"Polizeiruf" über Sexualmorde Rostock, Heimat der Triebväter

"Wie? Er packt sich so eine Gebärmutter auf den Tisch und holt sich einen runter?" Der "Polizeiruf" erzählt im rustikalen Rostocker Fischkopp-Schnack von der Jagd auf einen Sexualmörder - büschn simpel.

Christine Schroeder/ NDR

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In Rostock geht ein weiteres Mal ein Sexualstraftäter um, und ein weiteres Mal zieht sich dessen Spur durch die Jahrzehnte. Erst Ende vergangenen Jahres ging es im Nord-"Polizeiruf" um einen Familienvater mit Mädchenleiche im Keller, 30 Jahre lag der Mord da zurück. In der aktuellen Folge nun gerät wieder ein Vorzeige-Dad in Verdacht. Nach zwei dicht aufeinanderfolgenden Sexualmorden werden nun noch mal ähnliche Fälle aus den Nullerjahren aufgerollt. Damals wie heute wurden die Leichen entstellt aufgefunden, einzelne Körperteile hat der Täter entfernt.

Die Ermittlerin erklärt ihren Kollegen bei einem ersten Brainstorming: "Sexualstraftäter machen lange Pausen, wenn es ihnen gut geht. Sie heiraten, es kommt ein Kind zur Welt." Schnitt: Wir sehen einen Vati auf der Tribüne einer Sporthalle beim Volleyball seine Tochter anfeuern, die im Alter der Opfer ist.

Später wird in den Fernsehnachrichten dann über den Fall berichtet, die Moderatorin spricht alliterationsselig vom "Ripper von Rostock". Schnitt: Wir sehen den Volleyball-Vater beim Grillen am Hochleistungs-Barbecue, neben ihm ein imposantes Instrumentarium an Messern und Spießen.

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"Polizeiruf" mit Hübner und Sarnau: Krasse Morde, klare Worte

Sagen wir mal so: Die Bildmontage in diesem "Polizeiruf" (Buch und Regie: Damir Lukacevic) ist nicht gerade subtil. Dass man dem Krimi trotzdem über weite Strecken folgt, liegt einerseits an den Schauspielern, die hier gekonnt zwiespältig die beiden Hauptverdächtigen darstellen, und zum anderen an den in liebgewonnener Fischköppigkeit dargebotenen Rostock-typischen Rustikal-Dialogen (Dialogautor: Péter Palátsik).

Gefühl der Unterforderung

Erklärt Kommissarin König (Anneke Kim Sarnau) den anderen Ermittlern über das sich abzeichnende Muster des Mörders: "Die Körperteile sind seine Trophäen. Er baut sie in seine Fantasien ein." Gibt Kollege Bukow (Charly Hübner) des Begriffsstutzigen: "Hä? Hängt er sie in den Glasschrank, oder wie? Versteh ich nicht."

Führt König weiter aus: "Na ja, wir haben ja kein Sperma gefunden. Er hat sie nicht vergewaltigt. Er bringt die Opfer um und durchlebt den sexuellen Akt dann später zu Hause. In seiner Fantasie, da wird es die perfekte Tat." Fasst es Bukow noch mal für die ganz schlichten Gemüter im Kollegium und im Publikum zusammen: "Wie? Er packt sich so eine Gebärmutter auf den Tisch und holt sich einen runter?" Das ist dann doch ein büschen simpel.

Als mögliche Mörder, die ihre Befriedigung über abgetrennte Körperteile erhalten, werden dieser Simpel-Formel entsprechend zwei Männer präsentiert, deren sozialen Defizite dem Betrachter relativ schnell ins Auge fallen: Da ist zum einen ein Unternehmer (Simon Schwarz), der sich nach der Scheidung rührend um die halbwüchsige Tochter kümmert, aber offenbar erhebliche Probleme mit erwachsenen Frauen hat. Und da ist zum anderen ein Jura-Bummelstudent (Alexander Beyer), der sich von seiner 30 Jahre älteren Ehefrau (Angela Winkler) das Leben organisieren lässt, aber so tut, als sei er ein Genie der Rechtswissenschaften.

