Neue US-Serien Buffy, wo ist dein Pflock geblieben?

Sarah Michelle Gellar und Robin Williams als Tochter und Vater. Michael J. Fox als Moderator mit Parkinson. Außerdem Kathy Bates als Oberhexe und zotige Witze von Beau Bridges - die neuen US-Serien bieten altbekannte Stars in frischen Formaten. Ein Überblick.

AP/ CBS

Das ungleiche Paar: Robin Williams und Sarah Michelle Gellar

35 Jahre ist es her, dass Robin Williams als außerirdischer "Mork vom Ork" seine Karriere begann. Auch Sarah Michelle Gellars letzter Auftritt in Joss Whedons popkulturellem Meilenstein "Buffy - Im Bann der Dämonen" liegt inzwischen zehn Jahre zurück. Als Vater-Tochter-Gespann in der CBS-Sitcom "The Crazy Ones" von David E. Kelley ("Ally McBeal", "Boston Legal") legen Gellar und Williams nun einen gemeinsamen Comeback-Auftritt hin - der allerdings nicht beiden gleichermaßen gelingt.

In "The Crazy Ones" spielt Williams, 62, den exzentrischen Werbemann Simon Roberts, einen Patriarchen, der ebenso viele Ehen wie Rehab-Aufenthalte hinter sich hat. Gellar, 36, ist seine vernunftbetonte Tochter Sydney, die er zur Partnerin gemacht hat, um die schlingernde Firma wieder auf Kurs zu bringen - und ein bisschen auch sich selbst.

Gellar soll sich eigens um den Part neben Williams bemüht haben. Als Gegengewicht zu dem Dampfkomiker, der eigentlich auch anders kann (als Charakterdarsteller gewann er einen Oscar für "Good Will Hunting"), fällt sie nur leider zu leicht aus. "The Crazy Ones" lebt fast völlig von Williams' überschäumender Energie (und, in der Pilotfolge, von einem denkwürdigen Auftritt Kelly Clarksons). Während David E. Kelley und die Produzenten erlauben, dass Robin Williams mächtig aufdreht, hat Sarah Michelle Gellar wenig mehr zu tun, als ihn mit besorgtem Kulleraugenblick in die Schranken zu weisen und die kichernde Sekretärin anzuherrschen: "Bestärk ihn nicht auch noch!" Man möchte ihr hin und wieder glatt einen Pflock in die Finger wünschen.

Den Zuschauern dagegen gefällt das Gespann offenbar - "The Crazy Ones" bekam als eine der ersten Serien des amerikanischen Fernsehherbstes einen Pickup, also die Order für eine ganze Staffel.

Comeback trotz Krankheit: Michael J. Fox

Das wahrscheinlich mit der größten Spannung erwartete Comeback der Saison war die "Michael J. Fox Show" - leider ist es auch das enttäuschendste. Dass NBC den an Parkinson erkrankten Schauspieler mit einer autobiografisch angehauchten Show ins Fernsehen zurückholte, konnte beim Publikum vorab gemischte Gefühle auslösen - klar wünschte man Fox, der seine Karriere vor 13 Jahren wegen Parkinson unterbrach, den Sieg über die Krankheit. Aber würden mit dem neuen Format nicht bloß Neugier und Mitleid bedient werden?

Fox spielt sich als Parkinson-kranken Ex-Anchorman Mike Henry, der zur Erleichterung seiner chaotischen Familie zur Arbeit zurückkehrt, weitgehend selbst, und von dem jungenhaften Charme, der ihn in der Kinoreihe "Zurück in die Zukunft" und der Fernsehserie "Spin City" zum Superstar machte, hat Fox nichts verloren. Wohl ist das Projekt auch Zeichen eines gewissen Sendungsbewusstseins: Der 52-Jährige ist stolz darauf, seine Symptome erstaunlich gut unter Kontrolle bekommen zu haben, und er konnte in den vergangenen Jahren mit einigen bemerkenswerten Gastrollen aufwarten - darunter als Anwalt in "The Good Wife", der seine Parkinson-Erkrankung zur Manipulation der Jury einsetzt.

