"Rockpalast"-Erfinder Peter Rüchel ist tot

Als Fernsehredakteur beim WDR dachte er sich die Rocknächte aus, die die Musikfans der Siebziger und Achtziger um den Schlaf brachten. Nun ist Peter Rüchel gestorben, er wurde 81 Jahre alt.

"German Television proudly presents" - mit dieser Anmoderation begannen die "Rockpalast"-Nächte des Westdeutschen Rundfunks. Und viele Zuschauer teilten diesen Stolz ein wenig, wenn die Stars der Rockmusikszene der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre im deutschen Fernsehen live und in voller Konzertlänge zu sehen waren - und zugleich in Hi-Fi-Qualität im Radio zu hören (und mitzuschneiden).

Als Erfinder der Musiksendung "Rockpalast" gilt Peter Rüchel, der langjährige WDR-Fernsehredakteur. Der gebürtige Berliner hatte seine Rundfunkkarriere beim Sender Freies Berlin begonnen, wechselte dann zum ZDF, wo er Redakteur des Jugendmagazins "Direkt" war. 1974 wechselte er dann zum WDR. Zusammen mit dem Regisseur Christian Wagner erarbeitete er das "Rockpalast"-Konzept.

Zunächst strahlte der WDR unter dem Titel Konzertmitschnitte aus. Am 23. Juli 1977 folgte dann in der Essener Gruga-Halle das erste live übertragene Mammut-Konzert, Roger McGuinn, Rory Gallagher und Little Feat traten bei der "Rockpalast"-Rocknacht auf. Es wurde ein halbjährliches Ereignis, mit The Who, The Police oder Van Morrison als Highlights.

Im Musikvideo-Zeitalter der mittleren Achtzigerjahre wirkte der "Rockpalast" dann allerdings bald als etwas aus der Zeit gefallen. Rüchel favorisiere "unbeirrt von jeder Kritik die Musik seiner Jugend", ätzte etwa der SPIEGEL. Das Publikumsinteresse bröckelte, 1986 gab es die 17. und vorerst letzte Rocknacht.

Doch in den Neunzigerjahren wuchs das Interesse an Livemusik wieder, unter dem Namen "Rocklife" brachte sie Rüchel wieder ins Programm, und seit 1995 hat der "Rockpalast" auch seinen alten Namen wieder. "Es gibt nicht viele Fernsehmarken, die die Zeiten überlebt haben. Aber Ihnen ist es gelungen, mit Rockpalast ein Musikformat auf den Weg zu bringen, das bis heute einzigartig ist und weit über den Westen hinaus Strahlkraft besitzt", gratulierte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn 2017 Rüchel zum 80. Geburtstag.

Wie zunächst der "Leverkusener Anzeiger" meldete, ist Peter Rüchel am Mittwochmorgen nach schwerer Krankheit gestorben. Der WDR bestätigte die Meldung unter Bezugnahme auf Rüchels Nachfolger Peter Sommer, der in Kontakt mit der Familie steht. Peter Rüchel wurde 81 Jahre alt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es irrtümlich, Christian Wagner habe den legendären "German Television"-Satz gesprochen. Tatsächlich war es der deutsche Moderator Albrecht Metzger.

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