Quotendesaster "Tagesschau" und "heute" verlieren Zuschauer

Es ist das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren: Immer weniger Menschen wollen die Nachrichtensendungen "Tagesschau" und "heute" sehen. Doch auch die Formate der privaten Kanäle leiden an Zuschauermangel.
Rund 4,92 Millionen Menschen sehen laut Media Control täglich die Tagesschau in der ARD

Rund 4,92 Millionen Menschen sehen laut Media Control täglich die Tagesschau in der ARD

Foto: AP/ NDR/ Dirk Uhlenbrock

Baden Baden - Für die Sender ist es ein Schlag ins Gesicht: Die Nachrichtenformate auf den Fernsehkanälen ARD, ZDF, RTL und Sat.1 verlieren hunderttausende Zuschauer. Vor allem "Tagesschau" und "heute" sind von dem Zuschauerschwund betroffen, wie das Medienunternehmen Media Control am Montag mitteilte. "Nie wurden in den letzten 20 Jahren niedrigere Werte erzielt", hieß es.

Media Control hatte die ersten drei Quartale dieses Jahres mit dem gleichen Zeitraum aus dem vergangenen Jahr verglichen. Die "Tagesschau" sahen in diesem Jahr in der ARD 4,92 Millionen Menschen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 5,37 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil sank demnach von 19,2 auf 18 Prozent.

Das ZDF-Format "heute" wollen rund 3,23 Millionen Menschen sehen, im vergangenen Jahr hatte die Sendung noch 3,51 Millionen Zuschauer.

Vor 20 Jahren sahen die Quoten noch ganz anders aus. Damals gab es noch Traumergebnisse für die Nachrichtensendungen: Rund 8,33 Millionen Zuschauer wollten 1992 die "Tagesschau" sehen und 6,99 Millionen Zuschauer verfolgten "heute".

Doch auch die Nachrichtenformate der privaten Fernsehkanäle verlieren mehr und mehr Zuschauer. "RTL aktuell" sahen 2011 noch 3,87 Millionen Zuschauer, in diesem Jahr sind es im Durchschnitt 3,48 Millionen Zuschauer. Die Sendung fiel damit laut Media Control auf den Stand von 2006 zurück.

Die Sat.1-Nachrichten wollen 1,79 Millionen Menschen sehen, 2011 waren es noch 1,92 Millionen Zuschauer.

Erst im September musste sich die Tagesschau einen "Shitstorm" im Netz gefallen lassen, weil sie nicht über Proteste in Spanien berichtete. Die "Tagesschau" versage bei ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in Spanien, hieß es.

Das ZDF steht indes auch in der Kritik: Die Redaktion des "heute journal" hatte am Donnerstag in einen Beitrag über eine Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) Szenen geschnitten, die nicht zu dem Schlagabtausch der Politiker passten.

kha/dpa/dapd