Auch in der "Michael J. Fox Show" tut er alles, um keine Sentimentalität aufkommen zu lassen: Parkinson-Witze kommen häufig vor, der Umgang mit der Krankheit wird als absurdes Unterfangen dargestellt. Aber es ist wenig amüsant, der Anstrengung zuzuschauen, die ihm eine Serienhauptrolle trotz allem abverlangt - und sich dafür irgendwie schuldig zu fühlen. Das Unbehagen mit dem Format scheint sich auszubreiten: Nach einem schon schlappen Publikumschnitt von 7,5 Millionen zum Auftakt schalten inzwischen nicht mal mehr 3,5 Millionen ein. Und so steht NBC vor der ungemütlichen Entscheidung, das quotenschwache Stück abzusetzen.

Showdown mit Oberhexe: Kathy Bates

Mit der wunderbaren Jessica Lange hat Ryan Murphy schon einmal eine große Schauspielerin, für die Hollywood keine Rollen mehr einfielen, aus der Versenkung geholt - Lange trägt inzwischen in der dritten Staffel Murphys schräge "American Horror Story"-Anthologie. In "American Horror Story: Coven", die sich um einen titelgebenden Hexenverbund dreht, stellt er ihr nun eine weitere sträflich unterbeschäftigte Darstellerin zur Seite: Kathy Bates, die zuletzt in einem Emmy-gekrönten Gastauftritt als Geist von Charlie Harper in "Two and A Half Men" zu sehen war.

Bates spielt hier mit furioser Wucht Madame Delphine LaLaurie, eine historisch verbürgte Dame aus dem New Orleans des frühen neunzehnten Jahrhunderts, die in ihrem Haus eine grausame Folterkammer voller schwarzer Sklaven verbarg. Lange spielt in "Coven" die Oberhexe Fiona Goode, die als Anführerin einer Handvoll Frauen mit magischen Kräften LaLaurie erneut zum Leben erweckt, um ihr das Geheimnis ewiger Jugend abzuringen. Diesem sollten nämlich die Folterkammer-Experimente einst dienen.

Bates' mal quengelige, mal hasserfüllte Verkörperung der grausigen Madame erinnert an die furchterregende Stephen-King-Adaption "Misery", in der sie für ihre Darstellung der erst mütterlich besorgten, dann mörderisch besessenen Verehrerin eines verunglückten Schriftstellers einen Oscar bekam. In "Coven", einem weiteren vielschichtigen und bisweilen total überkandidelten Zerrspiegel sozialer Konventionen (hier: Frauenbilder) von Ryan Murphy, läuft sie endlich wieder zu großer Form auf. Das schauspielerische Duell der beiden Mittsechzigerinnen Lange und Bates gehört schon jetzt zu den Highlights der neuen Fernsehsaison, und die für den Kabelkanal soliden vier Millionen Zuschauer, die die Reichweite der beiden vergangenen Staffeln überragen, können sich sehen lassen.


"American Horror Story: Coven" ist ab dem 24.11. auf dem Bezahlsender Fox zu sehen.

Kurze Haare, langes Strafregister: James Spader

Seit Anthony Hopkins' Hannibal Lecter hat man wohl keinen so faszinierenden und zugleich abstoßenden Schwerstverbrecher gesehen (Verzeihung, Mads Mikkelsen) wie jetzt James Spaders Raymond "Red" Reddington aus "The Blacklist". Spader, der als Spezialist für exzentrische Indie-Rollen zum Star wurde (der impotente Voyeur in Steven Soderberghs "Sex, Lies, and Videotape", der Unfall-Fetischist aus David Cronenbergs "Crash", der sadistische Boss von Maggie Gyllenhaal in "Secretary"), musste wie viele große Schauspieler ins Fernsehen ausweichen, um zu großer Form auflaufen zu dürfen. Nachdem er schon mit "Boston Legal" und "The Office" für Aufsehen sorgte, trägt Spader mit "The Blacklist" eine ganze Serie im Alleingang.

In der NBC-Serie spielt er, mit unsexy Kurzhaarschnitt, aber unvermindert morbidem Charme, einen Superverbrecher, der sich überraschend in der FBI-Zentrale den Ermittlern stellt. Angeblich will er mithilfe seiner Verbindungen in die Unterwelt dem FBI dabei behilflich sein, eine ganze Liste von bekannten (und noch unbekannten) Schwerstkriminellen zu outen und dingfest zu machen. Tatsächlich manipuliert er mit großem Genuss die FBI-Ermittler, darunter die junge Elizabeth Keane (Megan Boone), um ihm bei einem ganz persönlichen Rachefeldzug behilflich zu sein. In welcher Beziehung er zu der jungen Ermittlerin stehen mag, beflügelt die Fantasie der elf Millionen Zuschauer, die "The Blacklist" zu einem der Top-Hits der Herbstsaison machten. Als nächstes ist der 53-Jährige im Übrigen als titelgebender Bösewicht in der Fortsetzung der "Avengers", "The Age of Ultron", zu sehen.


