Dittrich-Fiktion »House of Trumps« Der Cousin, der zu viel wusste

Olli Dittrich spielt Peter Trump, den bisher unbekannten hessischen Vetter des US-Präsidenten. Hoffentlich erwächst daraus keine diplomatische Krise.
Olli Dittrich als Peter Trump

Olli Dittrich als Peter Trump

Foto:

Daniel Wolcke / WDR/ beckground tv

Es gehört zu den peinlicheren Details der jüngsten Geschichte, dass der glücklicherweise scheidende US-Präsident Donald Trump leider nicht nur der deutschen Kanzlerin in offenbar obsessiver Abneigung, sondern unserem ganzen Land familiär verbunden ist: Trumps Familie stammt aus Deutschland, sein Großvater war ein deutscher Einwanderer.  

Das war soweit bekannt, aber nichts Genaueres wusste man nicht. Was verbindet Trump mit Deutschland? Hat ihn das Land irgendwie geprägt? War er möglicherweise öfter hier als bisher bekannt? Er twittert viel, aber darüber nie ein Wort. 

Diese klaffende Informationslücke schließt nun »House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis«, eine nachgerade sensationelle Dokumentation über Donalds bisher vollkommen unbekannten deutschen Cousin Peter Trump, einen rustikalen Charakterkopf, wohnhaft auf dem geerbten Hof der Familie im hessischen Würmeling. Im Gespräch mit Günther Jauch berichtet Peter Trump von den Besuchen seines Vetters zwischen 1954 und 1959. Gemeinsam verbrachten die Buben die Sommermonate, früh zeigte sich der zweifelhafte Charakter des späteren Geschäftsmannes und Politikers, aber die beiden verstanden sich offenbar gut – bis ein sexueller Übergriff des jungen Donald nach der ersten gemeinsam organisierten Misswahl den Deutschlandfahrten ein jähes Ende bereitete: Donald Trump konnte sich in Würmeling nicht mehr blicken lassen. 

Die Illusion gelingt

Es ist mittlerweile gute Tradition, und zum Glück fällt sie dieses Jahr nicht wegen der Corona-Pandemie aus: Olli Dittrich erfreut das Publikum kurz vor dem Jahreswechsel mit einer neuen Folge seines Zyklus parodistischer Formate. In den vergangenen Jahren legte er eine Folge »Frühstücksfernsehen« hin, die in ihrer öden Bestgelauntheit echter wirkte als echt. Er besetzte eine abendliche Talkrunde nur mit sich selbst in unterschiedlichen Rollen, er persiflierte ein vorabendliches Boulevardmagazin und gab ihm den treffenden Titel »Frust«, regelmäßig sind seine Werke geprägt von größter Detailversessenheit. Olli Dittrich, der große Unterhalter, spielt keine Rollen. Er schlüpft in seine Figuren, fasziniert dürfen wir ihm dabei zusehen. 

Die Illusion gelingt auch in »House of Trumps«. Ein Kamerateam besucht den mit typischer Haartolle bewachsenen Trump-Cousin auf dem hessischen Hof, stolz führt er den Trecker vor, auf dem Donald als Kind angeblich gern gefahren ist. Im Schlepptau Peters seine deutlich jüngere Frau, eine offensichtlich vom Land- und Eheleben frustrierte Osteuropäerin, vor Jahren bei einem internationalen Schönheitswettbewerb leider nur Vierte geworden – Melania im kleineren Format, aber mit demselben verhärmten Blick, sobald der Gatte drauflos labert. 

Olli Dittrich als Peter Trump mit Günther Jauch als Günther Jauch

Olli Dittrich als Peter Trump mit Günther Jauch als Günther Jauch

Foto: Daniel Wolcke / WDR/ beckground tv

Im Interview verrät Olli Dittrich ein Produktionsdetail, das exemplarisch steht für seine Arbeitsweise: Das Drehbuch für die Interviewszene mit Günther Jauch bestand nur aus den Fragen an Peter Trump. Die Figur antwortet spontan, Jauch befragt sie quasi wahrhaftig neugierig als Journalist. Alles wirkt erstaunlich lebensecht. 

Bei Trump wirkt keine Überzeichnung

Aber genau das ist das Problem dieser Persiflage: Sie ist diesmal leider nicht sehr lustig. Das liegt nicht an Dittrich, er hat wieder einmal auf höchstem Niveau alles richtig gemacht. Es liegt am Gegenstand. Einem Donald Trump, dessen Markenzeichen es ist, sich und sein Wirken routinemäßig mit Lügen und Halbwahrheiten auszukleiden, wäre durchaus alles zuzutrauen, was ihm in »House of Trumps« zugeschrieben wird, von den Übergriffen als Kind bis zur Verweigerung mehrerer dem Cousin versprochener Etagen im New Yorker Trump-Tower. Diese erfundenen Verfehlungen fügen dem echten US-Präsidenten aber keine komische Facette hinzu. Er ist in der Realität bereits dermaßen aus jeder Konvention gefallen, dass die Überzeichnung nicht mehr wirkt.

Nicht ausgeschlossen und angesichts des Wahnsinns in den USA sogar gut möglich, dass »House of Trumps« dort von interessierter Seite bald ganz ernsthaft als böswilliger Versuch des deutschen Staatsfunks bezeichnet wird, den Präsidenten mit Fake News zu beschmutzen. Wer weiß, welche Rache an Deutschland Trump in seinen letzten Tagen an der Macht dann noch ersinnen könnte. Das wäre dann, so gesehen, allerdings die Krönung des parodistischen Werks von Olli Dittrich. 

»House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis« (ARD), 17. Dezember 2020 um 23.50 Uhr oder in der ARD Mediathek 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.