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Klartext vom Schorsch: Der Insider

Foto: WDR/ Beba Lindhorst

Beckenbauer-Double Schorsch Aigner Ja mei, der Franz, der is ja doch recht redselig

Olli Dittrich spielt Schorsch Aigner spielt Franz Beckenbauer: Aus aktuellem Anlass ist der Comedian wieder in die Rolle des "Kaisers" geschlüpft - und plaudert munter über das "Fifa-Märchen". Eine Stern-Viertelstunde der Parodie.

Die Parodie ist ein dankbares Genre von beschränkter Tiefe. Mit perfekter Maske und solidem schauspielerischem Handwerk fällt es heute keinem Comedian mehr schwer, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen. Aber wozu?

Derzeit erfreut Max Giermann mit seiner Darstellung des Klaus Kinski: Ihm genügen ein paar typische Gesten und die aggressive Eskalation ("Du Arschloch! Du blöde Sau, du!"), und schon kringelt sich das Publikum in distanzierter Gruselfreude: Sieh an, genau so erinnern wir den irren Kinski! Giermann macht die Figur nach, um sie spaßeshalber auf die Bühne zu stellen - und verzichtet darauf, mehr mit ihr zu machen.

Olli Dittrich ging da schon ein paar Schritte weiter."Schorsch Aigner - Der Mann, der Franz Beckenbauer war" stellte im Sommer den bisher unbekannten Doppelgänger des "Kaisers" vor, präsentierte zugleich eine Schattenbiografie von Franz Beckenbauer und erklärte damit nebenbei die enorme Wirkung der liebsten Lichtgestalt der Deutschen. Sieh an, den Franz gab's also doppelt.

Interview im Fluchtflieger

Jetzt reanimiert Dittrich die Figur aus aktuellem Anlass. Er macht etwas mit ihr und zeigt, wozu parodistische Mimikry in der Lage ist. Wenn also Franz Beckenbauer zum Skandal um die Vergabe der WM nach Deutschland beharrlich schweigt, bricht eben Schorsch Aigner sein Schweigen. Dem Anlass entsprechend war für das viertelstündige Exklusivinterview ("Fragen an Schorsch Aigner - Der Mann, der Franz Beckenbauer war") direkt nach den "Tagesthemen" noch ein Sendeplatz frei.

Weil auch der Schorsch Aigner im Grunde ein herzensguter Mensch ist, lässt er ein investigatives Filmteam an Bord seines privaten Fluchtfliegers. Als Requisite auf dem Nachbarsitz liegt die SPIEGEL-Ausgabe, mit der alles ins Rollen kam. Und Aigner erzählt mit komprimiert abrollendem R und zerdehnten Vokalen, wie alles kam: "Das war mir alles über den Kopf gewachsen." Immer wieder blickt er sich rückversichernd nach seiner kongenialen Gattin Elfriede (Carolin Fink) um, deren souveräne Anteilnahme und Präsenz den Schorsch Aigner erst beglaubigt.

"Trotzdem a Freund, dear friend"

Beispielsweise damals in Katar und dem - "Elfriede, hör mal weg!" - Harem. Der zwielichtige Scheich Mohammed Bin Hammam sei "ein freundlicher Mensch, der läuft in weiten Tüchern herum" und nutze den Rohstoffreichtum seines Landes, weil ihm nichts anderes übrig bleibe: "Der Katarer hat Sand. Wenn er überhaupt etwas hat, hat er Sand."

Nach ein paar Minzschnäpsen habe ihm der Scheich seinen Harem zur Verfügung stellen wollen, was Aigner von sich gewiesen haben will: "Na dank'schön, so war das nicht gemeint mit den Gefälligkeiten." Alkoholisiert habe sich Aigner als Aigner zu erkennen gegeben, er sei "nicht der Franz". Damit habe ihn der Fifa-Scheich zwar erpressen wollen, sei aber "trotzdem a Freund, dear friend, er hat mir auch das Flugzeug zur Verfügung gestellt".

Was geschah mit den 6,7 Millionen?

Auch zu den fraglichen 6,7 Millionen Euro lässt Aigner sich ein, die er vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bekommen habe - allerdings für den Rückkauf von Ländereien der Familie: "Das ist ja nur eine symbolische Summe." So habe er mit dem Namen von Franz Beckenbauer den Schuldschein unterschrieben, den der DFB akzeptiert, eingelöst und über die Fifa an Dreyfus erstattet habe.

"Es tut mir furchtbar leid", gesteht Aigner: "Der Einzige, der wirklich gar nichts damit zu tun hat, ist der Franz." Dann schaut er ein paar Augenblicke ins Leere und lässt noch im Abspann traurig einen Satz fallen, der zwar keinen Erkenntnisgewinn, dafür aber die ganze Affäre in ihrer erschreckenden Banalität auf den Punkt bringt: "Es ist zu viel Geld im Spiel."

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