"Historical Roasts" Satire über Anne Frank in der Kritik

Weil die Netflix-Serie "Historical Roasts" Anne Frank "grillte", wird der Streamingdienst jetzt kritisiert. In der Satireshow macht sich unter anderem ein Hitler-Darsteller über das Holocaustopfer lustig.

"Historical Roasts"-Verantwortlicher Jeff Ross bei der Premiere der neuen Netflix-Serie
Kevin Winter/ Getty Images

"Historical Roasts"-Verantwortlicher Jeff Ross bei der Premiere der neuen Netflix-Serie


Der Streamingdienst Netflix ist wegen einer satirischen Sendung über Anne Frank in die Kritik geraten. Die Folge der Serie "Historical Roast" sei eine "geschmacklose Satire", erklärte die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam nach Medienberichten. Auch das niederländische Informations- und Dokumentations-Zentrum zu Israel sprach von einer geschmacklosen Sendung.

In der seit 27. Mai unter anderem in Deutschland und den Niederlanden verfügbaren Serie "Historical Roasts" werden historische Persönlichkeiten wie Cleopatra, Abraham Lincoln oder Martin Luther King verbal angegangen oder "gegrillt". "Roasts" sind Veranstaltungen, bei denen eine Person mit derben, spöttischen oder fast beleidigenden Witzen "geehrt" wird. Mittlerweile gibt es mehrere Serien und Shows, die sich "Roasts" widmen; unter anderem sind sie auch durch das Korrespondentendinner im Weißen Haus bekannt.

Eine der Folgen dreht sich um Anne Frank. Sie war mit ihrer Familie während der NS-Diktatur aus Deutschland ins Exil nach Amsterdam gegangen, hielt sich dort von 1942 bis 1944 versteckt, wurde jedoch entdeckt und starb nach ihrer Deportation im Alter von 15 Jahren im Frühjahr 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. In der umstrittenen Folge begegnet sie dem Diktator Adolf Hitler.

Der Hitler-Darsteller Gilbert Gottfried schließt seinen "Roast" über Anne Frank mit den Worten: "Von allen Berichten aus dem Zweiten Weltkrieg, die ich gelesen habe, ist dein Buch mit Abstand am brennbarsten." Damit wird offenbar auf die Bücherverbrennung durch die Nazis in Deutschland 1933 angespielt. Anne Frank hatte in ihrem Versteck in Amsterdam ihr heute berühmtes Tagebuch geschrieben.

Verantwortlich für die "Roasts" ist der US-Komiker Jeff Ross, selbst jüdischer Herkunft. Er selbst wie auch die Darstellerin der Anne Frank trugen in der "Historical Roasts"-Folge Armbinden mit Davidsstern. Ross stellt sich als Moderator der satirischen Sendung zwar auf Anne Franks Seite und der Hitler-Darsteller wird ausgebuht, als er vors Mikrofon tritt. Lacher bekommt der Auftritt zwischendurch dennoch. Auch ein Hitlergruß kommt in der US-amerikanischen Serie vor. Zum Schluss bekommt Hitler neben Buhrufen auch Applaus aus dem Publikum.

"Ich grille nur Leute, die ich bewundere", hatte Ross amerikanischen Medien gesagt. "Bei Anne Frank scheint es, dass viele Leute ihre Geschichte vergessen haben." Netflix sagte der niederländischen Agentur ANP, dass die Serie "die Debatte über die Geschichte anregen" solle.

mal/dpa



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