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"Stromberg", die fünfte: Werben und Sterben auf der Chefetage

Foto: Brainpool / Willi Weber

Neue "Stromberg"-Staffel Speichellecker an der Schnittchen-Front

Die Glatze des Grauens feiert ein großartiges Comeback! In der fünften Staffel der Büro-Serie "Stromberg" steigt der Titelheld mit abstrusen Sinnsprüchen und gewetzten Ellbogen in die Chefetage auf. Comedy? Keineswegs - eher ein Melodram aus der Welt der Entscheider und Einfaltspinsel.

Der alte Weg hinab ist der neue Weg hinauf: Gleich in der ersten Folge der fünften Staffel knöpft sich Stromberg einen Azubi marokkanischer Herkunft vor; wahrscheinlich komme der im Flugzeug ins Büro geflogen, verkündet der Chef vor versammelter Mannschaft in Anspielung auf 9/11. Früher hätte er dafür eine Abmahnung kassiert, heute gibt es eine Beförderung.

Die Tochter vom Personalchef war mit einem Tunesier liiert, der Alte konnte den Ex-Schwiegersohn nie leiden. Schön, dass Stromberg so geradeaus sei, so einen brauche man auf der Führungsebene. Ein Plätzchen freigeworden sei da ja auch gerade: Nachdem Stromberg den Personalchef dezent auf das Alkoholproblem des Kollegen Becker hingewiesen hat, wird der auf unbestimmte Zeit in die Reha abgeschoben.

Das ist die ehrgeizige Wendung in der neuen Staffel der Karriere-Drama "Stromberg": Zuvor hatte man den Titelhelden noch in eine Provinz-Dependance strafversetzt, jetzt rückt er auf einmal in den Führungszirkel der Capitol Versicherung AG auf. Eine brutale Männerwelt, in der er sich durch Schnittchenspeisungen, Speichelleckereien und Blenderaktionen aller Art zu verteidigen weiß.

It's the economy, Arschgesicht!

Die großen Dramen, sie spielen heute bekanntlich in der Wirtschaftswelt. Allerorten versucht man in komplexen Erzählungen nachzuzeichnen, wie die Kapitalströme die Welt in ihrem Innersten zusammenhalten. It's the economy, Arschgesicht: In einem atemberaubenden Dreh haben es nun "Stromberg"-Schöpfer Ralf Husmann und seine Mitstreiter geschafft, ihren reichlich abgewirtschafteten Serienhelden im Zentrum der Macht zu platzieren. Was für ein Comeback.

Sein untrügliches Gespür im richtigen Moment das Falsche zu sagen, hilft Stromberg auf seinem Weg nach oben. Die Krise ist seine Chance, er hat ja auch sonst keine. Wenn in Zeiten wie diesen alle ökonomischen Regeln Makulatur werden, dann braucht die Welt eben einen wie Stromberg, der abstruse Sinnsprüche wie radikale Weisheiten aufsagt und sich dabei versonnen im Kinnhaar krault. Beim Klobrillen-Bart des Propheten!

Und wenn das alles nicht hilft, dann klaut Stromberg den Subalternen einfach ihre Frikadellen aus dem Kühlschrank, um sie beim nächsten Meeting den Raubtieren aus den oberen Etagen als kleine Stärkung zu reichen. Karriere? Das ist auch und vor allem eine Frage des richtigen Fingerfood.

Mit der Bahre aus dem Chefbüro

Das Alberne und das Abgründige, sie liegen in dieser "Stromberg"-Staffel dichter beisammen als je zuvor. Als fauler Chef, der mit möglichst wenig Energieaufwand die eigenen Pfründe verteidigt, ist uns Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst ans Herz gewachsen; als gnadenloser Karrierist macht er uns jetzt richtig Angst. Auch weil noch grausamer herausgearbeitet wird, dass bei jedem Einzug in ein größeres Büro auch einer dazugehört, der daraus auszieht. Oder auf der Bahre rausgetragen werden muss.

Insgesamt wurde das Bücken und Wegdrücken, das Kriechen und Siechen, das Werben und Sterben in der Büro-Welt in keiner anderen Staffel so schmerzhaft dargestellt. Der Burnout ist hier allgegenwärtig, die Ellbogen werden gewetzt, bis das blutige Fleisch darunter zu sehen ist. Und unter den grotesk klaffenden Wunden erscheint auf einmal so was wie wirklicher Charakter. Selbst bei Stromberg, dieser Glatze des Grauens.

"Stromberg", die fünfte - das ist ein opulentes Melodram aus der Welt der Entscheider und Einfaltspinsel. Sowas könnte man sich auch auf der großen Leinwand vorstellen. Ein Kinofilm ist tatsächlich in Planung, allerdings hapert's mit der Finanzierung. Spricht man Produzent und Autor Husmann darauf an, fordert er mit zeitgemäß dringlichem Tremolo: "Wir brauchen einen Rettungsschirm!"

Das hätte sein von jeglicher Finanzexpertise unbeleckter TV-Held nicht dramatischer sagen können.


"Stromberg", dienstags 22.10 Uhr, ProSieben

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