Netflix-Serie »Wednesday« »Menschen mit schwachen Nerven würde ich das nicht empfehlen«

Die Kritik ist wenig begeistert, die Zielgruppe umso mehr. Wir haben eine Zwölfjährige gefragt, was es mit der Netflix-Serie »Wednesday« auf sich hat. Vorsicht, Spoiler: Sie verrät alles.
Ein Interview von Arno Frank
Jenna Ortega als Wednesday Addams mit Händchen

Jenna Ortega als Wednesday Addams mit Händchen

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Netflix

Auf Netflix hat die Horrorkomödie »Wednesday« angeblich bereits den Zuschauerrekord von »Stranger Things« eingestellt. Professionelle Kritikerinnen und Kritiker finden die Serie von Tim Burton (mit Cristina Ricci, Catherine Zeta-Jones, Luis Guzmán und Jenna Ortega in der Hauptrolle) eher mäßig, weshalb wir eine andere Expertin befragt haben. Wilma, 12, hat bereits alle Folgen gesehen. Spoiler-Alarm!

SPIEGEL: Wie bist du auf »Wednesday« aufmerksam geworden?

Wilma: Ich war einfach bei Netflix unterwegs mit Papa. Wir wussten nicht mehr, was wir gucken sollten. Das war nach Fußball. Mein Papa meinte dann, das wäre vielleicht gut.

SPIEGEL: Habt ihr alle acht Folgen in einem Rutsch gesehen?

Wilma: Nein, zusammen haben wir nur die erste Folge geguckt, bei der zweiten ist Papa ausgestiegen.

SPIEGEL: Warum?

Wilma: Der fand es langweilig, so mit diesem Highschoolmäßigen.

SPIEGEL: Du nicht?

Wilma: Überhaupt nicht! Ich gucke sonst auch gerne amerikanische Highschool-Serien, wie zum Beispiel »GO! Sei du selbst«, aber das ist irgendwie Spanisch. »Insatiable«, »Boo, Bitch« oder »Greenhouse Academy«. Dann noch »Mako«, aber da geht es um Meerjungfrauen. Es gibt auch Serien, die sind ab 16, da gucke ich nur selten rein.

SPIEGEL: Was heißt »selten«?

Wilma: Na ja, ich gucke sie komplett. Die sind höchstens ab 16 Jahren wegen der Sexszenen, aber das weiß ich auch schon alles.

SPIEGEL: Und ist »Wednesday« denn highschoolmäßig?

Wilma: Ja, vor allem mit dieser Freundin, das ist die Klatschtante, und dann haben die beiden Stress.

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SPIEGEL: Worum geht es denn überhaupt?

Wilma: Es geht um ein Mädchen, Wednesday, die kommt aus so einer unheimlichen Killerfamilie …

SPIEGEL: Das ist die Addams-Family.

Wilma: Ja, da gibt es auch einen Film dazu, den habe ich auch gesehen. Fand ich aber nicht so gut wie »Wednesday«. Das Mädchen ist also an einer normalen Schule am Anfang. Die haben allen Mädchen und Jungs etwas Buntes angezogen, damit Wednesday mit ihrer schwarzen Kleidung richtig herausticht. Bei uns in der Schule tragen alle Mädchen auch nur so schwarz, bauchfrei. Sie fliegt dann von der Schule, gleich am Anfang …

SPIEGEL: Warum?

Wilma: Weil ein paar Jungs ihren Bruder gefoltert haben. Sie rächt sich dann mit Piranhas im Schwimmbad, und dann hat der Mobber nur noch einen Hoden. Auf der neuen Schule waren auch früher ihre Eltern. Das ist ein Internat für Außenseiter. Es gibt Vampire, Werwölfe, Wassermenschen und Telekinese-Menschen, aber davon nicht so viele. Die Freundin und Mitbewohnerin von Wednesday ist auch Werwölfin, die konnte aber nur die Krallen ausfahren. Das ist die coolste Gabe überhaupt. Am Ende verwandelt sie sich doch in einen richtigen Werwolf und kämpft gegen das Monster.

SPIEGEL: Moment, welches Monster?

Wilma: Na ja, es wird angedeutet, dass etwas in den Wäldern »herumstreift«.

SPIEGEL: Und was ist das?

