Neues ZDFneo-Magazin Was Sarah Kuttner wirklich nervt

Bloß nicht gemütlich! In ihrem Magazin "Bambule" will Sarah Kuttner ihren Altersgenossen richtig auf die Nerven gehen. Im Interview spricht sie über Wellness-Fernsehen, männliche Weicheier - und was Glück und Orgasmen verbindet.

ZDF

SPIEGEL ONLINE: Frau Kuttner, ZDFneo nennt Ihre neue Sendung "Bambule", "Reportermagazin, Personality-Show und Angriff auf die allgegenwärtige Gleichgültigkeit". Klingt nach allem und nichts. Können Sie uns weiterhelfen?

Kuttner: Gerne. Wir sind ein Gesellschaftsmagazin und haben immer ein emotionales Überthema. In der ersten Sendung geht es um den modernen Mann. Über dieses Thema sprechen wir mal mit Experten, mal mit Prominenten. Es wird keine klassischen Promi-Interviews zu aktuellen Projekten der Künstler geben, da weiß man die Antwort häufig schon vorher, das geht vielleicht auch gar nicht anders mit Leuten, die schon so oft interviewt wurden. Aber wenn man Nobodys aushorcht, dann will man meist wirklich etwas wissen. Zum Beispiel: Wie dringend haben Männer Förderung nötig?

SPIEGEL ONLINE: "Alles nur Weicheier? Die neue Männlichkeit" heißt also der Titel der ersten Sendung. Was haben Sie bei der Vorbereitung über den modernen Mann gelernt?

Kuttner: Ich war überrascht, wie viele Anlaufstellen für Männer es gibt, so klassische Männerförderung. Wo man erst denkt: Oh, niedlich. Andererseits: Warum denn nicht? Wir Frauen wollen permanent gefördert werden, eine Ministerin und einen Frauentag haben. Eigentlich ist es nur fair, dass die Herren das auch kriegen. Mir stellte sich allerdings die Frage: Wollen die Männer einen Männertag, wollen die einen Männerminister? Wollen die sich so doll verstanden fühlen - oder fühlen sie sich dann nicht erst recht als Weicheier?

SPIEGEL ONLINE: Und? Wollen sie?

Kuttner: Ich bin mir nicht sicher. Ich hab ein paar interessante Gespräche geführt mit jemandem, der beim Bundesforum Männer arbeitet, und mit einem Therapeuten, der den Schwerpunkt auf Männerberatung hat. Die Männer scheinen sich zumindest vermehrt mit sich selbst zu beschäftigen und dabei durchaus Interesse an Hilfe von außen zu haben. Dennoch mache ich mir keine Sorgen. Ich persönlich kenne immer noch genug Typen, die bis oben hin voll mit Testosteron sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden oft als Stellvertreterin Ihrer Generation verkauft - auch diesmal für "Bambule". Nervt das?

Kuttner: Es ist wohl einfach nur journalistische Faulheit, mir so einen Stempel zu verpassen, damit ich zu greifen bin. Ich muss immer Sprecher sein für eine Generation, die ich überhaupt nicht kenne. Und ich weiß noch nicht einmal, ob ich repräsentativ genug bin, denn ich bin wahrscheinlich viel privilegierter als der Durchschnitt dieser Leute, andererseits hab ich auf einer emotionalen Ebene vielleicht ähnliche Probleme.

SPIEGEL ONLINE: Eines der Probleme, die dieser Generation gerne zugeschrieben werden, ist die Unsicherheit durch das Arbeiten in Projekten, die prekären Arbeitsbedingungen. Kennen Sie das auch?

Kuttner: Bei mir gehört es als "freiberufliche Moderatorin" quasi zur Jobbeschreibung. Ich bin jemand, der sich irrsinnig schnell langweilt und Abwechslung braucht. Auf der anderen Seite habe ich auch so ein grundsätzliches Sicherheitsbedürfnis. Und eingeschnappt macht es mich schon, wenn Sender sagen, sie wollen eine ganze Staffel machen - aber bitte nur mit drei Folgen. Diese Mutlosigkeit ist typisch für viele Fernsehmacher. Gott sei Dank nervt es mich nicht finanziell, weil ich in meinem Beruf ganz gut verdiene und zudem recht sparsam bin. Aber man sollte einer Sendung Zeit und Raum geben, deshalb ist die ZDFneo-Sache toll. 15 Folgen, obwohl die Sendung so aufwendig ist und auch anstrengend. Fernsehen ist da nicht mehr Wellness. Es fordert auch.

SPIEGEL ONLINE: Und wer soll sich von Ihnen fordern lassen? Wie stellen Sie sich Ihr Publikum vor?

Kuttner: Ich stelle mir nie konkret die Zielgruppe vor. Ich schreib auch Bücher, ohne darüber nachzudenken, wer das lesen könnte. Wir sind in der Redaktion ein repräsentativer Durchschnitt der möglichen Zielgruppe, alle um die 30, haben alle schon mal dies gemacht und das, die einen haben Kinder, die anderen nicht. Wir wollen keine Dienstleister sein. Wir haben zum Beispiel eine Rubrik, die erklärt, warum William Shatner der coolste Hund der Galaxis ist. Kann sein, dass das niemanden interessiert, wir haben 154 Gründe dafür.

