkunft recherchiert durch alle Gesellschaftsschichten Hamburgs: Mit diesem Erzählkonzept wollte der NDR seinen vorher arg dahindümpelnden Elb-"Tatort" vor drei Jahren in eine aufregende Zukunft führen. Und tatsächlich: Der von Mehmet Kurtulus gespielte Undercover-Cop Cenk Batu entwickelte sich zur spannendsten Figur der Reihe: Schnell, komplex und hochmodern waren die Fälle, in denen der extrem wandlungsfähige Kommissar zu sehen war.

Umso bestürzender die Meldung vom NDR am Freitag, dass Kurtulus bald sein Engagement beenden werde. Wie es sein Vertrag vorsieht, werde er nach seinen vier bereits gesendeten "Tatort"-Folgen von Juli bis September 2011 noch zwei weitere drehen. Danach steige der Schauspieler aus, um sich verstärkt internationalen Filmprojekten zuzuwenden.

Thomas Schreiber, Leiter des Programmbereichs Fiktion und Unterhaltung des NDR: "Schade - wir haben versucht, Mehmet Kurtulus davon zu überzeugen, über die ursprünglich geplante Vertragslänge hinaus mit uns den Hamburger 'Tatort' weiterzuentwickeln." Fernsehspielchef Christian Granderath habe sich bei mehreren Treffen immer wieder bemüht, Kurtulus umzustimmen. Nachdem der Schauspieler den Sender bereits im Herbst über seine Entscheidung informiert habe, sei man in die Entwicklung neuer Konzepte für den Hamburger "Tatort" eingestiegen. Zurzeit suche man einen Nachfolger für Kurtulus.

Dass der nun dem extrem renommierten und preisgekrönten Hamburger "Tatort" wirklich nur wegen seiner internationalen Karriere eine Absage erteilt hat, verwundert doch sehr: Zwei Folgen im Jahr mit je einem knappen Monat Drehzeit scheinen durchaus vereinbar mit Auslandsengagements.

Möglicherweise spielen also Begleitumstände bei Dreh und Ausstrahlung eine Rolle für Kurtulus' Abschied: Trotz der begeisterten Kritiken war die Quote für "Tatort"-Verhältnisse nur passabel; die letzte Batu-Episode am vergangenen Sonntag sahen 6,83 Millionen Zuschauer - was auch an dem komplexen und kunstvollen Rückblendengeflecht am Anfang der Folge gelegen haben könnte. Möglicherweise fühlten sich von ihm viele Zuschauer bei ihrem Mord zum Sonntag überfordert.

Doch gerade das außergewöhnliche Tempo des urbansten aller Fernsehkrimis macht eben auch die Qualität dieses Ausnahme-"Tatort" aus. In kaum einen anderen Fernsehkrimi gibt es so viele Ortswechsel. So entstand über die letzten vier Episoden ein ganz eigenwilliges Milieu-Cruising, das durch unterschiedlichste Szenen und Ethnien der Hansestadt führte. Als türkischer Undercover-Cop konnte sich Kurtulus' Batu sowohl in Dönerschnippler als auch in Manager perfekt einfühlen.

Bleibt zu hoffen, dass der NDR mit dem Abgang des Alleskönners und nach dem unvermeidlichen "Tatort"-Relaunch das Niveau halten kann. Unterhaltungschef Schreiber verspricht auf jeden Fall, dass man auch ohne Kurtulus an der radikalen ästhetischen und inhaltlichen Ausrichtung des Hamburg-"Tatort" festhalten werde.

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