Privatsphäre im TV "Es geht nur noch um Tabubruch"

Schwere Medienschelte von der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland: Margot Käßmann beklagt im SPIEGEL-Interview, der Schutz der Privatsphäre sei im TV nichts mehr wert.
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Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat die TV-Sender aufgefordert, "sich ihrer Verantwortung für die Menschenwürde wieder bewusst" zu werden. Mit Blick auf das Medienjahr 2009 sagte sie dem SPIEGEL: "Es geht offenbar nur noch um den programmierten Tabubruch, um nichts anderes." Ihr "tun die Menschen leid, die vor die Kamera gezerrt werden und oft die Folgen gar nicht absehen können. Der Schutz der Privatsphäre scheint nichts mehr wert".

Jugendliche, die in Castingshows gingen und sich dort blamierten, weil sie vielleicht nicht singen könnten, "werden zig Mal vorgeführt; die ganze Nation lacht drüber. Wie sollen solche Kinder am nächsten Tag wieder mit Selbstbewusstsein in die Schule gehen?"

Käßmann kritisierte auch den Print-Journalismus: "Der Umgang mit einer HIV-infizierten Sängerin hat für mich Grenzen überschritten. Mehr kann man einen Menschen nicht bloßstellen."

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