Olympia im TV Blech für Bommes

Elf Tage Olympia sind vorbei. Und damit auch elf Tage öffentlich-rechtliche Sportberichterstattung. Zeit für Dirk Brichzi, seine persönlichen Medaillen für die Olympia-Übertragung zu verleihen.

Blech für die Programmplanung: Sonntagabend in TV-Deutschland. Das deutsche Beachvolleyball-Duo, Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, kämpft um den Einzug ins Halbfinale. Wer gerade Olympia in der ARD guckt, bekommt davon allerdings nichts mit. Dort steht das Spiel erst eine Stunde später auf dem Plan, wenn schon längst die nächste Partie läuft - und dazu auch noch live die Tischtennis-Herren gegen Österreich spielen, die es natürlich nur später als Aufzeichnung gibt. Genauso wie später die Tischtennis-Frauen, die es ins Finale schafften oder die Hockey-Herren mit ihrer dramatischen Partie gegen Neuseeland. Aufzeichnung schlägt live - zumindest im Hauptprogramm der ARD. Wenigstens Usain Bolt lief dann um halb vier in der Früh live über den Bildschirm.

Ich verstehe den Hinweis auf das Angebot der Livestreams von ARD und ZDF im Netz, dort könne man sich doch sein ganz eigenes Olympia-Live-Programm zusammenstellen. Aber nicht jeder will das, nicht jeder hat einen modernen Fernseher, und außerdem stellt sich ja dann die Frage: Warum kommt Olympia dann überhaupt im Hauptprogramm? Eben.

Usain Bolt

Usain Bolt

Foto: imago/ZUMA Press

Blech für fehlende Ideen, Mut und Flair: Als Zuschauer darf man deutlich mehr erwarten als das, was die Sender derzeit in Rio abliefern. Dabei geht es gar nicht mal um live und Aufzeichnung, das lässt sich bei Überschneidungen oft nicht anders bewerkstelligen. Es geht darum, dass Olympia in Rio wie von einer Behörde übertragen wird: Es sind doch alle Sportarten dabei, es soll sich keiner beschweren.

Wer wie ARD und ZDF "bis zu 16 Stunden live" (manchmal gefühlte 60) aus Rio berichtet, der darf gerne auch mal nachmittags etwas Anderes bringen als zwei Stunden Golf der Letztplatzierten. Irgendwas mit Humor? Nicht doch.

Gold für den besten Kommentator: Alexander von der Groeben. Keiner bringt Fachkenntnis und Begeisterung für den Sport so gut rüber wie der ehemalige Judo-Europameister. Und vor allem schafft es kein anderer Kommentator, die Fachbegriffe seines Sports so lässig und stimmig in ganz normale deutsche Sätze einzubauen. "Da dachten wir, in diesem Kampf kommt nichts mehr, und dann schafft er mit einem Moroto-Seoi-Nage den Sprung in die nächste Runde." Da möchte man als TV-Zuschauer gleich mit derselben sprachlichen Nonchalance Sushi vom Japaner um die Ecke ordern. Mal gucken, was von der Groeben 2020 in Tokio für sprachliche Genüsse auspackt.

Alexander von der Groeben

Alexander von der Groeben

Foto: imago/Hartenfelser

Blech für Steffen Simon: Da dachte man, Gott sei Dank kommentiert der nur Fußball, das will bei Olympia eh keiner sehen, aber dann lief Deutschland gegen Fidschi, die Deutschen schossen ein Tor nach dem anderen, zehn an der Zahl, Steffen Simon kollabierte fast vor Glück und Dramatisierung, und das Schlimmste: Die ARD zeigte das in voller Länge. Der Wunsch, einer der Rugby-Recken von Fidschi würde Simon mal eben vom Kommentatorenplatz wegtacklen, erfüllte sich leider nicht.

Steffen Simon

Steffen Simon

Foto: Getty Images

Gold für den besten Co-Kommentator: Frank Busemann. Es sind tatsächlich schon 20 Jahre seit Atlanta, aber an Lockerheit hat Busemann nichts eingebüßt. Darauf angesprochen, dass Usain Bolt gern mit den Medien spielt, meinte er: "Man kann auch nur Sport machen, wie man bei Christoph Harting gesehen hat." - herrlich!

Frank Busemann

Frank Busemann

Foto: imago/Andre Poling

Blech für Alexander Bommes: Wir verstehen es schon, Olympia soll ein Event sein, und ARD und ZDF wollen sich das nicht durch zu viel Dopinggeschichten oder Sportpolitik-Gerede kaputt machen lassen. Aber dann ist in DSOB-Präsident Alfons Hörmann einer der Bach-getreuen Funktionäre im Studio, und es könnte alles noch mal auf den Tisch, Russland, Stepanowa, die Rolle des IOC und DOSB. Bommes bringt nicht mehr zustande als ein wenig: "Na ja, bei den Schwimmern lief es ja nicht so." Als Hörmann dann von sich gibt, die Anti-Doping-Problematik müsse man nach Rio richtig anpacken, also nach Rio (warum nicht vorher?), sagt Bommes gar, dass ja schon vorher ein paar Chancen vergeben worden seien - um dann schnell zum Springreiten zu gehen. In solchen Momenten möchte man ihm das ZDF-Maskottchen mit voller Wucht ins Gesicht schmeißen.

Alexander Bommes

Alexander Bommes

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Gold für die tollsten TV-Gäste: Barbara Engleder und Lisa Unruh. Herrlich, kann man Frau Engleder nicht täglich ins Studio einladen und einfach eine halbe Stunde frei Schnauze reden lassen? Okay, man versteht nicht jedes Wort, wenn man nicht gerade aus Niederbayern kommt, aber mehr Authentizität geht nicht. Und von Bogenschützin Lisa Unruh möchte man sich täglich die Besonderheiten ihres Bogens erklären lassen - in aller Ruhe. Und dann fragt sie tatsächlich noch, ob sie jemanden grüßen darf! Das hat es seit "Wetten, dass…?" mit Frank Elstner nicht mehr gegeben. Ich weiß nicht, wie ich nach diesen beiden wunderbaren Damen jemals wieder ein Interview eines glatt geleckten Fußballers ertragen soll….

Barbara Engleder

Barbara Engleder

Foto: Valdrin Xhemaj/ dpa

Blech für das schlechteste Maskottchen: MaRio. Ich traue es mich ja kaum zu sagen, aber ich will Wotschi zurück! Das ZDF-Maskottchen der Olympischen Farce, äh Spiele, von Sotchi vor zwei Jahren. Ich glaube, auch Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein fand Wotschi besser als diesen seltsamen Tukan. Jedenfalls hat sie Wotschi immer liebevoller an die Studiogäste übergeben als jetzt MaRio. Kann aber auch sein, dass ich nachts um zwei Uhr zwischen Ringen im griechisch-römischen Stil und dem Mixed im Badminton nicht ganz so genau hingeschaut habe.

ZDF-Maskottchen "MaRio"

ZDF-Maskottchen "MaRio"

Foto: ZDF/ Severine Rapp