Krimi-Vote Wie gefiel Ihnen der »Polizeiruf« aus München?

Mord aus Langeweile: Der »Polizeiruf« mit Verena Altenberger lotete konsequent die Lebenswelt moderner Teenager aus. Oder sind Sie anderer Meinung?
Kommissarin Eyckhoff (Verena Altenberger, l.) mit Opfermutter (Anna Grisebach)

Kommissarin Eyckhoff (Verena Altenberger, l.) mit Opfermutter (Anna Grisebach)

Foto: Hendrik Heiden / Hendrik Heiden / BR

Am Ende gab es dann noch einmal große Dialog-Power: Das schuldige Mädchen (beängstigend gut: Zoë Valks) sprach mit der Kommissarin sarkastisch über die mörderische Langeweile der Pubertät: »Es ist faszinierend, was Leute machen, wenn sie was wollen. Es ist, als ob man einen Hund dressiert.« So feierte das Mädchen seine manipulative, zerstörerische Kraft, mit der sie auch ihrem Halbbruder zugesetzt hatte. Dann fügte sie genervt hinzu: »Wenn jemand alles für dich tut, dann wird das auch irgendwann langweilig.«

Mord aus Überdruss am Leben, das war die bittere Pointe dieses »Polizeirufs«, der konsequent die Lebenswelt moderner Teenager auslotete, ohne sich in staksige soziologische Betrachtungen zu begeben. In diesem Krimi wurden Teenager ernst genommen – auch als moralische Wesen, die bei aller Verstrahltheit zwischen Gut und Böse unterscheiden können müssen. Oder wie es Kommissarin Eyckhoff (Verena Altenberger) am Ende der Vernehmung formulierte: »Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, jemanden umzubringen und dabei gar nichts zu empfinden. Das ist ein Ort, an den ich Ihnen nicht folgen kann. Aber ich weiß, wie es ist, das Leben von einem kaputtzumachen, den man liebt. Tut Ihnen das gar nicht weh, das Leben von dem Patrick kaputtzumachen?«

In unserer Kritik schrieben wir: »Die Klasse dieses Krimis zeigt sich auch daran, wie sich nach der zaghaften Annäherung an die Teenager Handlung und Haltung auf den letzten Metern zuspitzen – und sich die Kommissarin klar positioniert zu der Frage, wer Opfer und wer Täterin oder Täter ist. Sagen wir mal so: Auch der Ausnahmezustand der Adoleszenz legitimiert nicht dazu, ein ausgemachtes Arschloch zu sein.«

Wir gaben 8 von 10 Punkten. Wie gefiel Ihnen der Teenager-»Polizeiruf«?

Ein weiterer »Polizeiruf« mit Verena Altenberger als Kommissarin Eyckhoff ist schon in Planung: Im Herbst soll Fall Nummer sechs mit ihr gedreht werden, die Ausstrahlung ist für das Frühjahr 2023 angedacht. Es wird dann auch wieder Stephan Zinner als Kollege Dennis Eden mit von der Partie sein. Zinner ist in Bayern auch als Kabarettist und Musiker bekannt; seine Figur gibt dem hochmodernen, experimentierfreudigen Münchner »Polizeiruf« um die österreichische Schauspielerin Altenberger eine gewisse bajuwarische Erdung.

Verena Altenberger ist nach dem Teen-Krimidrama in einer weiteren starken Fernsehproduktion mit Jugendbezug vertreten: Ab dem 27. Mai ist die Serie »Wild Republic« in der ARD-Mediathek abzurufen, dort spielt Altenberger eine Pädagogin, die eine Gruppe jugendlicher Delinquenten in die Alpen begleitet. Der toll fotografierte Achtteiler (lesen Sie hier eine Kritik) wurde in einem bislang einmaligen Modell gemeinsam von dem Streaminganbieter Magenta-TV und dem öffentlich-rechtlichen Sender WDR produziert.

cbu