"Neo Magazin Royale" mit Rezo: Dieses Mal zerstört nur Böhmermann

Die letzte Folge vor der Sommerpause im Speed-Check

Dieser Beitrag wurde am 14.06.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Jan Böhmermann verabschiedete sich mit seinem "Neo Magazin Royale" in die Sommerpause – und hatte mit YouTuber Rezo, 26, einen Gast am Start, um den sich die klassischen Talkshows zurzeit wohl prügeln würden. 

Rezo, der Zerstörer der CDU und SPD. Der YouTuber, nachdem bereits ein Wahl-Effekt benannt wurde. Haben die Grünen auch ihm und seinem millionenfach angeschauten 55-Minuten-Video ihren deutschen Wahlerfolg bei der Europawahl zu verdanken? Gerade unter uns jungen Wählerinnen und Wählern? Jedenfalls war die Erwartungshaltung groß, als am Mittwoch bekannt wurde, wer da bei Jan Böhmermann auf dem Sessel Platz nimmt.

Doch zerstört wurde in dieser Ausgabe "Neo Magazin Royale" lediglich die Homöopathie – mit kleinen Videoschnipseln und einem Gospel-Song. Das Rezo-Interview blieb der unvollendete Placebo-Effekt der Sendung: große Wirkung erhofft, aber nichts passierte.

Das "Neo Magazin Royale" mit Rezo im Speed-Check:

Die größte Zerstörung:

20 Minuten lang knöpft sich Böhmermann Hersteller homöopathische Mittel, Verbände, Krankenkassen und die Wirkungslosigkeit der angeblichen Medikamente vor. Das machte er wie schon häufiger in John-Oliver-Manier: ein schneller Zusammenschnitt aus den Medienberichten der vergangenen Wochen, Schnipseln aus Werbevideos und Aufzeichnungen von Fachtagungen. Gegen Ende schluckte Böhmermann dann noch eine Hand voll weißer Kügelchen. Nichts geschah.

Obwohl: Böhmermann fing an zu singen. Mit Gospel-Chor und Rapper trällerte er den Homöopathie-Song. Chartverdächtig war das nicht, aber hoffentlich wird er wenigstens den Anhängern der Pseudomedizin als Ohrwurm im Gedächtnis bleiben: "Homöopathie ist Quatsch…"

Erster gelungener Gag im Rezo-Interview:

Der folgte gleich zur Begrüßung: Böhmermann erklärte, er habe sich die Anmoderation lange überlegt. "Hey Rezo, du alter Zerstörer", sagte er in Anspielung auf Philipp Amthors nie erschienenes Antwort-Video, von dem der CDU-Politiker nur den ersten Satz verraten hatte.

Der Opa-Moment:

Böhmermann hieß Rezo im "richtigen Fernsehen" willkommen. 

Die Lehrstunde für Politikerinnen und Politiker:

Rezo (dEr jA gAr NiChT sToTtErt!!) erklärte, dass es ihm für die "paar guten Leute" in Union und SPD extrem leid tue. Anschließend wandelte er sich zum Politik-Berater und erklärte, was Politikerinnen und Politiker jetzt verändern müssten. Wenig überraschend:

  • Fehler einsehen und "sich einfach mal entschuldigen"
  • "Weniger scheiße bauen"
  • "Menschlicher und klarer werden in der Sprache"

Dann verriet er, dass er vor dem Anti-CDU-Video bereits einen Deal "safe in der Hand" hatte. Ihm sei aber bewusst gewesen, dass er ihn danach nicht mehr habe. Dem war dann auch so. "Ging nicht um viel Geld?", fragte Böhmermann. "Doch", antwortete Rezo.

Okay, die Einnahmen sind weg. Aber mit höherer Reichweite und Popularität lassen sich bestimmt neue Vertragspartner finden.

Der versöhnlichste Moment:

Vor wenigen Tagen hatte der CDU-Politiker Roderich Kieswetter ein Video weiterverbreitet, in dem behauptet wurde, Rezo wäre nur eine Marionette und für sein Video bezahlt worden. Kiesewetter entschuldigte sich, für seinen Tweet erhielt er 12.000 Likes. Rezo antwortete: "Schwamm drüber".

Die Bauchbinde der Woche:

Auf Platz 1: "Das ist der YouTuber, den ich meinte, Opa". Dicht gefolgt von: "Greta Thunberg des Internets". Besser lässt sich Rezo wohl nicht beschreiben.

Die kleinste Zerstörung:

Böhmermann verabschiedet sich in die Sommerpause und fragt Rezo, ob er auch eine Pause mache. Rezos Antwort: "Bin ich Beamter, oder was?"

Fazit: Das Zerstörungslevel

55/100. Die Homöopathie war für Böhmermann einfach kein ebenbürtiger Gegner und wird wohl trotz seiner Abrechnung nicht den gleichen Vertrauensverlust erleiden müssen wie die CDU in den vergangenen Wochen. Trotzdem eine solide vorgetragene Zerstörung und anschließend ein lockerer Talk mit Rezo auf Augenhöhe.

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