"The Blacklist" läuft ab dem 26.11. auf dem Pay-TV-Kanal RTL Crime

Mal zotig, mal züchtig: Beau Bridges

Angeblich entspricht es der Wirklichkeit, dass Beau Bridges Schwierigkeiten hat, eine Fernbedienung fachgerecht zu bedienen - in "The Millers" spielt der ältere Bruder von Jeff Bridges in seiner ersten Serienhauptrolle nach diversen Gastauftritten von "Stargate" bis "Desperate Housewives" jedenfalls einen derart hilflosen Mann. 43 Jahre lang ist Tom Miller (Bridges) dem Kommando seiner dominanten Frau Carol (Margo Martindale) gefolgt, jetzt hat er die Faxen dicke: Soll Carol doch bei ihrem Sohn Nathan (Will Arnett) einziehen!

Viel war erwartet worden von dieser Serie von Greg Garcia ("My Name is Earl", "Raising Hope"), wenn auch nicht unbedingt ein Übermaß an Feingefühl. Aber zehn Minuten währende Furz- und Sexwitze sind sogar - nein, besonders - im Dialog zwischen Bridges und der wunderbaren Margo Martindale ("Justified") nur schwer auszuhalten. Erstaunlicherweise fanden die "Millers" trotzdem ein Publikum von mehr als zehn Millionen.

Und Beau Bridges fand glücklicherweise in der Showtime-Serie "Masters of Sex" noch eine weitere Rolle, diesmal in einem stilsicheren und komplexen Format, das der Kritikerliebling des Fernsehherbstes ist. "Masters of Sex" dreht sich um die Sexforscher William Masters (Michael Sheen als impotenter Wissenschaftler) und Virginia Johnson (Lizzy Caplan als selbstbestimmte Außenseiterin), die in den fünfziger Jahren Pionierleistungen der Sexualforschung erbringen. Bridges spielt den Dekan der Uni, an der die Forscher ihre Studien durchführen. Und wie er auf deren Drängen in einer Szene halb fasziniert, halb entsetzt einen kamerabewehrten Dildo in Augenschein nimmt, das ist wirklich komisch.


"Masters of Sex" startet in Deutschland am 5.12. auf dem Pay-TV-Kanal Sky Atlantic HD.

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
guntalk 22.11.2013
1. Boston....
...Legal war Klasse!
diego666 22.11.2013
2. Sarah Michelle Gellars letzte
Fernsehrolle war nicht Buffy, sondern Ringer. Zwar nicht wirklich erfolgreich aber immerhin da.
Lankoron 22.11.2013
3. Sehr einseitige
Sicht des Autors auf einige Serien....man bekommt den Eindruck, das hier viel lediglich aus dem Netz zitiert anstatt gesehen und recherchiert wurde. Gellar hatte auch noch andere Jobs zwischenzeitlich...Spader war die tragende Rolle in Boston Legal...und M.Fox ist einfach überragend, wenn man seine Krankheit auch zugrunde legt. Wenigstens schwappt vom anderen kontinent mal ab und an ne Serie rüber. Deutschland ist ja nicht in der Lage, auch nur ansatzweise was eigenes gutes zu entwickeln.
dosmundos 22.11.2013
4. The Crazy Ones
Ich würde empfehlen, etwas weiter in die Serie reinzuschauen als nur in die erste Folge, die in der Tat eher reines Robbie-Williams-Special ist. Ich finde, dass das Duo Williams/Geller wirklich hervorragend funktioniert, auch wenn Williams, seine Clownereien und seine Improvisationsgabe natürlich im Zentrum stehen und das 30-Minuten-Format letztlich wenig Möglichkeiten bietet, die Figuren etwas Tiefe entwickeln zu lassen.
calinda.b 22.11.2013
5. Falsch!
"Masters of Sex" dreht sich um die Sexforscher William Masters (Michael Sheen als impotenter Wissenschaftler" Quatsch! Low sperm-count ist nicht mal steril, von impotent geht gar keine Rede, da er seine Assistentin jeden Abend im Büro im Dienst der Wissenschaft bimmelt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.