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Zweiteiler mit Heino Ferch: Durstig in Südafrika

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Öko-Thriller im ZDF Große Gefühle, leicht verwässert

Ehekrise, Entführung, Wassernotstand: Der aufwendige Öko-Zweiteiler "Verschollen am Kap" verzettelt sich trotz toller Schauspieler in seinen unterschiedlichen Themen - und der Schauplatz Südafrika wird zur unverfänglichen Kulisse für den gemütlichen Fernsehabend.
Von Nikolaus von Festenberg

Zu den Floskeln des Fernseh-Movie-Sprechs gehört der Satz: "Du bist nicht mehr der Mann, in den ich mich einmal verliebt habe." Ihn gibt es sinngleich, aber paar-affiner in der Formulierung: "Was ist bloß aus uns geworden?" Er entstammt der tränigen TV-Ideologie, wonach sich alles im Leben verändern darf, aber nicht die Liebe. Ohne diese Sentenz, fürchten wohl die Macher, wird das nicht der Film, in den sich die Zuschauer verlieben sollen.

Im zweiteiligen Thriller "Verschollen am Kap" spricht sie Managergattin Judith Lohmann (Barbara Auer). Sie ist verzweifelt und beziehungsmüde. Die Tochter Karla (Nadja Bobyleva) ist entführt, ihr Mann Claas (Heino Ferch), Vorstandsmitglied eines deutschen Wasser- und Energiekonzerns namens Gerag, wird der Gaunerei verdächtig, die Verhältnisse in den südafrikanischen Townships sind schockierend und undurchschaubar. Da soll noch einer Vertrauen und Liebe zum Partner aufbringen.

Bis wir an diesem Handlungstiefpunkt im zweiten Teil des Films angekommen sind, haben wir eine Menge erlebt. Mit dem beschaulichen Gattinnen-Leben Judiths an der Seite ihres scheinbar so erfolgreichen Manns ist es schnell vorbeigegangen. Das fröhliche Schwimmen durch den Pool der üppigen Berliner Villa gehört schon bald der Vergangenheit an. Gatte Claas tigert unruhig an der Glasfront seines Heims hin- und her. Die Tochter Karla will das elterliche Nest verlassen, zu einem Praktikum in Südafrika, zu guten Menschen, die den Armen helfen. Konflikte nehmen ihren Lauf - 180 Fernsehminuten wollen gefüllt sein.

Die Wucht der Aufklärung

Der ehrgeizige Claas hat berufliche Probleme. Jahre hat er damit zugebracht, seine Firma bei der prekären Wasserversorgung Südafrikas ins Geschäft zu bringen. Nun scheint es, als werde aus dem Projekt nichts mehr. Dabei hat Claas für seine Firma Planspiele ausgearbeitet, die einen Trinkwassersee am Kap betreffen und trickreich klingen: "Operation Kranich" und "Schwarzes Wasser". Sie sind in der Tat nicht koscher und laufen darauf hinaus, dass der deutsche Konzern die Wasserversorgung des Schwellenlands am Kap privatisieren will. Und beim Wort Konzern reagiert der deutsche TV-Zuschauer im Öko-Spiel wie Pawlows Hund: Alles Böse kommt von dort.

Überraschend lebt das Kap-Projekt wieder auf. Ein Giftlaster ist in den See gestürzt. Es droht eine Umweltkatastrophe, die Deutschen sollen helfen. Bevor sich das Intrigentheater in der Gerag entfaltet - Hans Jörg-Assmann gibt ziemlich genial einen väterlich-verschlagenen Chef, Stephan Kampwirth den schmierigen Emporkömmling -, erleben wir einen Filmhöhepunkt. Ferchs Lohmann hält einen Vortrag über die Wasserprobleme der Zukunft.

Die Erkenntnis, dass um Wasser in Zukunft Kriege geführt werden, ist zwar nicht neu, wird aber verdrängt. Lohmann listet die Wasserverschwendung unserer heutigen Zivilisation auf. Ferch trägt diese Lektion mit beeindruckender Präsenz vor. Buch (Christian Jeltsch), Regie (Andreas Senn) und die Handkamera (Holly Fink) tun hier ihr Bestes. Da ist kein Schulfunk zu sehen, sondern ein großer ernster Apell. Die Wucht der Aufklärung.

Nutzt aber trotzdem alles nichts: Am Ende von "Verschollen am Kap" kann der Zuschauer zu der Bilanz kommen: Wozu habe ich mir nach diesem Vortrag, der das Anliegen des Zweiteilers ausspricht, eigentlich den ganzen Rest angesehen?

Die Leidtragenden der Erzählroutine von "Verschollen am Kap" sind zuallererst die weiblichen Hauptdarsteller. Barbara Auer wird sehr schnell auf die Rolle des Opfers festgelegt. Sie leidet unschuldig im Akkord. Wieder und wieder findet die Kamera in den Großaufnahmen ihres Gesichts den immer gleichen Ausdruck des Kummers und der Verzweiflung. Wozu, fragt man sich, engagiert man eine interessante Jungdarstellerin wie Nadja Bobyleva, wenn sie den größten Teil ihrer Rolle in Entführerfesseln und im Krankenbett zu verbringen hat und eine Liebesaffäre zu einem schwarzen Umwelthelden (Tony Kgoroge) nur andeuten darf?

Es ist mutig, einen Film wie diesen komplett in Südafrika, dem Billigparadies der TV-Produzenten, zu drehen. Auch die in Deutschland spielenden Szenen wurden am Kap hergestellt, ohne dass der Zuschauer es bemerkt. Die Faszination des Landes, von der Produzent Sven Burgemeister und ZDF-Redakteur Pit Rampelt wie alle sonstigen Mitwirkenden im Presseheft schwärmen, rührt. Doch bei aller Einfühlung in den exotischen Reiz einer fremden, mit Gefährdungen kämpfenden Welt und in ein großes Menschheitsproblem - gute Absichten machen noch keinen guten Film.

Das glaubwürdige Zeigen von Eheproblemen, Umweltkatastrophen und einem Thriller um ein sauberes Geheimnis - das ist eine Menge Holz, das nur durch eine filmische Idee geschnitzt werden könnte. Diese ist am Kap leider verschollen.


"Verschollen am Kap", Montag + Donnerstag 20.15 Uhr, ZDF

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