Bummelstudent gibt Jura-Genie

Das Aufeinandertreffen mit den Hauptverdächtigen ist extrem unangenehm: Der Familienvater erzählt freimütig von einem bei der Polizei vermerkten Vorfall mit einer Prostituierten, die ihn wegen Körperverletzung angezeigt hat: "Sie hat mir beim Blasen in den Penis gebissen. Ich wollte mich schützen und habe sie im Affekt abgewehrt." Der Bummelstudent gibt mit näselndem Tonfall den Besserwisser und macht sich über den Fernsehauftritt von Bukow lustig: "Sind Sie nicht der Kommissar von der Pressekonferenz? Alles schön vom Blatt abgelesen! Wollen Sie, dass ich Ihnen bei den Ermittlungen helfe?"

Der "Polizeiruf" ist gut gespielt, hat kurzweilige Dialoge - und ruft doch bald auch ein Gefühl der Unterforderung hervor. Denn obwohl so getan wird, als ob hier gleichberechtigt zwei Hauptverdächtige nebeneinandergestellt werden, liegt die Lösung schon früh auf der Hand. Wir plädieren für fünf Jahre Triebväter-Verbot im Rostocker "Polizeiruf".

Bewertung: 6 von 10 Punkten


"Polizeiruf 110: Dunkler Zwilling", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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ayee 04.10.2019
1. Alles schon tausendmal gesehen
Krimis sind schon ein komisches Genre. Es ist immer, als würde man eine Wiederholung sehen, denn wirklich neu ist in den Filmen nichts. Die Kreativität liegt größtenteils bei der Auswahl der Stadt und des Dialekts. Wie schön, dass es so viele davon gibt, finanziert von Zwangsgebühren.
Dramaturgen-Frau 04.10.2019
2. Falsche Prämissen führen zu falschen Konklusionen
Zitat von ayeeKrimis sind schon ein komisches Genre. Es ist immer, als würde man eine Wiederholung sehen, denn wirklich neu ist in den Filmen nichts. Die Kreativität liegt größtenteils bei der Auswahl der Stadt und des Dialekts. Wie schön, dass es so viele davon gibt, finanziert von Zwangsgebühren.
Seit Homer ist alles erzählt. Das ist Faktum. Hören die Menschen deshalb auf, zu erzählen? - Rhetorische Frage. Jede neue Generation von Pubertieren verliebt sich und findet das und den Sex und den Alkohol sensationell. Obwohl doch alles dazu bekannt ist. Das Wie ist das Credo der Kunst, nicht das Was. Wenn man sagt, man habe das Gefühl, man sehe nur Wiederholungen, ist man entweder besonders alt oder kulturell unbeleckt (siehe ersten Satz). Mehr als die Variation des Wie gibt es nicht. Wer das nicht erkennt, hat das Leben nicht verstanden. In diesem Sinne hebe ich mein Glas Grüner Veltiner im Wiener Caféhaus und grüße, Ihre Clara Bosworth aus dem Frankfurter Speckgürtel.
berndjag 04.10.2019
3. Es geht fast nur um Mord
Es scheint das fast jede andere Art der Kriminalität ihren Reiz verloren hat...unter Mord geht garnix...ich vermisse sowas wie SchwarzRotGold damals....ach.,.mal nen Anreiz..wenn man alle deutschen Krimitoten zusammenzählt wieviel Menschen sind dann so im Jahr ermordet worden? Und dann das selbe mal für die USA..alle Serieentoten zusammengezählt..da kommt was zusammen....und fast immer wird der Fall gelöst...
Ekkehard Grube 06.10.2019
4. Wie Drehbuchautoren ein gutes Team kaputtkriegen
Pluspunkt des heutigen Films: Buckows Ehe-Aus wurde nicht wieder aufgegriffen. Ansonsten nur Wirrnis: Die Tochter beschuldigt erst ihren Vater online anonym, verteidigt ihn dann, als sie offline persönlich vernommen wird. Schließlich findet sie im Keller die Beweise für die Schuld ihres Vaters. Der lässt sie trotz ihrer Drohung zur Polizei zu gehen, ziehen. (Eine Attacke des Vaters gegen seine Tochter wäre zwar klischeehaft gewesen, aber glaubwürdiger als die Reaktion, die im Film gezeigt wurde.) Und die Tochter, anstatt zur Polizei zu gehen, unternimmt einen Selbstmordversuch, den sie überlebt. Weil das noch nicht genug der Wirrnis ist, wird noch ein Ehepaar in die Handlung eingebaut (die Jansens), bei dem die Frau ihren Mann und sich selbst (!) beschuldigt. Gipfel des