ARD-Sonntagskrimi Der Brandenburg-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Die wollen ihren Kaiser Wilhelm wieder haben: Die "Polizeiruf"-Kommissare ermitteln im deutsch-polnischen Grenzgebiet zwischen "Reichsbürgern" und anderen Revisionisten.

Oliver Feist/ rbb

Von


Das Szenario:

Deutsche "Reichsbürger" auf der einen Seite der Grenze, polnische "Heimatfront" auf der anderen Seite: Nach dem Mord an einem polnischen Bauern ermitteln Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) zwischen gewaltbereiten Extremisten. Dabei geht es auch um das fruchtbare Land im polnischen Grenzgebiet, auf das es offensichtlich deutsche Spekulanten abgesehen haben. Kann es sein, dass jemand durch den Landkauf im großen Stil nationalistische Interessen verfolgt?

Der Clou:

Dieser "Polizeiruf" zeigt Revisionismus und Nationalismus auf beiden Seiten der deutsch-polnischen Grenze, verfällt aber nicht in Relativismus. Das kleinteilige Gesellschaftsstück wird um einen Subplot ergänzt, der klug das weiterwirkende faschistische Erbe Deutschlands einbindet.

Das Bild:

Finger sucht Hand. Kommissar Raczek hebt das abgetrennte Körperteil von einer Wiese auf und fragt sich, ob es an eine deutsche oder polnische Hand gehört. Im Folgenden schaut er den Leuten auf beiden Seiten der Grenze genau auf die Finger.

Der Spruch:

"Ich hab keinen Bock mehr. Sollen sich die Idioten alleine abknallen." So Kommissarin Lenski, als sich gegen Ende die Nationalisten von beiden Seiten der Grenze gegenseitig bedrohen.

Der Lied:

"Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben" von Heino. Der beschwingte ironische Marsch kommt im "Polizeiruf" nicht vor, trifft aber ganz schön den pathologischen Gemütszustand von den "Reichsbürgern" im Krimi, die tatsächlich vom alten deutschen Kaiserreich träumen.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Gelegentlich stört es, dass das Thema Nationalismus wirklich jeder noch so kleinen Szene übergestülpt wird, aber insgesamt ein starkes Krimi-Panorama über EU-Müdigkeit und Demokratie-Feindlichkeit.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf: Heimatliebe", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Dramaturgen-Frau 24.08.2019
1. Schon wieder?!
Ich empfinde die Storyauswahl bei Tatort und P110 etwas einseitig - und damit recht öde. Gerade in diesen Tagen wird z.B. der Dortmunder Tatort zum Thema "Reichsbürger" auf WDR wiederholt. In diesen Tagen. Wo wir doch in wenigen Tagen Wahl in Sachsen und Brandenburg haben. Ein Schelm, der... Die durch die Demokratieabgabe ermöglichte Lenkungsmaschinerie der ARD scheint auf Hochtouren zu laufen. Da das ja bekannt ist und wenig verschwiemelt wird, kann man sich dem natürlich in diesen Tagen auch ganz gut entziehen. Die Fantasielosigkeit der ARD nervt nur kolossal. Wir haben doch schon einen monothematischen Tatort mit Wulle Mulle Möhre, dem das Drehbuch die Absurdität von Milch und Korn zu seinem ständigen "Gegen Rechts!"-Aktionismus reingewürgt hat. Ich finde, die ARD übertreibt jetzt ein wenig. Aber, wie gesagt, es ist wohl nur der extremen Fantasielosigkeit der dort ansässigen Redakteurinnen geschuldet. Dass die ARD mit diesem thematischen Dauerbeschuss die Hysterie im Land fördert (die "Reschke-Restle-Hysterie", wie es ARD-intern heißt) muss sie sich vorwerfen lassen. Dass die Simon in Kürze aufhört, ist zu begrüßen. Die Verbindung mit Krause war ja noch amüsant. Die mit Gregorowicz aber hatte nie wirklich Reiz und war für mich so auch nie nachzuvollziehen. Auch hier könnte sich Anna Brüggemann schon mal warmlaufen, so, wie sie es in diversen vergangenen Tatorten ja schon getan hat, um ihre Anwartschaft (und damit Vollversorgung) anzumelden. Da einzig der gute Hans Zischler eigentlich immer ein Grund ist, einzuschalten, werde ich wohl mal kurz reinschauen, morgen.
P.Delalande 25.08.2019
2.
Zitat von Dramaturgen-FrauIch empfinde die Storyauswahl bei Tatort und P110 etwas einseitig - und damit recht öde. Gerade in diesen Tagen wird z.B. der Dortmunder Tatort zum Thema "Reichsbürger" auf WDR wiederholt. In diesen Tagen. Wo wir doch in wenigen Tagen Wahl in Sachsen und Brandenburg haben. Ein Schelm, der... Die durch die Demokratieabgabe ermöglichte Lenkungsmaschinerie der ARD scheint auf Hochtouren zu laufen. Da das ja bekannt ist und wenig verschwiemelt wird, kann man sich dem natürlich in diesen Tagen auch ganz gut entziehen. Die Fantasielosigkeit der ARD nervt nur kolossal. Wir haben doch schon einen monothematischen Tatort mit Wulle Mulle Möhre, dem das Drehbuch die Absurdität von Milch und Korn zu seinem ständigen "Gegen Rechts!"-Aktionismus reingewürgt hat. Ich finde, die ARD übertreibt jetzt ein wenig. Aber, wie gesagt, es ist wohl nur der extremen Fantasielosigkeit der dort ansässigen Redakteurinnen geschuldet. Dass die ARD mit diesem thematischen Dauerbeschuss die Hysterie im Land fördert (die "Reschke-Restle-Hysterie", wie es ARD-intern heißt) muss sie sich vorwerfen lassen. Dass die Simon in Kürze aufhört, ist zu begrüßen. Die Verbindung mit Krause war ja noch amüsant. Die mit Gregorowicz aber hatte nie wirklich Reiz und war für mich so auch nie nachzuvollziehen. Auch hier könnte sich Anna Brüggemann schon mal warmlaufen, so, wie sie es in diversen vergangenen Tatorten ja schon getan hat, um ihre Anwartschaft (und damit Vollversorgung) anzumelden. Da einzig der gute Hans Zischler eigentlich immer ein Grund ist, einzuschalten, werde ich wohl mal kurz reinschauen, morgen.
Ähm, stehen denn die "Reichsbürger" zur Wahl in Sachsen? Oder wollen Sie darauf hinweisen, dass "Reichsbürger" und die zur Wahl stehende AfD mehr oder weniger deckungsgleich sind?
burlei 25.08.2019
3. @Dramaturgen-Frau, #1
Das ist ja noch nicht alles.Im ZDF kommt heute Abend die Sendung "Ella Schön - Das Ding mit der Liebe". Grade jetzt, wo in Brandenburg und Sachsen Wahlen vor der Tür stehen. Das ZDF will damit doch nur dem Bürger in den Schädel hämmern, dass er gefälligst alle Menschen zu lieben hat. Sogar Ausländer. Pro7 wiederholt den Film "Alice im Wunderland - Hinter dem Spiegel". Grade jetzt, wo in Brandenburg und Sachsen Wahlen vor der Tür stehen. Dabei sollten die Medien mal einen Blick hinter den Spiegel wagen, mit dem sie ihre Zuschauer den Blick auf die nackte Wahrheit verstellen. Auf Sat1 läuft "Gran Torino". Grade jetzt, wo in Brandenburg und Sachsen Wahlen vor der Tür stehen. Will man dem Bürger vorgaukeln, dass seine Umgebung, in dem Banden ungestört ihr Unwesen treiben doch viel, viel besser ist als das heruntergekommene Detroiter Vorortviertel des Films, in dem Banden ungestört ihr Unwesen treiben? Irgendwo kocht bestimmt der Hensler, grade jetzt, wo in Brandenburg und Sachsen Wahlen vor der Tür stehen. Da soll dem Bürger vorgegaukelt werden, dass die Versorgung der Bevölkerung trotz der ganzen Probleme .... usw, usf. Oh! Mein! Gott!
peeka(neu) 25.08.2019
4. War doch ein guter "Polizeiruf"
Nur zwischendurch lief es mal etwas öde, aber insgesamt spannend und mit einer interessanten Wendung am Ende. Mal sehen, wann sich der erste über kiffende Kommissare aufregt
rainer82 25.08.2019
5. Solange rechter Terror unser Leben und die Demokratie bedroht,
sollte dieses Thema vorrangig nicht nur in politischen Sendungen, sondern in allen Bereichen der von Rechtsextremisten bedrohten Kultur behandelt werden. Fernsehfilm und Theater können doch die gesellschaftliche Realität nicht einfach ausblenden, nur weil die Extremisten das gerne möchten und nach einer von ihnen bevorzugten "Machtergreifung" mit Gewalt ohnehin erzwingen würden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.