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie damit um, wenn die Leute Ihnen nicht folgen wollen?

Kuttner: Das Erste, was ich schon bei Viva gelernt habe, ist: Die Leute, die Sachen gut finden, konsumieren das einfach. Die Leute, die es doof finden, schreiben gleich das halbe Internet voll. Ich weiß das und denke trotzdem jedes Mal: Manno, das stimmt überhaupt nicht.

SPIEGEL ONLINE: Gerade für Ihre Bücher "Mängelexemplar" und "Wachstumsschmerz" mussten Sie heftige Kritik einstecken.

Kuttner: In "Mängelexemplar" geht es ja um Depression - und das Buch wird dann von so einem Sack besprochen, der noch nie eine Berührung hatte mit Panikanfällen. Der schreibt: Ach Gottchen, so Sex and the City, Großstadtmädchenphänomen. Und ich denke nur: Wie kannst du eine psychische Krankheit so wegwischen? Oder es wird ein Feuilletonist rangesetzt, der noch im Krieg groß geworden ist und sich in einem Pferdekadaver verstecken musste. Der findet unsere Probleme natürlich lächerlich. Aber jeder hat das Recht auf seine eigenen Probleme. Ich beschreibe das Leben eines Menschen und wie es darin rumpelt. Ich sage nicht, dass das wichtiger ist als Krebs oder Wulff.

SPIEGEL ONLINE: Und dann wollen alle wissen, ob Sie auch mal eine Depression hatten?

Kuttner: Genau, es ist das Bedürfnis nach Boulevard, weil es in beiden Büchern um intime Probleme geht. Und wissen Sie was? Vielleicht ist all das eins zu eins passiert, aber dann wäre ich doch bescheuert, das irgendwem zu sagen. Ich möchte mein Buch damit nicht verkaufen, auch wenn das vielleicht ganz gut funktioniert hätte: lange gelitten, viele Antidepressiva, Notaufnahme. Ich kauf auch Klatschzeitungen und will wissen, ob Britney Spears Cellulite hat. Aber ich bin wirklich genervt davon, wie die Gesichter von Journalisten sich verziehen, wenn ich sage: ist nicht autobiografisch. Kann sich verdammt noch mal nicht jeder für mich freuen, dass ich nicht in der Notaufnahme war?

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mal gesagt, Ihr größtes Ziel sei Zufriedenheit...

Kuttner: Eine Zeitung fand das gretchenhaft, altmodisch und total unemanzipiert. Aber sich mit dem Erstbesten zufriedengeben, das mein ich ja nicht. Alle reden immer vom Glück. Aber Glück ist total unrealistisch. Glück ist ein Orgasmus, den kann man nicht dauernd haben. Das wäre auch körperlich wahnsinnig anstrengend. Zufriedenheit ist das, was man so halbwegs dauerhaft haben kann. Ich bin zufrieden, wenn ich nicht traurig bin, nicht hungern muss, mir mein Job Spaß macht, meine Wohnung warm ist und die Leute, die ich mag, um mich sind. Und glücklich ist man dann, wenn jemand einem dazu noch heimlich Blumen ans Bett stellt. Das will ich auch nicht dauernd.

Das Interview führte Daniela Zinser


"Bambule", donnerstags, 21.45 Uhr, ZDFneo



insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
gekreuzigt 01.03.2012
1. was mich wirklich nervt
ist Frau Kuttner mit ihren Luxusproblemchen.
hartholz365 01.03.2012
2. was den zuschauer nervt
sarah kuttner. deshalb hat man sie nach zdfneo verbannt.
markus.stollenwerk 01.03.2012
3.
Zitat von sysopZDFBloß nicht gemütlich! In ihrem Magazin "Bambule" will Sarah Kuttner ihren Altersgenossen richtig auf die Nerven gehen. Im Interview spricht sie über Wellness-Fernsehen, männliche Weicheier - und was Glück und Orgasmen verbindet. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,818370,00.html
"Himmel, nicht die schon wieder." denke ich mir jedes Mal, wenn alle Jahre wieder "die Kuttner" ihr Köpfchen aus den Untiefen der deutschen Fernsehunterhaltung in Richtung Tageslicht streckt. Irgendwann kamen findige Medienmacher wohl auf die Idee, eine Kreuzung aus Charlotte Roche und Harald Schmidt züchten zu wollen, bei der aber leider eine Reihe der positiven Eigenschaften beider Elternteile auf der Strecke blieb. Seitdem sind wir mit Frau Kuttner gesegnet, die "unsere Generation" der Anfang Dreißigjährigen jetzt mit allerlei Lebensweisheiten zu beglücken versucht. Traurig ist natürlich, dass ZDFneo in den meisten TV-Geräten so weit am Ende der Programmliste gespeichert ist, dass sich die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser mit Sicherheit lehrreichen Sendung im überschaubaren Rahmen halten dürften.
voggelmann 01.03.2012
4.
Was mich wirklich nervt ist Sarah Kuttner
Plasmagreen 01.03.2012
5. .
Falsche Überschrift. Ersetze "Was" durch "Wen".
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