Folgen aus den Siebzigerjahren WDR stellt Warntafeln vor »Otto-Show«-Wiederholungen
Waalkes beim Dreh der »Otto Show VI«, 1978: »Bestandteil der Fernsehgeschichte«
Foto:United Archives / kpa / IMAGO
»Die Otto Show« ist bundesdeutsche Fernsehgeschichte, darüber kann kein Zweifel herrschen. Die im Schnitt zwischen 1973 und 1981 einmal pro Jahr ausgestrahlten Shows und die darin vorgetragenen Gags waren Ereignisse, die am folgenden Tag auf dem Schulhof eifrig diskutiert wurden. Sie machten aus Otto Waalkes einen Comedy-Superstar im ganzen Land.
Insofern war es eine passende Würdigung zum 75. Geburtstag, den der Komiker am 22. Juli feierte, dass der WDR ankündigte, die »Otto Shows« in voller Länge zu wiederholen und sie wieder in die Mediathek einzustellen. Hier die erste Sendung aus dem Jahre 1973, dies die zweite »Otto Show« von 1974. Insgesamt sollen neun Folgen gezeigt werden.
Allerdings sahen die Senderverantwortlichen die Notwendigkeit, das heutige Publikum darauf vorzubereiten, was es in den Folgen zu sehen und zu hören bekommen wird. Schließlich haben junge Zuschauerinnen und Zuschauer Waalkes ja vielleicht erst durch seinen Nummer-eins-Hit »Friesenjung« mit den Rappern Ski Aggu und Joost Klein kennengelernt.
»Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt«, heißt es in Weiß auf Blau, zugleich wird der Text auch verlesen: »Es enthält Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden.«
Der »Bild«-Zeitung, die zuerst über die Warntafeln berichtete , schrieb der Westdeutsche Rundfunk, man zeige regelmäßig »beliebte Programme und Kultsendungen aus unserem Archiv« in ihrer ursprünglichen Form. »Sie enthalten Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden. Mit der Einblendung zu Beginn machen wir das deutlich und ordnen das Format dementsprechend ein.« Die Frage, welche speziellen Passagen der WDR dabei im Sinn hatte, wollte der Sender demnach nicht beantworten.
Dafür äußerte sich Otto Waalkes gegenüber »Bild« : Vor Komik könne gar nicht genug gewarnt werden, witzelte er: »Vor allem die ›Otto-Show‹ kann bei Konsumenten zu unkontrollierbaren Heiterkeitsausbrüchen und Lachmuskelkater führen.«
Ernsthafter sagte der ostfriesische Komiker, die Moralvorstellungen seit 1970 hätten sich gewandelt, jede Zeit habe ihre eigenen Tabus. »Komik hat ja immer etwas Anstößiges, weil sie alltägliche Regeln verletzt«, ordnete er ein und betonte, er habe damals als Student »Scherze gemacht, von denen sich vor allem Autoritäten verletzt fühlten«.
Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass sich Waalkes zu womöglich schlecht gealterten Gags äußern musste. Um die Verwendung des »N-Worts« in »Otto – Der Film« aus dem Jahre 1985 gab es, anlässlich seiner Platzierung im Angebot eines Streamingdienstes 2020 Diskussionen .
Dem SPIEGEL sagte Waalkes vor fünf Jahren in einem Interview zu N-Wort-Passagen im »English for Runaways«-Sketch: »Das waren damals harmlose Wortspiele und im Zusammenhang mit ähnlichen Kalauern große Lacher. Heute wird in dieser ganzen Diskussion meist vergessen, mit welcher Absicht solche Begriffe verwendet werden, ob es sich nur um einen Kalauer handelt oder ein politisches Statement, mit dem jemand rassistische Vorurteile aufbauen oder bedienen will.«
Der Komiker wurde dann auch noch grundsätzlich: Es gebe nur wenige Witze, die ganz ohne Opfer auskommen. »Wer das dann immer gleich als rassistisch bezeichnet, verharmlost den echten Rassismus. Das halte ich für gefährlich.« Empfindlichen Seelen riet er vom Besuch einer Comedyshow ab. Auch eine Art Warnhinweis.