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24. September 2015, 13:04 Uhr

Studie über Serienkonsum

Ab dieser Folge gibt es kein Zurück mehr

Wann packt eine Serie die Zuschauer? Das wollte der Streamingdienst Netflix wissen und hat das Sehverhalten seiner Nutzer ausgewertet. "How I Met Your Mother" erwies sich als echter Spätzünder, "Breaking Bad" überzeugte dagegen viel früher.

Bei der Serie "Breaking Bad" um den Chemielehrer Walter White ist es die Folge, in der ein Drogendealer mit Säure in einer Badewanne aufgelöst wird. Bei der Gefängnisserie "Orange Is the New Black" ist es die Episode, in der Insassin Crazy Eyes ihre Liebe für Hauptfigur Piper offenbart: Diese Schlüsselfolge definierte Netflix als die Folge, nach der 70 Prozent der Zuschauer auch den Rest der Staffel weiterschauen.

Nach der Studie ist die Schlüsselfolge meist nicht die Pilotfolge, die die Zuschauer in ihren Bann zieht. Bei den Serien "Arrow" um die Comicfigur Green Arrow und dem Comedy-Hit "How I Met Your Mother" über fünf Freunde in New York, war es sogar erst die achte Folge, nach der die Zuschauer sich entschieden, die Serie weiterzuverfolgen.

Netflix konnte allerdings nicht herausfinden, ob es einen genauen Moment in der Schlüsselfolge gibt, von dem sich die Zuschauer so sehr begeistern lassen, dass sie die Serie weiterschauen. Der Streamingdienst stellt allerdings Vermutungen an: Bei "Breaking Bad" könnte es der Moment sein, in dem die Protagonisten Walter und Jesse eine Münze werfen, um zu entscheiden, wer von beiden den Drogendealer umbringt. Vielleicht ist es auch die Stelle, an der die Leiche in der Badewanne mit Säure aufgelöst wird oder die Badewanne samt Überresten des Drogendealers durch die Decke bricht.

Die Holländer lassen sich schneller für Serien begeistern

Für die Studie hat Netflix Daten von Serien ausgewertet, die in 16 Ländern von Januar bis Juli gestreamt worden sind. Laut Studie hängt es auch vom Land ab, welcher Zuschauer sich wie schnell begeistern lässt. Demnach werden Franzosen früher Fan von "How I Met Your Mother" als der Durchschnitt. Die deutschen Zuschauer können sich schneller für die Serie "Arrow" begeistern als Nutzer in anderen Ländern. Vor allem die Zuschauer aus Holland lassen sich am schnellsten auf Serien ein. Sie verfielen ihnen jeweils eine Folge früher als Nutzer aus anderen Ländern.

Der Studie zufolge hat auch die Art, wie Serien angeboten werden, einen Einfluss darauf, ob Zuschauer Fan von ihnen werden oder nicht. Wenn es keine Werbeunterbrechungen mehr gebe und einzelne Folgen nicht mehr nur zu bestimmten Uhrzeiten geschaut werden könnten, würden Zuschauer eher für eine Serie brennen, als wenn die Serie zu einer bestimmten Zeit und mit Werbeunterbrechungen angeboten werde, heißt es in der Mitteilung. Genau das ist es auch, was Streaminganbieter von Fernsehsendern unterscheidet: Schauen, was man will, wann man will. Die Studie liefert also auch die Ergebnisse, auf die Netflix sicher gehofft hat.

Dass sich das Auswerten von Daten lohnt, hat Netflix bereits bewiesen: Hätte der Streamingdienst nicht analysiert, welche Zuschauer welche Filme mit welchen Schauspielern, welchen Themen und von welchen Regisseuren am liebsten schauen, wäre David Finchers Serie "House of Cards" mit Kevin Spacey über den Politikbetrieb in Washington nie entstanden.

Die Chefs von Netflix, damals noch ein Online-DVD-Verleih, waren auf die Serienidee gekommen, als sie herausgefunden hatten, dass Zuschauer gern Politthriller von David Fincher ausleihen und auch Kevin Spacey als Protagonisten mögen.

kha

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