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Literatur-Talk mit Herles: Sofa, so good

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Neue ZDF-Literatursendung Das furchtbare Sofa

Das ZDF wagt sich wieder an die Literaturkritik: Für "Das blaue Sofa" lässt Wolfgang Herles sein Sitzmöbel durch die Welt karren, um darauf mit Schriftstellern zu plaudern. Schon sein zweiter Gast hatte auf diesen Blödsinn keine Lust.

Man könnte "Das blaue Sofa"  ganz furchtbar finden, beginnend schon mit den ersten Sekunden, als die Kamera über den Hintertuxer Gletscher in Österreich schwebt, begleitet von dramatisch zu verstehenden Streichern, dann der Protagonist im Bild, der Moderator Wolfgang Herles , mit seinem ersten Gast Ilja Trojanow, sie sitzen auf dem titelgebenden blauen Sofa, das das ZDF extra auf den Gletscher gekarrt hat, und unterhalten sich über Trojanows Roman "Eistau". Das Buch handelt von einem Gletscherforscher, dem der Gletscher wegschmilzt und der darum ins ewige Eis umzieht, um dort schwerreiche Touristen durch die Eiswelt zu führen, sie aber hasst, weil sie doch mitschuldig sind am Klimawandel und am Verschwinden der Gletscher, und der schließlich ihr Kreuzfahrtschiff entführt.

Man könnte es zu Recht furchtbar finden, wie Herles, der frühere "Aspekte"-Chef und noch viel frühere ZDF-Bonn-Korrespondent, da auf dem Sofa hockt mit dem Schriftsteller, und die beiden unterhalten sich über den Irrwitz touristischer Reisen in die Antarktis und die Erderwärmung und ob und was Kunst dagegen ausrichten kann, und sie tun das allen Ernstes auf einem Gletscher sitzend, den sie mit ihrer Anreise des schönen Hintergrunds wegen gerade noch ein wenig mehr zum Schmelzen bringen, ihren eigenen kleinen Beitrag zum Verschwinden der Gletscher leistend.

Herles redet, Bierbichler zuckt

Man könnte es ebenso furchtbar finden, wie Herles später dann mit dem großartigen Schauspieler Josef Bierbichler am Starnberger See sitzt und über dessen Roman "Mittelreich" spricht, wieder hat er sein Sofa ankarren lassen, und ohne die Zeit mitgestoppt zu haben, hat man den Eindruck, Herles redet mehr als Bierbichler, sagt aber eigentlich gar nichts, während Bierbichler mit jedem nervösen Zucken seines linken Auges mehr auszudrücken vermag als Herles in der gesamten Sendung. Bierbichler hatte offenbar keine Lust, sich auf das Sofa zu setzen, zu blöd ist ihm so was, Fernsehen mag er eh nicht, und Talkshows sind ihm erst recht zuwider, und das sei doch eine Talkshow hier, oder? Herles versichert ihm, dies sei garantiert keine Talkshow, obwohl es sich, das sagt er nicht, doch genauso anfühlt, da hat der Bierbichler schon recht.

Man könnte sich noch furchtbar darüber aufregen, dass Herles die beiden Verrisse, die er in seiner Sendung unterbringt, eine Kritik an Ferdinand von Schirachs "Der Fall Collini" und eine Hinrichtung von Oskar Roehlers "Herkunft", solo aufsagt und nicht im Angesicht der Kritisierten.

Man könnte es schließlich furchtbar finden, dass ausgerechnet Wolfgang Herles über Literatur urteilen soll, wo doch ein Blick in sein eigenes jüngstes Werk "Die Dirigentin" genügt, um ihm davon abraten zu wollen. Und furchtbar auch, dass das ZDF jetzt schon so weit ist, den leider doch eher drögen und bereits 60-jährigen Herles als einen jungen Wilden zu präsentieren.

Und es ist tatsächlich furchtbar: furchtbar komisch.


"Das blaue Sofa", Freitag, 16. September, 23.00 Uhr, ZDF

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