ARD-Sonntagskrimi Der Magdeburg-»Polizeiruf« im Schnellcheck

Hitchcock und Freud lassen grüßen: Dieser »Polizeiruf« mit Claudia Michaelsen führt tief in die traumatischen Erlebnisse eines Totschlägers. Robuster Psychokracher vor der großen Krimi-Sommerpause.
Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch: Von Psycho zu Psycho

Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch: Von Psycho zu Psycho

Foto: MDR/filmpool fiction/Conny Klein

Das Szenario:

Von Psycho zu Psycho. Seit Doreen Brasch (Claudia Michelsen) von einem sadistischen Pärchen in deren Eigenheimkeller gequält wurde, leidet sie unter Flashbacks. Ausgerechnet jetzt soll sie in dem Fall eines jungen Mannes (Eloi Christ) ermitteln, der anscheinend aus heiterem Himmel in einem Zugabteil einen Mitreisenden mit dem Nothammer erschlagen hat. Die Sache scheint klar, die Staatsanwaltschaft will den Fall abschließen. Aber die versehrte Kommissarin erkennt in ihrem Gegenüber die versehrte Seele, die offenbar durch Ereignisse in der frühen Kindheit in die Tat getrieben wurde.

Der Clou:

Hitchcock im Hinterkopf, Freud im Blick: Vieles an diesem »Polizeiruf« erinnert an Alfred Hitchcocks Film »Spellbound«, in dem Ingrid Bergman um den an Amnesie leidenden, mordverdächtigen Gregory Peck kämpfte. In dem berühmten Filmvorbild stand ein fiktives, freudianisch orientiertes Wissenschaftsbuch mit dem Titel »Im Labyrinth des Schuldkomplexes« im Mittelpunkt. Der Titel passt auch gut zu diesem verschlungenen Trauma-Thriller.

»Polizeiruf«-Szene Eloi Christ: Wenn das Erinnern zur Folter wird.

»Polizeiruf«-Szene Eloi Christ: Wenn das Erinnern zur Folter wird.

Foto: MDR/filmpool fiction/Conny Klein

Das Bild:

Der Schrei. Während der Totschläger unter Hypnose gesetzt wird, damit er den Tathergang erinnert, reißt er in seinem unendlichen Schmerz den Mund auf wie die Figur auf Edvard Munchs berühmten Bild. Wenn das Erinnern zur Folter wird.

Der Dialog:

Nachdem Brasch in einem unachtsamen Moment dem lebensmüden jungen Mann die Waffe abgenommen hat, wird sie zum Chef gerufen.

Chef: »Ich weiß nicht, ob Sie das schaffen. Sie sind angeschlagen, Brasch. Das eben war eine riesengroße Scheiße. Das wird was nach sich ziehen, das muss Ihnen doch klar sein. Ich wiederhole mich wirklich seit Monaten, aber Sie wissen: Ich halte große Stücke auf unsere Therapeutin Frau Doktor Bräunlich.«

Brasch: »Ich geh zu niemandem, der Bräunlich heißt.«

Die Musik:

Am Anfang pumpen die Beats wie bei Underworld, später schieben sich metallische Störgeräusche und infernalisches Fiepen in den Soundtrack. Oli Biehler hat einen Noise-Score für den Psychotrip komponiert.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Mitleid mit einem Totschläger? Trotz kleiner Fehler: Dieser robuste Amnesie-Thriller schüttelt Ermittlerin und Publikum vor der großen Krimi-Sommerpause noch mal ordentlich durch.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!

»Polizeiruf 110: Black Box«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

Kommissar-Karussell: Alle »Tatort«-Teams im Überblick

Foto: Martin Rottenkolber / WDR
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