MTV Europe Music Awards Swift räumt ab, Europa glänzt mit Abwesenheit

Es war der Abend der Newcomer: US-Sängerin Taylor Swift räumte bei den Europe Music Awards in Frankfurt drei Preise ab, die Kanadierin Carly Rae Jepsen erhielt zwei Trophäen. Und Südkoreaner Psy brachte mit seinem "Gangnam Style" die Halle zum Tanzen. Europäische Künstler sucht man vergebens.

Von , Frankfurt


Überraschung in Frankfurt: Bei den MTV Europe Music Awards setzten sich am Sonntagabend nicht die bekannten Gesangsgrößen vergangener Jahre durch, sondern frische Talente. Statt Lady Gaga oder der sechsfach nominierten und dennoch leer ausgegangenen Rihanna hießen die Gewinner Carly Rae Jepsen, One Direction, Justin Bieber und Taylor Swift. Letztere wurde nicht nur als beste Sängerin ausgezeichnet, sondern erhielt auch den Preis für die beste Live-Performance und den besten Look.

Damit zeigte sich der Musik-Sender, der in Deutschland nur noch im Bezahlfernsehen ausgestrahlt wird, von seiner ursprünglichen Seite: als Jugendkanal und Plattform für aufstrebende Künstler. Wie viel Wert MTV in Zeiten sinkender Albenverkäufe auf junge Interpreten setzt, das konnte man bereits zu Beginn der zweistündigen Show in der Frankfurter Festhalle erleben.

Da traten direkt hintereinander drei Musik-Neulinge auf. Die 21-jährige Rita Ora schwebte zu ihrem Hit "R.I.P." in einem großen Vogelkäfig von der Decke. Die Indie-Popgruppe Fun durfte ihren Sommerhit "We Are Young" vortragen, während Carly Rae Jepsen mit "Call Me Maybe" einen ganzen Schwarm tanzfreudiger Teenager auf die Bühne lockte, um gemeinsam zu feiern. Ihr Lied wurde zum Song des Jahres gewählt.

Feuerzauber im Zirkuszelt

Jung, frisch und sexy - so wollte sich der Musiksender bei seiner 19. Preisverleihung in Europa präsentieren. Für den nötigen Glamour sorgte Moderatorin Heidi Klum, die im Laufe des Abends sechsmal ihre Kleidung wechselte. Ob blaues Lederoutfit oder kleines Schwarzes, eine Bedingung mussten alle Kleider der gebürtigen Bergisch Gladbacherin erfüllen: Feuerfest sollten sie sein.

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Show in Frankfurt: MTV Europe Music Awards
Denn die Veranstalter setzten vor allem pyrotechnische Akzente. Feuerregen sprühte von der Decke, junge Artistinnen räkelten sich durch angezündete Reifen. Dazu kamen Gaukler, Jongleure und Feuerschlucker, die passend zur Zirkusdekoration der Hauptbühne ein wenig Magie versprühten.

Der ikonischste Moment der Show gebührte dabei der Kronprinzessin Taylor Swift. Auf einer dreistöckigen Torte stehend trug die 22-Jährige ihren aktuellen Hit "We Are Never Ever Getting Back Together" vor, während einmal mehr Funkenregen aus dem Tortenboden schoss und goldenes Lametta von der Decke fiel - eine junge Frau, die unter Feuer stand.

Das Bild war besonders schön, weil Swift in diesem Jahr den Titelsong des Hollywood-Hits "Die Tribute von Panem" beigesteuert hatte. Und damit das Lied zu eben jenem Film, in dem die Hauptfigur als "Girl on Fire" eine Revolution gegen das veraltete Herrschaftssystem anführt.

Interaktion durch Twitter

Ist Taylor Swift also die Retterin der kränkelnden Musikbranche? MTV versuchte zumindest, die Idee einer modernen, die Wünsche der Konsumenten bedienenden Show zu erwecken. Im Internet ließ der Veranstalter die Zuschauer abstimmen, welchen Song die Country-Sängerin Swift zum Finale vortragen durfte. Die Twitter- und Facebook-Gemeinde sollte eingebunden werden.

Auch trat mit Psy einer der größten Stars des Web-2.0-Zeitalters auf. Der Südkoreaner, der mit seinem Internetsong "Gangnam Style" Weltruhm erlangte, stand erstmals vor großem Publikum auf der Bühne. Von Lampenfieber war dennoch nichts zu spüren: Schon bei den ersten Tönen stimmte der Saal in die schräge Reiterchoreografie mit ein. Ein Erfolg, der mit der Auszeichnung von "Gangnam Style" zum besten Video gekrönt wurde.