Irrsinns ist eine Aussage der Frau, die diesem irren Film den Titel gegeben hat: Ihr Mann habe ihr erzählt, dass er schon bei der Geburt seine Zwillingsschwester mit der Nabelschnur erdrosselt habe, er sei also schon als Mörder zur Welt gekommen. Dieses irre Paar hat mit den Morden nichts zu tun, war nur als Ablenkung eingebaut. Buckow und König waren in den ersten Folgen ein sehr gutes Team: Er ein von der Kritik nicht zu Unrecht als "Ost-Schimmi" apostrophierter Raubauz, sie eine gute, gelegentlich kesse Ergänzung für ihn. Hätte man es dabei belassen und die beiden mit realistischen, aus dem Leben gegriffenen Fällen einfach ermitteln lassen, dann hätten sie ein Dream-Team werden können. Leider haben die gnadenlosen Drehbuchschreiber Buckow erst eine alte Disziplinargeschichte, dann sein Ehe-Aus ans Bein gebunden. Vor allem unter Letzterem hat die Qualität der Drehbücher stark gelitten. Und auch sonst fiel den Autoren aller möglicher Quatsch ein, z.B. dass Buckow und König munter die Gesetze brechen. Hoffentlich schickt das Christkind dieses Jahr zu Weihnachten den Rostockern einen vernünftigen Drehbuchautor, damit dieses Team zeigen kann, was in ihm steckt. Wobei allerdings in der in dieser Folge angedeuteten norddeutsch rauen Liebesgeschichte zwischen Buckow und König neues Mistpotential steckt. Ohne Privatkram ermittelt sich's einfach besser.
awhb 07.10.2019
5.
Zitat von Ekkehard GrubePluspunkt des heutigen Films: Buckows Ehe-Aus wurde nicht wieder aufgegriffen. Ansonsten nur Wirrnis: Die Tochter beschuldigt erst ihren Vater online anonym, verteidigt ihn dann, als sie offline persönlich vernommen wird. Schließlich findet sie im Keller die Beweise für die Schuld ihres Vaters. Der lässt sie trotz ihrer Drohung zur Polizei zu gehen, ziehen. (Eine Attacke des Vaters gegen seine Tochter wäre zwar klischeehaft gewesen, aber glaubwürdiger als die Reaktion, die im Film gezeigt wurde.) Und die Tochter, anstatt zur Polizei zu gehen, unternimmt einen Selbstmordversuch, den sie überlebt. Weil das noch nicht genug der Wirrnis ist, wird noch ein Ehepaar in die Handlung eingebaut (die Jansens), bei dem die Frau ihren Mann und sich selbst (!) beschuldigt. Gipfel des Irrsinns ist eine Aussage der Frau, die diesem irren Film den Titel gegeben hat: Ihr Mann habe ihr erzählt, dass er schon bei der Geburt seine Zwillingsschwester mit der Nabelschnur erdrosselt habe, er sei also schon als Mörder zur Welt gekommen. Dieses irre Paar hat mit den Morden nichts zu tun, war nur als Ablenkung eingebaut. Buckow und König waren in den ersten Folgen ein sehr gutes Team: Er ein von der Kritik nicht zu Unrecht als "Ost-Schimmi" apostrophierter Raubauz, sie eine gute, gelegentlich kesse Ergänzung für ihn. Hätte man es dabei belassen und die beiden mit realistischen, aus dem Leben gegriffenen Fällen einfach ermitteln lassen, dann hätten sie ein Dream-Team werden können. Leider haben die gnadenlosen Drehbuchschreiber Buckow erst eine alte Disziplinargeschichte, dann sein Ehe-Aus ans Bein gebunden. Vor allem unter Letzterem hat die Qualität der Drehbücher stark gelitten. Und auch sonst fiel den Autoren aller möglicher Quatsch ein, z.B. dass Buckow und König munter die Gesetze brechen. Hoffentlich schickt das Christkind dieses Jahr zu Weihnachten den Rostockern einen vernünftigen Drehbuchautor, damit dieses Team zeigen kann, was in ihm steckt. Wobei allerdings in der in dieser Folge angedeuteten norddeutsch rauen Liebesgeschichte zwischen Buckow und König neues Mistpotential steckt. Ohne Privatkram ermittelt sich's einfach besser.
Da haben Sie ein bisschen was durcheinanderbekommen. Die Geschichte mit der erdrosselten Zwillingsschwester erzählt der tatsächliche Täter seiner Tochter. Diese Geschichte wurde ihm wiederum von seiner Mutter, also der Großmutter des Mädchens erzählt.
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