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Oder-"Polizeiruf": Das Problem mit der Heimat

Foto: Oliver Feist/ rbb

"Polizeiruf" über "Reichsbürger" Kleinstadtbürger, Großmannsträume

Extremistische Heimatliebe: Im "Polizeiruf" aus dem Oder-Grenzgebiet nehmen Nationalisten und Revisionisten Aufstellung - polnische "Heimatfront" trifft auf "Preußische Provinz Brandenburg".

Die deutsch-polnische Grenze als gefährliches Nationalismus-Labor: Auf der deutschen Seite hat ein "Reichsbürger" die "Preußische Provinz Brandenburg" ausgerufen, der Initiator gehörte zu einem der letzten Offiziersjahrgänge bei der NVA. Der Bürgermeister beschreibt ihn so: "Seine DDR ist untergegangen, und in der BRD ist er nicht angekommen. In der letzten Zeit entwickelt er eine seltsame Affinität zur guten alten Kaiserzeit." Und die Grenzen aus dieser Zeit hätte der Reichsbürger mit selbst gebasteltem preußischem "Personalausweis" natürlich auch gern zurück.

Auf der polnischen Seiten rüstet die "Heimatfront" auf. Wie der polnische Kommissar seiner deutschen Kollegin erklärt: "Ultra-rechte Nationalisten, militant, homophob, rassistisch. Denen ist sogar die PiS noch zu links."

Dies- und jenseits der Grenze also großes Flaggen-und-Flinten-Schwingen. Weniger offen agiert derweil eine Holdinggesellschaft mit Briefkastenadresse in Panama, die über einen örtlichen Makler fruchtbares Land in der polnischen Grenzregion aufkaufen lässt - mutmaßlich, um sie dann an deutsche Agrarunternehmen weiter zu verkaufen. Der für eine Briefkastenfirma etwas zu entlarvende Name: Agro Invest.

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Oder-"Polizeiruf": Das Problem mit der Heimat

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Ins Visier der Landjäger war auch der verschuldete Hof einer Familie geraten, deren Vater von maskierten Eindringlingen zu Tode geprügelt worden ist. Die Mörder des polnischen Bauern kamen offensichtlich aus Deutschland: An der Grenze haben Sicherheitskameras kurz vor und nach der Tatzeit ein verdächtiges Auto fotografiert; es hatte ein Kennzeichen, das Fahrzeuge einst im Deutschen Reich in der Provinz Brandenburg trugen - jener Verwaltungseinheit, dessen Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg zu Teilen an Polen ging und von deren Wiederherstellung der erwähnte Reichsbürger träumt.

EU-Müdigkeit und Demokratie-Feindlichkeit

Nach ARD-Sonntagskrimis aus München, Freiburg und etlichen anderen Orten mit angeschlossenen TV-Revier ist dieser "Polizeiruf" also ein weiterer Film, der sich mit dem Phänomen "Reichsbürger" beschäftigt. Doch Regisseur und Autor Christian Bach ("Hirngespinster") begeht nicht den Fehler, eine weitere Skurrilitätenschau paranoider Militaria-Schrate vorzulegen, sondern verdichtet den Stoff zu einem Gesellschaftspanorama über EU-Müdigkeit und Demokratie-Feindlichkeit im deutsch-polnischen Grenzgebiet.

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Der Revisionismus und der Nationalismus, der hier auf beiden Seiten der Oder zu finden ist, erscheint im Film als eine Folge der Orientierungslosigkeit in einer unübersichtlich gewordenen Welt. Olga Lenski (Maria Simon), deutsche Kommissarin mit russischer Mutter, und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), polnischer Kommissar mit deutscher Migrationsgeschichte, begegnen biografischen Brüchen und nationalen Überlagerungen, wo sie auftauchen.

Entgrenzung, Entwurzelung, Kleinstadtbürger, Großmannsträume - der "Polizeiruf" fasst recht gut die Gemengelage der widersprüchlichen Gefühle zusammen, die den Nährboden für den extremistischen Heimatbegriff liefert. Gelegentlich verzettelt sich Filmemacher Bach im fast schon paritätischen Ausloten der unterschiedlichen nationalistischen Strömungen, dafür liefert er aber auch immer wieder brillante kleine Szenen über die Risse im längst nicht geeinten, fast schon wieder auseinanderbrechenden Europa.

Fragt zum Beispiel der polnische Polizist die deutsche Kollegin, wieso die gemeinsame Dienststelle deutsch-polnisches Kommissariat genannt wird und nicht polnisch-deutsches Kommissariat, wo es doch in Polen liegt. Ja, wieso eigentlich?

Bewertung: 7 von 10 Punkten


"Polizeiruf 110: Heimatliebe", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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