Nach Diktatoren-Tanz Abmahnung für Geschäftsführer des MDR-Balletts

Rüffel für die Gute-Laune-Truppe: Anfang Oktober tanzte das MDR-Fernsehballett für den umstrittenen tschetschenischen Präsidenten, daraufhin kündigte der MDR Konsequenzen an. Die sind jetzt eingetreten - in Form einer Abmahnung für den Geschäftsführer des Balletts.

dapd

Hamburg/Leipzig - Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow ist ein sehr umstrittener Mann, ihm werden schwere Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Es hätte den Verantwortlichen des MDR-Fernsehballetts also schwanen können, dass es heikel sein könnte, Anfang Oktober auf einer vom Präsidenten veranstalteten Feier in Grosny aufzutreten.

Nachdem der Tanz für den Diktator bekannt und öffentlich angeprangert wurde, kritisierte auch der Mitteldeutsche Rundfunk den Auftritt und kündigte an, dass in einer Gesellschafterversammlung des Fernsehballetts über Konsequenzen nachgedacht werden solle.

Nun haben die Gesellschafter der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH getagt und dem Geschäftsführer des Fernsehballetts, Bodo Bergmann, eine Abmahnung ausgesprochen. Zu den Gesellschaftern des Fernsehballetts gehört auch Uwe Geißler von der Drefa Media Holding, einer Tochtergesellschaft des MDR, die zu 40 Prozent am Fernsehballett beteiligt ist. Die anderen 60 Prozent werden von privatwirtschaftlichen Unternehmen gehalten.

In einem Schreiben missbilligen die Gesellschafter nun den Auftritt einiger Mitglieder des Ensembles in Grosny ausdrücklich. "Unsere Bemühungen, das Ballett als positiven Imageträger zu platzieren, haben einen herben Rückschlag erlitten. Sowohl unsere Funktion als auch unsere Wertvorstellungen verlangen von uns entschiedenes Handeln", heißt es.

Konkrete Konsequenzen hat die Abmahnung für Bodo Bergmann erst einmal nicht: "Sein klares Statement, alles dafür zu tun, die künstlerischen Leistungen unseres Balletts keinesfalls politisch instrumentalisieren zu lassen, veranlasst uns, ihm weiterhin unser Vertrauen auszusprechen", so die Gesellschafter.

Die Gage für den Auftritt in Grosny soll nun an "Reporter ohne Grenzen" gespendet werden.

Der Auftritt des Fernsehballetts ist allerdings nur einer von vielen Skandalen, mit dem die frisch gewählte MDR-Intendantin Karola Wille zu kämpfen hat. Auch der Kika-Prozess und der Betrugsskandal sind noch nicht ausgestanden.

gol/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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makutsov 25.10.2011
1. Abmahnung
Da ist er wirklich glimpflich davongekommen, das hätte nie passieren dürfen!
vHayekFan 25.10.2011
2. die Segnungen des Marktes
Erst teilprivatisieren und dann rummeckern, wenn marktgerecht agiert wird. Das ist doch einfach nur widerliche Heuchelei.
Mr.Threepwood 25.10.2011
3.
was soll der affentanz? ständig wird über GEZ finanzierte unterhaltung gemotzt und wenn sie mal anfangen selbst einnahmen zu generieren ist es auch nicht recht. selbst seal und ein haufen andere ausländischer prominez ist für den schon aufgetreten. sollen diese künstler jetzt einreiseverbot in d bekommen?
unterländer 25.10.2011
4.
Zitat von Mr.Threepwoodwas soll der affentanz? ständig wird über GEZ finanzierte unterhaltung gemotzt und wenn sie mal anfangen selbst einnahmen zu generieren ist es auch nicht recht. selbst seal und ein haufen andere ausländischer prominez ist für den schon aufgetreten. sollen diese künstler jetzt einreiseverbot in d bekommen?
Bislang ist ja noch nichts darüber geschrieben worden, ob die wenigen Mitglieder des Balletts dort privat auftraten. So etwas gibt es öfter im deutschen Kulturbetrieb, dass Teile eines Ensembles, quasi als Nebentätigkeit, privat noch andere Auftritte als das Pflichtprogramm absolvieren. Der Umstand, dass die Einnahmen für das Vortanzen beim Diktatoren notleidenden Künstlern gespendet werden sollen, stützt m.E. diese Vermutung. Sollte es so gewesen sein, ist eine Abmahnung tatsächlich eine ziemlich milde Form der Maßregelung.
Mr.Threepwood 25.10.2011
5. einspruch,
Zitat von unterländerBislang ist ja noch nichts darüber geschrieben worden, ob die wenigen Mitglieder des Balletts dort privat auftraten. So etwas gibt es öfter im deutschen Kulturbetrieb, dass Teile eines Ensembles, quasi als Nebentätigkeit, privat noch andere Auftritte als das Pflichtprogramm absolvieren. Der Umstand, dass die Einnahmen für das Vortanzen beim Diktatoren notleidenden Künstlern gespendet werden sollen, stützt m.E. diese Vermutung. Sollte es so gewesen sein, ist eine Abmahnung tatsächlich eine ziemlich milde Form der Maßregelung.
sollten teile der belegschaft des ballets dort als privatpersonen aufgetreten sein ist das deren angelegenheit. das zeigt wieder einmal mehr die doppelmoral in unserer gesellschaft.
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