Neubesetzung beim RBB Wer folgt auf Patricia Schlesinger? Hier sind sieben Kandidatinnen und Kandidaten

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg braucht eine neue Intendantin. Wer könnte die unter Vorwürfen von Vorteilnahme und Vetternwirtschaft zurückgetretene Patricia Schlesinger ersetzen?
Es geht um die Nachfolge für den Chefposten im RBB-Turm: Martina Zöllner (v.l.n.r.), Tina Hassel, Ulla Fiebig werden gehandelt

Es geht um die Nachfolge für den Chefposten im RBB-Turm: Martina Zöllner (v.l.n.r.), Tina Hassel, Ulla Fiebig werden gehandelt

Foto: Annette Riedl / picture alliance / dpa; Christoph Soeder / picture alliance / dpa; Kristina Schäfer / SWR / picture alliance / dpa

Nach dem Rücktritt von Patricia Schlesinger ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) auf der Suche nach einer neuen Intendantin. Schlesinger hatte am 7. August ihren Rückzug erklärt. Vorausgegangen waren Vorwürfe der Vetternwirtschaft, dubioser Beraterverträge und Spesenausgaben. Wer kommt infrage für die Nachfolge der früheren Investigativjournalistin, die mit ihrem Verhalten den gesamten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk beschädigt hat?

Das Prozedere für eine Neuwahl bestimmt der Rundfunkrat. Er wird eine Findungskommission einsetzen, die Kandidatinnen und Kandidaten sichten wird – womöglich eher außerhalb des Senders, um nach dem Schlesinger-Fiasko einen echten Neuanfang zu starten. Mit Verena Formen-Mohr, Leiterin der Hauptabteilung Intendanz, ist bereits eine Schlesinger-Vertraute gegangen. Auch Schlesingers Stellvertreter Hagen Brandstäter, der als Verwaltungsdirektor interimsmäßig die Geschäfte führt, hat für das kommende Jahr seinen Rückzug angekündigt. Weitere könnten folgen.

Doch auch innerhalb des RBB gibt es Personen, die als mögliche Nachfolger gehandelt werden – wobei wohl eher eine Nachfolgerin gesucht wird als ein Nachfolger. Noch immer sind die meisten Intendanzen der öffentlich-rechtlichen Funkhäuser männlich besetzt und aus dem Westen. Stimmen werden laut, die eine Frau aus Ostdeutschland für den Posten fordern.

Hier sind sieben mögliche Nachfolger für Patricia Schlesinger

  • Jan Schulte-Kellinghaus ist Programmchef beim RBB und gilt als geeignet – er steht allerdings in der Kritik, weil er als Teil der Geschäftsleitung auch einen Bonus kassiert hat. Beim hartnäckigen Nachfragen der Journalistin Sarah Oswald in der RBB-»Abendschau« am 9. August (»Und Sie haben von all dem nichts mitbekommen?«) geriet der studierte Jurist in Erklärungsnot. Er gehört zu Schlesingers Team, intern wurde auch schon sein Rücktritt gefordert.

  • Susann Lange ist seit 2020 juristische Direktorin des RBB, gewählt wurde sie auf Vorschlag von Patricia Schlesinger. Sie gehört damit auch der RBB-Geschäftsleitung an, und wie bei Schulte-Kellinghaus gibt es Fragen nach Bonuszahlungen. Die in Dresden geborene Rechtswissenschaftlerin ist seit über 20 Jahren beim RBB, unter anderem als Justiziarin des Senders und Leiterin der Hauptabteilung Intendanz.

  • Martina Zöllner ist Fiction- und Kulturchefin des RBB. Sie war 2017 vom Südwestrundfunk (SWR) nach Berlin gewechselt, um die Leitung des neu geschaffenen Programmbereichs »Doku und Fiktion« zu übernehmen. Beim SWR war sie Leiterin der Filmabteilung und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem für Idee und Konzeption der Echtzeit-Serie »Zeit der Helden« mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis. Die »Süddeutsche Zeitung« schreibt , Zöllner sei bereits in ihrer Zeit beim SWR als »intendantenfähig« gesehen worden.

  • Tina Hassel ist Chefin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. Die gebürtige Kölnerin kandidierte bereits vor einem Jahr für die ZDF-Intendanz, unterlag aber bei der Wahl durch den ZDF-Fernsehrat im Juli 2021 Norbert Himmler. Hassel gilt als Aushängeschild der ARD, mit dem ZDF-Journalisten Theo Koll, der ebenfalls als Kandidat für die RBB-Intendanz gilt, moderierte sie 2021 die Bundestagswahl-Schlussrunde von ARD und ZDF. Sie ist bereits durch die Boulevardpresse als Schlesinger-Nachfolgerin ins Spiel gebracht worden und bekam für angeblich grünen-nahe Aussagen reichlich Kritik: »Ausgerechnet Hassel!«, schimpft etwa die »B.Z.« .

  • Theo Koll bewarb sich bereits 2016 als RBB-Intendant, unterlag damals aber Patricia Schlesinger in sechs Wahlgängen. Koll überzeugte mit persönlichem Format und Gremienerfahrung. 2019 übernahm er die Leitung des ZDF-Hauptstadtstudios und die Moderation von »Berlin direkt«. Ob er aktuell Interesse an dem RBB-Chefposten hat, ist unklar.

  • Jana Brandt ist Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Halle, dort sind unter anderem Kultur und Wissen sowie die jungen Angebote des MDR angesiedelt. Brandt ist seit 1999 beim Mitteldeutschen Rundfunk. Als Film- und Serienmacherinnen übernahm sie 2014 zusätzlich den Vorsitz der ARD-Redaktion Hauptabendserie. Brandt ist die Tochter des Defa-Regisseurs Horst E. Brandt und in Potsdam-Babelsberg geboren.

  • Ulla Fiebig käme vom SWR-Landessender Rheinland-Pfalz, den die gebürtige Sächsin seit Februar als Direktorin führt. Sie hatte bereits verschiedene Führungspositionen in der ARD inne, so war sie stellvertretende Sprecherin und Korrespondentin im Hauptstadtstudio. Zuletzt leitete sie das Pressereferat im Bundesfamilienministerium unter der damaligen Ministerin Franziska Giffey, die heute Regierende Bürgermeisterin von Berlin ist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.