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"Made in Germany": Ran an die Unterhosen!

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Neue RTL-Doku-Serie "Made in Germany" Im Schlüpfer liegt die Hoffnung

Langzeitarbeitslose, Analphabeten, Straffällige: Für die neue RTL-Doku-Serie "Made in Germany" bringt eine Unternehmerin Problemfälle in den Arbeitsmarkt, indem sie die Leute Unterhosen fabrizieren lässt. Erstaunlich - ihr ist es zu verdanken, dass das Ganze nicht als Elendscasting endet.

Scheiße, pink! Der junge Jobaspirant kann nicht fassen, was da von ihm verlangt wird. Dass er für seine neue Stelle nähen lernen soll: okay. Aber ausgerechnet Unterhosen? Und dann auch noch mit pinkem Garn? "Kommt ein bisschen schwul rüber", findet er, und möchte die Schlüpfer wieder an den Haken hängen, bevor sein Job überhaupt richtig angefangen hat. Doch seine Chefin rückt ihm den Kopf zurück: "Wer erzählt denn so eine Scheiße?", sagt Sina Trinkwalder, appelliert an seinen Ehrgeiz, sein Talent, seinen Willen, etwas an seinem Leben zu ändern. "Du wärst völlig bescheuert, wenn du das wegschmeißt", sagt die Unternehmerin - und der Pinkverächter lenkt ein, es zumindest mal zu versuchen, mit den Unterbuxen.

"Made in Germany - wir können's selbst am besten" heißt die neue RTL-Doku-Serie, in der Unternehmerin Trinkwalder innerhalb von sechs Wochen eine komplette Unterwäschekollektion stemmen will. Gänzlich in Deutschland gefertigt, zusammen mit Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst als ungeliebte Letzte auf der Bank sitzen: Langzeitarbeitslose, Analphabeten, Straffällige, durch den Schulabschluss Gerasselte hat Trinkwalder dafür angeheuert - neben einigen wenigen ausgebildeten Fachkräften. Das ist kein telegenes Elendscasting, sondern entspricht auch im echten Leben ihrer Unternehmerinnenphilosophie: In ihrer Textilfirma Manomama beschäftigt sie ebenfalls vor allem Menschen, die sonst kaum Chancen auf einen festen Arbeitsplatz bekommen.

Natürlich ist ihr Diversity-Ensemble für "Made in Germany" besonders wild zusammengewürfelt, wie es ein RTL-eskes Drehbuch einer Doku-Serie eben verlangt: In der Pilotfolge bewerben sich der kleinwüchsige Gino, zwei völlig nähunkundige Buntfrisurenmädchen mit allerlei Klimbim im Haar, dazu Feridun, der nicht lesen und schreiben kann und drei behinderte Kinder versorgt. Außerdem der Pinkproblematiker, der zwar Näher werden will, den abgerissenen Knopf an seinem Vorstellungshemd aber eben schnell noch zu Hause mit Sekundenkleber wieder anpappte.

Natürlich fiedeln da zwischendurch auch mal die Dramato-Geigen, wenn von schweren Schicksalen erzählt wird, selbstverständlich klimpert auch mal kurz das Jammerklavier. Dass die Sendung trotzdem nicht ins Sozialschmalzfass kippt, ist Sina Trinkwalder zu verdanken, die herzhaft losmarschiert, statt ihre gebeutelte Truppe zu betüddeln und sich länger als nötig mit ihrer Elendslage aufzuhalten. Und den benötigten Nähmaschinenpark aus eigener Tasche bezahlt.

Kein Anlass für Grollgefühle

Beichtet ihr ein Bewerber, mit einem Notendurchschnitt von 5,5 durch den Hauptschulabschluss gerasselt zu sein, findet sie das "schon geschmeidig". Will sie beim Gebrauchtmaschinenhändler eine Nähmaschine im hintersten Winkel besichtigen, klettert sie in Kleid und hohen Hacken eben einfach über die anderen Maschinen. Wenn Trinkwalder sagt, dass sie fest, ja sogar "gottverdammt" daran glaubt, dass man auch scheinbar hoffnungslose Fälle in einen Betrieb integrieren kann, dann kauft man ihr das ab, weil es nicht nach aufgesetzter und einstudierter Powerfrau-Rolle klingt, sondern zupackend und ernst gemeint. Ihr Mann vergleiche sie gern mit dem FC Bayern, sagte die Unternehmerin mal in einem Interview: 50 Prozent hassten sie, 50 Prozent liebten sie.

In der Pilotfolge gibt es noch keinen Anlass für Grollgefühle, wobei die Konflikte, die in den folgenden Wochen auf die muntere Schlüpferproduktionstruppe zukommen könnten, schon keck um die Ecke lugen: Können die ungelernten Kräfte rasch genug zu den ausgebildeten Näherinnen aufschließen? Soll man nur aus reiner Menschenliebe eine Langzeitarbeitslose einstellen, deren Fähigkeiten einfach nicht für die entsprechende Stelle ausreichen? Wird der pinkfarbene Faden am Ende nicht doch zu einer Zerreißprobe? Die spannendste Frage wird sein, ob auch die übrigen drei Folgen der Kitsch- und Vorführversuchung so tapfer widerstehen werden wie die Pilotsendung.


"Made in Germany", 6. Januar, 21.15 Uhr, RTL