Nach Tschetschenien-Auftritt MDR wird das Fernsehballett los

Weil Ensemblemitglieder für den tschetschenischen Präsidenten tanzten, war das Fernsehballett des MDR in die Kritik geraten. Nun kappt der Leipziger Sender die Verbindungen: Der MDR verkauft seinen 90-Prozent-Anteil an einen Berliner Fernsehproduzenten - und verschwindet auch aus dem Namen.
Die Beine fliegen weiter, aber nicht mehr für den MDR: Deutsches Fernsehballett

Die Beine fliegen weiter, aber nicht mehr für den MDR: Deutsches Fernsehballett

Foto: MDR

Leipzig - Der skandalgeschüttelte Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat offenbar Großreinemachen im Sinn. Neben dem Betrugsprozess um den Kinderkanal und den Mauscheleien des früheren Unterhaltungschefs hatte im Herbst 2011 auch ein Auftritt von Tänzern des MDR-Fernsehballetts bei der Geburtstagsfeier des tschechenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow für Aufregung gesorgt. Nun hat die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt sich von ihrem 90-Prozent-Anteil getrennt, den sie zuletzt über ihre 100-prozentige Tochter Drefa Media Holding gehalten hatte.

Käufer des Mehrheitsanteils ist der Berliner Fernsehproduzent Peter Wolf ("Willkommen bei Carmen Nebel"), wie der MDR am Montag in Leipzig mitteilte. Die übrigen zehn Prozent würden beim Fernsehballett-Verein verbleiben, dem die Mitglieder des Ensembles angehören, hieß es weiter.

"Das Deutsche Fernsehballett bleibt über die nach wie vor vereinbarten zahlreichen Auftritte auch weiterhin eng mit dem MDR-Fernsehen verbunden", sagte Drefa-Geschäftsführer Uwe Geißler den Angaben zufolge. Wolf sei ein äußerst branchenerfahrener Unternehmer, der dem Ballett - auch über dessen 50. Geburtstag in diesem Jahr hinaus - bundes- und europaweit eine dauerhafte Perspektive auf hohem künstlerischen Niveau bieten könne.

Wolf dankte dem MDR für das entgegengebrachte Vertrauen. "Das Deutsche Fernsehballett hat mit dem MDR für die Jahre 2012 und 2013 eine Vielzahl von Auftritten in MDR- und ARD-Sendungen vereinbart und auch daher blicken wir optimistisch in die Zukunft", sagte Wolf. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Das Fernsehballett war im Jahr 1962 im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks der DDR gegründet worden. Es gehörte bald untrennbar zu Fernsehshows wie "Ein Kessel Buntes". Nach dem Ende der DDR drohte auch dem Ballett das Aus. Der neu gegründete MDR bot eine Übernahme an und so ging das Fernsehballett des DDR-Fernsehens im Januar 1992 in der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH auf. 1999 übertrug der Sender seine Anteile an die Drefa-Holding.

Nach dem Skandal im Oktober vergangenen Jahres wegen des Auftritts von Ensemblemitgliedern bei einer Feier für den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, war der Geschäftsführer des Balletts abgemahnt worden. Vor dem Verkauf der Anteile an Wolf hatte die MDR-Tochter auch die Anteile der beiden anderen Altgesellschaftler erworben - zu denen eine auch eine Produktionsfirma gehörte, an der neun katholische Bistümer beteiligt sind.

feb/dpa/dapd