Online-Petition Mehr als 130.000 Unterzeichner gegen Markus Lanz

Mit "Wetten, dass..?" steht er bereits in der Kritik. Nachdem der Moderator in seiner Talkshow die Politikerin Sahra Wagenknecht penetrant unterbrach, startete eine Leipzigerin nun die Unterschriftenaktion "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr". Mit großem Erfolg.
Markus Lanz im Gespräch mit Sahra Wagenknecht: Mit der Phrase "Da muss ich einmal einhaken" unterbrach der Moderator seinen Gast mehr als einmal.

Markus Lanz im Gespräch mit Sahra Wagenknecht: Mit der Phrase "Da muss ich einmal einhaken" unterbrach der Moderator seinen Gast mehr als einmal.

Foto: ZDF

Hamburg - Er begrüßte sie als "schönste Linke aller Zeiten", doch was sie zu sagen hatte, wollte er eher nicht hören: In seiner Talkshow fiel Markus Lanz der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht immer wieder ins Wort, assistiert vom "Stern"-Redakteur Hans-Ulrich Jörges, der ebenfalls zu Gast war. "Da muss ich einmal einhaken" wurde zum Refrain der Sendung, wie der Blogger Stefan Niggemeier sehr anschaulich beschreibt . Nicht nur Niggemeier, auch einer Zuschauerin aus Leipzig platzte der Kragen.

Bei der Online-Plattform "Open Petition" startete Maren Müller eine Unterschriftenaktion unter der Überschrift "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" In dem Petitionstext  beschreibt Müller ihren Eindruck, dass der Moderator offenbar große Probleme damit habe, "dem politischen Spektrum links von der Mitte mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen". Der Text bemängelt ausdrücklich den "miserablen Stil im Umgang mit Sahra Wagenknecht", der zeige, dass "politische Neutralität für Lanz ein Fremdwort" sei. Abschließend fordert die Petentin das ZDF auf, sich von Markus Lanz zu trennen.

Online-Petitionen gibt es viele und zu allen möglichen Themen - und übrigens auch auf anderen Plattformen. Oft verpufft die Wut recht schnell wieder, und die Unterschriftenzahlen bleiben überschaubar. Manchmal helfen sie aber tatsächlich mit, Änderungen anzustoßen. So etwa openpetition.de mit mehr als 300.000 Online-Unterschriften gegen die Gema-Tarifreform, die in der Folge tatsächlich überarbeitet wurde.

Auf ein gehöriges öffentliches Interesse ist die Petition von Maren Müller jedenfalls gestoßen. Am Donnerstag hatten sich bereits mehr als 131.000 Unterstützer gefunden (mehr als 124.000 davon aus Deutschland) für den Wunsch, Lanz loszuwerden - die Zahl erhöht sich stündlich um mehrere Tausend.

Kleine ZDF-Entschuldigung bei Wagenknecht

Dem Branchendienst meedia.de  nannte Maren Müller, die unter dem Kürzel @linksgruen  twittert, als ein weiteres Beispiel für die von ihr gesehene Überforderung des Moderators, offen mit abweichenden Meinungen umzugehen, den Auftritt des umstrittenen Börsenexperten Dirk Müller. "Mich nervt der Umgang von Lanz mit Leuten anderer Meinung schon eine Weile", sagte sie zu "Meedia": "Dieses Mal war das Maß voll". Wenn sie 100.000 Unterzeichner bekommen habe, wolle sie die Petition dem ZDF übergeben, sagte Maren Müller.

In der Zwischenzeit entschuldigte sich das ZDF bei Sahra Wagenknecht - allerdings nicht für den Umgang mit ihr in der Sendung. Der Twitterer @coatilex hatte die Antwort der ZDF-Zuschauerredaktion  auf seine Beschwerde öffentlich gemacht, wonach Wagenknecht mit "der, wenngleich sehr intensiven, Auseinandersetzung in der Sendung zufrieden" gewesen sei. Dem widersprach die stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linken bei Twitter ("doch etwas arg frech "), worauf die ZDF-Kommunikatoren Abbitte leisteten .

Lanz will sich mit öffentlichen Äußerungen derzeit zurückhalten. Interviews gibt er nach Senderangaben nicht. Sein Management sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, er sei derzeit sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen zur nächsten "Wetten, dass..?"-Ausgabe am Samstagabend. Im Dezember hatte er Forderungen, die Sendung abzugeben, im Interview mit dem "Stern" zurückgewiesen: "Jetzt aufzuhören, wäre uncool. Schon um ein paar Leute aus der Meute zu ärgern, muss ich weitermachen."

Und schon im vergangenen Jahr hatte Lanz mit etlichen Widersachern im Netz zu kämpfen. Mit Blick auf das "Bashing" meinte er auch im "Stern"-Interview: "Wenn der Shitstorm kommt, müssen Sie in der Lage sein, gedanklich einfach mal die Spülung zu drücken. Wenn Sie das nicht tun, gehen Sie kaputt."

Zumindest zum politischen Meinungsstreit wird es am Samstag kaum kommen: Zu Gast bei "Wetten, dass..?" sind der Schauspieler Liam Neeson, der Schauspieler Hans Sigl ("Der Bergdoktor"), der Komiker Atze Schröder, die Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld sowie der Fußballspieler Max Kruse (Borussia Mönchengladbach). Für die Musik sorgen Peter Maffay und James Blunt.

Anmerkung der Redaktion: Die Zahlen zu den Unterstützern der Petition wurden angeglichen. Aktueller Stand: 23. Januar 2014, 16.23 Uhr.

feb/dpa
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