ARD-Sonntagskrimi Der Magdeburg-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Brütende Landschaften, gewaltbereite Bauern: Der Magdeburger "Polizeiruf" ist wie ein bedrohlicher Western inszeniert. Letzter Einsatz von Matthias Matschke als Kommissar Köhler.

Stefan Erha/ MDR

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Das Szenario:

Zwei zerstrittene Sheriffs, ein mörderisches Dorf, keine Leiche: Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) und Kollege Köhler (Matthias Matschke) werden in eine kleine Ortschaft bei Magdeburg gerufen, in der ein Auto mit blutverschmiertem Kofferraum gefunden wird. Das Blut wird als das eines Zugezogenen identifiziert, der für Ehebruch und Zwietracht zwischen den Dorfbewohnern verantwortlich war. Aber wo ist die Leiche?

Der Clou:

Das desaströse Treiben des mutmaßlichen Mordopfers wird in kurzen Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Der ominöse Fremde ist ein Typ, der sich beim zukünftigen Schwiegervater durchschnorrte, der den Bäckermeister in den Ruin trieb und sich an die Ehefrau des Werkstattbesitzers ranmachte. Sehnsüchte, die missbraucht wurden, Hilflosigkeit, die ausgenutzt wurde: Es entsteht ein Gefühlsmosaik, das vor Panoramabildern und Gewaltimpressionen wie aus einem Western in Szene gesetzt wird.

Das Bild:

In der Backschale wird Mehl, Hefe, Wasser und Salz zum Brotteig gemixt. Der Bäcker sagt mit melancholischem Blick in die Schale zur Kommissarin: "Hier soll immer alles bleiben wie es ist." Doch als der Fremde kam, wurde alles anders.

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8  Bilder
"Polizeiruf" mit Claudia Michelsen: Wilder Osten

Der Dialog:

Kommissar: "Ist es üblich, dass Physiotherapeutinnen ihren Patienten nachts um zwölf anrufen?" Physiotherapeutin: "Joar, das kann schon mal passieren." Kommissar: "Ist das eine Kassenleistung?" Der entlarvende Dialog wird geführt, nachdem sich herausgestellt hat, dass die Frau des Werkstattbesitzers offenbar in der angeschlossenen Physiopraxis eine Affäre mit dem Zugezogenen hatte.

Der Song:

"(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)" von den Beastie Boys. Der Party-Crasher-Klassiker läuft im Autoradio, als zwei zwielichtige Gestalten auf der Suche nach dem Fremden in das verpennte Dorf einfallen.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten. Sehnsucht, Neid und Mordfantasien vor brütenden Landschaften und in schlafenden Straßen - doch trotz des stilvollen Western-Settings geht dieser letzte Magdeburger "Polizeiruf" mit Matthias Matschke als Kommissar Köhler nicht ganz auf.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Mörderische Dorfgemeinschaft", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick


insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
bodoochjag 11.08.2019
1. alles ist relativ
Wenn die Spiegel, FAZ oder andere Journalisten meinen , der Film ist nicht so gut, Dürfte er gut sein!
Dramaturgen-Frau 11.08.2019
2. Die üblichen Verdächtigen
Und wieder spielt das sattsam bekannte Darsteller-Standardensemble aller Filme der ARD auch hier wieder mit, da es für die Redakteurinnen der ARD einfach viel zu aufwendig wäre, die kuscheligen und vollklimatisierten Redaktionsbüros mit ihren mehrere Tausend Euro teuren Kaffeemaschinen und dem Bringservice für veganen Salat zu verlassen, um in den Theatern dieser Republik neue Gesichter zu finden.
joernthein 11.08.2019
3. @ 1 und 2
Sommerpause ist vorbei? Und Ihr könnt nicht erwarten, um nichts Anderes zu tun, als euren üblichen Sermon abzulassen. Wenige (?) Kritikpunkte - gleich guter Krimi. Oder- im öffentlichen Rundfunk arbeiten nur bequeme und satte Sesselpfurzer. Ich bin gelangweilt.
MadamimadaM 11.08.2019
4.
"Wußten sie, dass Kühe 3/4 ihres Lebens schwanger sind? Haben sie Kinder?" Ein perfekter Moment dieses Films um auszusteigen. Für diese Art Dramaturgie bin ich vermutlich zu einfach gestrickt.
EUtopia 11.08.2019
5. Sehr gut!
8 von 10. Zynisch, witzig und unterhaltsam mit Spannung. Gut gemacht.
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