Weitere Preise gingen unter anderem an Lana Del Rey ("best alternative") und Linkin Park ("best rock"). Die US-Sängerin Whitney Houston wurde posthum mit dem Global Icon Award ausgezeichnet - für ihren Einfluss auf die nachfolgende Musikergeneration. Außerdem bereicherten No Doubt, Muse, The Killers, Pitbull und Alicia Keys die Show mit eigenen Live-Auftritten.

EMA ohne Europäer

Bereits zum zweiten Mal nach 2001 fanden die Europe Music Awards in Frankfurt statt. Die Wiederwahl hatte im Vorfeld zu Spekulationen geführt. Pragmatiker hoben die gute Infrastruktur der Stadt hervor, die mit dem zweitgrößten Flughafen Europas und einem ausgebauten Verkehrsnetz für Mega-Events wie die EMA prädestiniert sei. Musik-Kenner verwiesen lieber auf die ursprüngliche Verbundenheit Frankfurts mit dem Sender: Schließlich war im ersten auf MTV ausgestrahlten Musikclip, "Video Killed the Radio Star", das Frankfurter Urgestein Hans Zimmer zu sehen.

Was auch immer die Veranstalter zu ihrer Entscheidung bewogen hatte, gewiss lag es nicht an der europäischen Atmosphäre der Stadt. Generell hatten die diesjährigen EMA wenig mit Europa zu tun. In weiten Teilen erinnerte die Show an einen Abklatsch der US-amerikanischen Video Music Awards, vor allem wegen fehlender einheimischer Künstler. Selbst die britische Boyband One Direction, die zwei Trophäen erhielt, glänzte mit Abwesenheit. Und auch Moderatorin Heidi Klum setzte trotz andersverlauteter Ankündigungen keine indigenen Akzente - es sei denn, man sah in ihrem Jodelauftritt eine typisch deutsche Eigenart. Löbliche Ausnahmen bildeten die Auftritte der britischen Gruppe Muse und ihrer Landsmännin Rita Ora.

Was den "Best German Act" angeht, so hatte man schon im Vorfeld der Show Tim Bendzko zum Sieger gekürt. Ein Preisempfang auf der Bühne blieb dem Berliner verwehrt.


Die Preisträger im Überblick:

  • Best female: Taylor Swift
  • Best song: Carly Rae Jepsen - Call Me Maybe
  • Best male: Justin Bieber
  • Best live: Taylor Swift
  • Best look: Taylor Swift
  • Best rock: Linkin Park
  • Worldwide Act: Han Geng (China)
  • Best video: Psy - Gangnam Style
  • Best Hip Hop: Nicki Minaj
  • Best Electro: David Guetta
  • Best pop: Justin Bieber
  • Best World Stage: Justin Bieber
  • Global Icon Award: Whitney Houston
  • Best Alternative: Lana del Rey
  • Best push: Carly Rae Jepsen
  • Best newcomer: One Direction
  • Biggest fans: One Direction
  • Best German Act: Tim Bendzko



insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
romeov 12.11.2012
1. Schwachsinn hoch3
Noch nie war die Musikszene langweiliger!
Stelzi 12.11.2012
2. Oje, das ist das Ende
Wenn alte Milchgesichter wie Swift und Bieber Frische und Neues verkörpern sollen, dann schliesse ich mich lieber gleich mit meiner Musiksammlung im Keller ein - darunter findet sich bestimmt kein Schmu wie diese beiden!
borzensen 12.11.2012
3.
"Der Südkoreaner, der mit seinem Internetsong "Gangnam Style" Weltruhm erlangte, stand erstmals vor großem Publikum auf der Bühne" Wie kommt man auf eine derartig absurde Behauptung?
mincepie 12.11.2012
4. Schlecht recherchiert
Das Psy laut Artikel bei den MTV Awards seinen ersten Auftritt vor Publikum hatte, klingt zwar niedlich, ist aber völliger Nonsense. Der gute Mann ist in Korea seit Jahren sehr erfolgreich unterwegs und ist vor einigen Wochen vor 80.000 Fans aufgetreten (http://www.youtube.com/watch?v=Ixsn81SqU6E). Wen wundert da, dass er da bei den MTV Awards kein Lampenfieber hat... Beim nächsten mal bitte vorher drei Minuten googlen!
Freifrau von Hase 12.11.2012
5. Tim wer?
"Was den "Best German Act" angeht, so hatte man schon im Vorfeld der Show Tim Bendzko zum Sieger gekürt." Muss man den jetzt kennen? Ist der von DSDS oder so? Ich schließe mich einem Vorposter an: Ich ziehe mich mit meiner Musiksammlung in den Keller zurück - und überlasse den MTV-Kram den Bravo-Lesern.
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