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Rostock-"Polizeiruf": Dinner mit der 'Ndrangheta

Foto: NDR/ Christine Schroeder

Koks-"Polizeiruf" aus Rostock Fisch-Cops

Mit hartem Punch und norddeutschem Slang spulen die Verantwortlichen des Rostocker "Polizeiruf" ihren Krimi über Kollegenbesäufnisse und Koksgeschäfte ab. Läuft!

Missverständnisse kommen im besten Kollegium vor, Alkohol hat oft seinen Anteil daran. Die Flasche Korn ist alle, da liegt Bukow (Charly Hübner) auf einmal auf König (Anneke Kim Sarnau). Die findet das erst zum Kreischen komisch, merkt dann aber, dass Bukow mit den letzten Gläsern die Da-geht-was-Ausfahrt genommen hat. Obwohl da natürlich gar nichts geht, Kollegen und so.

"Hey! Hey! Hey! Hey! Ich bins! Jo!", mahnt König. Aber Bukow bleibt bräsig auf der Kollegin liegen, die schiebt nach: "Was ist eigentlich mit Ihrer Trennung?" Bukow, in seinem verspulten Kopf die letzte Chance witternd, salutiert: "Läuft!" Was natürlich doch nicht als Legitimation reicht, weiter an der Kollegin rumzugraben, die langsam wirklich genervt ist: "Ey Alter, jetzt ist auch mal gut." Bukow kleinlaut: "Ja, schon mitgekriegt." König: "Spacken!" Bukow trollt sich im Kumpel-Style, joviales Schulterklopfen inklusive: "Tschüs, Katrin."

Großartige Szene gleich am Anfang dieses "Polizeiruf", die klarstellt, was geht und was nicht geht: viel privater Stress, kein kollegialer Sex.

Sonst noch was? Ach ja: Die 'Ndrangheta hat Rostock erobert, der Ostseehafen ist Knotenpunkt für den Koksverkehr in die skandinavischen Länder. Erst wurde ein Dealer bei einem Polizeieinsatz erschossen, später findet man die Leiche des leitenden Sonderermittlers vom Zoll. König und Bukow ermitteln fortan zwischen Edelitaliener und Trash-Disco. Der Billo-Klub wurde gerade von Bukows Vater Veit (Klaus Manchen) neu eröffnet, auch wenn das Blinkblink-Design so aussieht, als sei der Laden in den Achtzigerjahren aufgemacht worden. Beim Freibierchen am Stahltresen greift Bukow kleine Koksdealer ab, die ihn zu den Großen im Geschäft führen sollen.

Schnauzer in der Visage, Adler auf der Brust

Bald landet der Polizist tatsächlich bei der Kiezgröße Mirco Lewandowski (Gerdy Zint). Ekliger Schnauzer in der Visage, alberner Adler auf der Brust, klingelt's? Genau, der Gangster schoss in der "Polizeiruf"-Folge "Einer trage des anderen Last" aus dem Jahr 2012 Kommissarin König ins Koma, aus dem sie dann wieder aufwachte. Ein Wiedersehen also, dass es möglich macht, alte Rechnungen zu begleichen.

Lakonisch, norddeutsch, aber wenn nötig mit hartem Punch schnurrt hier der Fisch-Cop-Krimi ab. Drehbuchautor Florian Oeller hat zuvor unter anderem die Episode "Fischerkrieg" geschrieben, einen gekonnten Krabbenkutter-Krimi. Regisseur Philipp Leinemann hat mit "Wir waren Könige" einen bestechenden SEK-Thriller gedreht. Für "Im Schatten" kombinieren die beiden nun das knorrige Hafenstadtambiente mit modernsten Thrillermätzchen.

Zwar erreicht das horizontale Serienerzählen hier nicht ganz die Tiefe wie letzte Woche im Dortmunder Rocker-"Tatort", dafür spulen die Filmemacher ihren Mafia-Plot tadellos ab. Schlüssig wird hier der Kampf gegen das organisierte Verbrechen als fast familiäre Angelegenheit dargestellt. Auf der Zollfahnderseite zieht die Pflegetochter des Ermordeten (Elisabeth Baulitz) gegen den deutschen Arm der 'Ndrangheta ins Feld, und Bukow organisiert seine Recherchen am Tresen seines Vaters.

Einmal fragt Bukow den Nachtklubimpresario über die Dealer in dessen Schuppen aus: "Du weißt doch, wer in deinem Laden Koks verkauft?" Sagt der Alte: "Frag lieber, wer nicht." Und fügt resigniert hinzu: "Das Zeug ist überall. Macht impotent und neurotisch." Tatsächlich zeichnet sich dieser Koks-"Polizeiruf", wie eingangs beschrieben, ja durch die vollkommene Abwesenheit glücklich vollzogener Liebesakte aus. Auch eine Art Kompensationsprogramm: kein Sex, reichlich Action.

Bewertung: 8 von 10

"Polizeiruf 110: Im Schatten", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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