Wilma: Habe gerade den Namen vergessen (googelt kurz auf dem Smartphone) … das Monster heißt Hyde. Es hat wilde, hervorquellende Augen und so eine Werwolfgestalt wie bei Harry Potter im dritten Teil. Die Augen werden auch unheimlich gemacht. Einmal sieht man durch einen Spalt erst gar nichts, dann plötzlich laute Musik … und dann sieht man das Auge!

SPIEGEL: Wie fandest du die Musik?

Wilma: Erschreckend. Aber richtig gut. Friedhofsmusik, irgendwie. Mit Cello, weil die Heldin auch Cello spielt. Wie ich.

SPIEGEL: Der Komponist heißt Danny Elfman, der hat auch die Titelmusik der »Simpsons« gemacht und »Nightmare Before Christmas«; ein Klassiker des Regisseurs, Tim Burton, der …

Wilma: Langweilig.

SPIEGEL: Okay, und was macht das Monster? Außer rumgucken?

Wilma: Es zerfleischt Menschen. Das muss man aber verstehen. Dieses Monster hat einen Führer sozusagen, einen, der es kontrolliert und ihm sagt, was es tun soll. Und dieser Führer braucht verschiedene Körperteile, der nimmt dann mal den Kopf, mal die Füße, mal die Leber. Für Menschen mit schwachen Nerven würde ich das nicht empfehlen. Man sieht sehr viel Blut.

SPIEGEL: Wann hast du das denn geguckt?

Wilma: Ich glaube, an einem Abend, als die Eltern weg waren. Die Wohnzimmertür war zu, ein Licht war an. Das war schon unheimlich. Danach habe ich noch »Malcolm in the Middle« geguckt, weil das lustig ist. Das ist meine Lieblingsserie eigentlich.

SPIEGEL: Ist »Wednesday« denn nicht auch eine Komödie?

Wilma: Total. Ihre Ausdrucksweise zum Beispiel, die ist sehr vornehm, und sie wird von einer amputierten Hand begleitet, die »Händchen« heißt.

SPIEGEL: Und Liebesgeschichten?

Wilma: Gibt's hier auch. Zwei Jungs haben es auf Wednesday abgesehen und hassen sich gegenseitig. Sie entscheidet sich dann für den einen, weil sie den anderen für das Monster hält. Also für den Jungen, der sich immer in das Monster verwandelt.

SPIEGEL: Und dann?

Wilma: Ich soll doch nicht spoilern!

SPIEGEL: Doch!

Wilma: Okay. Und dann merkt sie, dass der erste Junge, den sie in ihrem Leben geküsst hat, das Monster ist. Also Hyde. Es ist der normale Typ aus dem Café in der Stadt, Tyler. Für mich war das eine Überraschung. Ich dachte, es wäre die Lehrerin mit den fleischfressenden Pflanzen oder die Psychiaterin. Die wird aber getötet, weil sie das Geheimnis von Tyler rausfindet, dass der das Monster ist.

Lacht nie und schmeißt Piranhas ins Schwimmbad: Serienheldin Wednesday

Lacht nie und schmeißt Piranhas ins Schwimmbad: Serienheldin Wednesday

Foto: Netflix

SPIEGEL: Wieso gibt es da eine Psychiaterin?

Wilma: Wednesday ist bei der Psychiaterin, weil sie einmal fast Leute getötet hat, generell gerne Leute tötet und außerdem in der Schule gerne Unruhe stiftet. Ich fand das Mädchen cool, die ist völlig anders als Harry Potter. Wednesday hat nie gelacht oder geweint.

SPIEGEL: Klingt düster.

Wilma: Es war schon sehr spannend, spannender als zwölf. Da waren schon Sachen. Nebel, Stille, oder wenn Wednesday allein irgendwo ist. Dazu dann die Musik. Aber »Stranger Things« fand ich viel schlimmer. Na ja, ich konnte wegen diesem Monster mal nicht schlafen. Eigentlich hatte ich keine Angst vor Hyde, nur vor seinen Augen.

SPIEGEL: Wieso erlauben dir deine Eltern, so was zu gucken?

Wilma: Ich habe die angebettelt, so mache ich das immer. Und wenn sie es nicht erlauben, dann schaue ich es trotzdem. Easy!

SPIEGEL: Und würdest du auch eine zweite Staffel gucken, wenn …

Wilma: Ja.

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