Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Pleitgen unterstützt Brenders Kritik

Fritz Pleitgen springt dem scheidenden ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zur Seite: Der ehemalige Intendant des WDR hat dessen Kritik an der Einflussnahme politischer Parteien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigt. Brender habe "Schwächen des Systems deutlich benannt".

Früherer WDR-Intendant Pleitgen: "Der Sache kann die Klarheit nur helfen"
dpa

Früherer WDR-Intendant Pleitgen: "Der Sache kann die Klarheit nur helfen"


Mainz/Berlin - Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des WDR, hat die Kritik von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender an der politischen Einflussnahme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigt. "Ich kann an den Feststellungen von Nikolaus Brender nichts Unzutreffendes feststellen. Er hat in Brender-Manier Schwächen des Systems deutlich benannt. Der Sache kann die Klarheit nur helfen", sagte Pleitgen der "Bild"-Zeitung. Brender hatte dem SPIEGEL gesagt, dass es im ZDF ein "Spitzelsystem" wie in der ehemaligen DDR gebe, in dem "Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen".

Brenders Vorgänger beim ZDF, Klaus Bresser, hingegen kritisierte die "Spitzel"-Vorwürfe als überzogen. Das IM-System in der ehemaligen DDR habe eine ganz andere Dimension gehabt und Existenzen vernichtet, sagte Bresser. Daher sei der Vergleich falsch. Bresser bestätigte jedoch, dass es "Zuträger der Parteien in den Sendern" gibt. Er sagte dem Hessischen Rundfunk: "Das sind allerdings sehr wenige und die sind auch bekannt. Man weiß, mit wem man es zu tun hat." Auch Opfer des DDR-Regimes hatten den Vergleich mit den IM als verbale Entgleisung bezeichnet. ZDF-Intendant Markus Schächter nannte Brenders Äußerungen "in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel".

Brender ist seit 2000 Chefredakteur des ZDF, muss sein Amt zum 1. April jedoch räumen. Eine erneute Vertragsverlängerung war im November von der unionsnahen Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat abgelehnt worden. Dieser Vorgang hatte eine breite Diskussion über die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von den Parteien ausgelöst.

wit/dpa/apn

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multi_io 23.02.2010
1. Vergleichen vs. Gleichsetzen
"Das IM-System in der ehemaligen DDR habe eine ganz andere Dimension gehabt und Existenzen vernichtet, sagte Bresser. Daher sei der Vergleich falsch." Ah ja. Da hat mal wieder einer (oder besser: fast alle) den berühmten Unterschied zwischen Vergleichen und Gleichsetzen nicht geschnallt. Was soll's.
zinobln, 23.02.2010
2. die spitzel vom rbb...
Zitat von sysopFritz Pleitgen springt dem scheidenden ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zur Seite: Der ehemalige Intendant des WDR hat dessen Kritik an der Einflussnahme politischer Parteien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigt. Brender habe "Schwächen des Systems deutlich benannt". http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,679898,00.html
ich kann aus eigener erfahrung sprechen...z.b. im rundfunk berlin-brandenburg, dort brauchten sie keine neuen spitzel aufzubauen. der rbb hat einfach die altkader von der aktuellen kamera und ehemalige auslandskorrespondenten übernommen. sogar ein ehemaliger mitarbeiter von schalck-kolotkowski (koko) hat, in anerkennung seine spitzelverdienste zu ddr-zeiten, im letzten jahr eine festanstellung bekommen. alles fein finanziert von rundfunkgebühren und steuermitteln. gewendet wie sie sind, spielen sie nach den regeln die ihnen von den neuen parteien vorgegeben werden. unbequeme kollegen werden bespitzelt und gemobbt und somit wird dafür gesorgt, dass nicht zuviel kritisches auf den bildschirm kommt.
janne2109 24.02.2010
3. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Pleitgen unterstützt Brenders Kritik
ob in der Wahl der Worte überzogen oder nicht-- spielt eigentlich nicht die Rolle. Hr. Bender ist der erste der die die Öffentlichkeit durch das Spiegel Interview von diesen Machenschaften unterrichtet hat. Und wenn Herr Bresser HEUTE ERST! dazu sagt- ja stimmt, aber man wisse ja wer diese "Leute", also Spione, für die Parteien sind,frage ich mich was hat dieser Mann für einen Charakter? Wie hat er jahrelang die Zuschauer, die ihn bezahlt haben, veräppelt. Politik und Parteiproporz hat nichts in den Medien zu suchen.
Björn Borg 24.02.2010
4. Ich will meine Gebühren zurück!
Schade, dass die Herren erst aus der Deckung kommen, wenn das Feuer schon lodert und ihre Pensionierung unmittelbar bevorsteht. Wenn das System tatsächlich so ist, wie Brender es beschreibt, hätte eine verantwortungsvolle und kritisch-unabhängige journalistische Leitung es von innen her bzw. von oben herunter bekämpfen müssen. Guten Morgen, Herr Pleitgen!
wowiku, 24.02.2010
5. s
Zitat von zinoblnich kann aus eigener erfahrung sprechen...z.b. im rundfunk berlin-brandenburg, dort brauchten sie keine neuen spitzel aufzubauen. der rbb hat einfach die altkader von der aktuellen kamera und ehemalige auslandskorrespondenten übernommen. sogar ein ehemaliger mitarbeiter von schalck-kolotkowski (koko) hat, in anerkennung seine spitzelverdienste zu ddr-zeiten, im letzten jahr eine festanstellung bekommen. alles fein finanziert von rundfunkgebühren und steuermitteln. gewendet wie sie sind, spielen sie nach den regeln die ihnen von den neuen parteien vorgegeben werden. unbequeme kollegen werden bespitzelt und gemobbt und somit wird dafür gesorgt, dass nicht zuviel kritisches auf den bildschirm kommt.
Da haben Sie sicher falsche "Erfahrungen" gemacht. Ihre Leistungen reichten sicher nicht aus, um den Anforderungen zu genügen. Fachliche Kompetenz zählt nun mal. Frau Käßmann werden doch auch aktuell Einsichten zugestanden
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