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Comedy mit Christoph Maria Herbst: Wenn die Liebe kaputtgeht

Foto: Martin Rottenkolber/ ZDF

Trennungs-Comedy "Merz gegen Merz" Happy Hour in der Hölle

Trennungen sind nicht schön. Aber lustig. Jedenfalls die der anderen. "Stromberg"-Schöpfer Ralf Husmann legt mit der ZDF-Serie "Merz gegen Merz" den Bericht einer entgleisenden Paartherapie vor. Ein Highlight!

"When love breaks down
The things you do
To stop the truth from hurting you"

"When Love Breaks Down", Prefab Sprout

Was man so tut, wenn man nicht wahrhaben will, dass die Liebe zerbricht: zur Paartherapie gehen zum Beispiel. Geschützter Raum, Wille zum Dialog, Sehnsucht nach Wiedervereinigung, war doch früher alles so schön. Doch schon bei der zweiten Sitzung steht da auf einmal das vernichtende Statement im Raum: "Ich weiß nicht, ob wir uns jemals so geliebt haben, wie wir uns jetzt hassen."

Sagt Anne Merz (Annette Frier) über ihre Ehe mit Erik Merz (Christoph Maria Herbst). Was sie eint: Erinnerungen an 20 gemeinsame Jahre, ein halbwüchsiger Sohn, der daraus hervorgegangen ist, und der mittelständische Betrieb von Annes Familie, in dem Erik eine leitende Funktion hat. Was sie trennt: alles andere.

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Comedy mit Christoph Maria Herbst: Wenn die Liebe kaputtgeht

Foto: Martin Rottenkolber/ ZDF

Nicht mal mehr am Geburtstag von Anne vermag Erik Euphorie zu simulieren. Als er im Schmuckladen von der Verkäuferin gefragt wird, wie seine Frau denn so sei, sagt er: "Mittel. Also mittelgroß, mittelalt, mittelblond." Später fällt ihm doch noch ein Vergleich ein, sie sei wie Erdbeereis: "Früher als Kind, als das Leben schwierig war, und man bekam ein Erdbeereis, dann war wieder alles gut. So ist die Anne auch - an guten Tagen. An schlechten Tagen ist sie eher wie Resteessen, wo man denkt: Hä, das war doch eigentlich ganz lecker, aber jetzt schmeckt es hauptsächlich wie aufgewärmt."

Der Stress der anderen, herrlich!

Ausgerechnet als bei Anne und Erik die Stimmung richtig im Keller ist, müssen sie zum Segen des Familienunternehmens mit einem schwäbischen Geschäftspartner und dessen Frau essen. Anne: "Ein Pärchenabend mit den Eberles, dir und meinen Eltern, was soll das sein - Happy Hour in der Hölle?" Im Verlauf des Abends kampfschwäbeln sich die Eberles dann allerdings selbst Richtung Scheidung, und Erik hat auf einmal einen zärtlichen Moment: "Wir hatten immer Spaß, wenn die anderen Stress hatten."

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Regie: Ralf Husmann; Darsteller: Christoph Maria Herbst, Annette Frier

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Der Stress der anderen, "Merz gegen Merz"-Schöpfer Ralf Husmann wusste dieses Element stets perfide gut zu instrumentalisieren. Bei seiner Büro-Studie "Stromberg" - ebenfalls mit Herbst in der Hauptrolle - offenbarte sich im bestürzend aberwitzigen Strampeln der Titelfigur die ganze Tragikomik des deutschen Dienstleistungswesens. Da ging es um Niveau-Abstürze, die wie Autounfälle inszeniert waren, bei denen man den Blick nicht abwenden konnte.

Die Zuspitzungen in "Merz gegen Merz" sind weniger schrill. Die Serie arbeitet mit Rock- und Popsongs der Achtziger und Neunziger, zu denen die Figuren einst die großen Gefühlsmomente hatten, die sie sich jetzt nur noch so schwer ins Gedächtnis rufen können: Hüsker Dü, Soundgarden, Air. Nach dem gleichen Prinzip arbeitete auch der Trennungsfilm "Bist du glücklich?" Anfang des Jahres in der ARD: Musik als Erinnerungsstütze, Musik als Wahrheitsserum.

Martialische Gefühlslagen, melancholische Tonlagen

Zur Einstimmung erklingen in "Merz gegen Merz" Prefab Sprout mit "When Love Breaks Down", dem Trennungslied, das alle anderen Trennungslieder überflüssig macht. Das gibt klug die Grundstimmung der Serie vor: Martialische Gefühlslagen werden in melancholischen Tonlagen präsentiert, Grausamkeiten kommen verführerisch wattiert daher. Einmal gibt es allerdings auch einen sehr eleganten, sehr legitimen Tritt in Eriks Genital.

Das ZDF zeigt die Serie Donnerstag, Samstag, Ostersonntag und Ostermontag in Doppelfolgen zu respektablen Zeiten, in der Mediathek  ist sie zeitgleich komplett abrufbar, kurz darauf erscheint die DVD. Die ZDF-Verantwortlichen beweisen gerade ein bisschen Mut in Sachen Serie; man lässt sich nicht nur von der internationalen Dynamik auf dem Fernsehmarkt zu neuen Kooperationen anspornen, sondern sucht für die eigenen Produktionen Sendeflächen jenseits der üblichen Laborprogrammplätze.

Und davon profitieren nun auch die an "Merz gegen Merz" Beteiligten. Hauptdarsteller Herbst hatte in der Magenta-TV-Serie "Deutsch-les-landes" zwischen all den dort aufgefahrenen deutsch-französischen Klischees ja eher eine nicht so gute Figur gemacht, Head-Autor Husmann hatte die letzten drei Jahre mit dem Dresden-"Tatort" vergeblich versucht, mit dem MDR eine Balance zwischen Drama und Comedy zu finden, bevor er entnervt das Handtuch schmiss.

Bei "Merz gegen Merz" ist Husmann nun wieder ganz bei sich. Traumwandlerisch sicher bewegt er sich zwischen Schmerz und Witz, während er die Paartherapie genüsslich entgleisen lässt. Versöhnung nicht ausgeschlossen, dramaturgisch aber unerwünscht. Eine zweite Staffel ist bereits in Arbeit.


"Merz gegen Merz", ab Donnerstag, 22.15 Uhr, ZDF

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