Product-Placement-Vorwurf gegen ZDF Goldakazie mit Geschmäckle

Ein Parfüm spielte in dem Quotenknüller "Familiengeheimnisse" eine zentrale Rolle. Hauptdarstellerin Dennenesch Zoudé wirbt im wirklichen Leben für eine Pflegeserie. Die Logos der Produkte ähneln sich auffällig. "Wir hätten das nicht akzeptiert, wenn wir es gewusst hätten", so das ZDF.

Dennenesch Zoudé im ZDF-Film "Familiengeheimnisse": Falten-, aber auch werbefrei?
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Dennenesch Zoudé im ZDF-Film "Familiengeheimnisse": Falten-, aber auch werbefrei?

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Hamburg - Die Ähnlichkeit springt ins Auge: Eine goldene Akazie vor hellgrauem Hintergrund ziert das neue Parfüm des fiktiven Kosmetik-Familienimperiums, von dem das ZDF-Drama "Familiengeheimnisse" handelt. Im wirklichen Leben gibt es auch eine goldene Akazie auf Hellgrau, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Webmagazin "castmag" am Dienstag berichtete: Sie schmückt das Logo der Pflegelinie "Iwalewa by Dennenesch Zoudé". Und siehe da: Die 44-jährige Schauspielerin, die für das Kosmetikprodukt wirbt, ist die Hauptdarstellerin des opulenten TV-Dramas, das am 9. Januar um 20:15 ausgestrahlt wurde. Und sie ist verheiratet mit Carlo Rola, dem Regisseur des Films.

Schleichwerbung? Reiner Zufall, versichert ihre Agentin in Absprache mit Zoudé und ihrem Ehemann: Die Akazie sei "ein allgemeines afrikanisches Symbol", das Regisseur Rola auch in anderen Filmen verwendet habe. Eine Verbindung zu den Crèmes, für die die aus Äthiopien stammende TV-Darstellerin wirbt, sei "nicht beabsichtigt" gewesen. Dass sich das fiktive und das TV-Kosmetik-Logo zum Verwechseln ähnlich sind, müsse "im allgemeinen Produktionseifer" passiert sein. Das Ehepaar Zoudé-Rola sei mit den Schleichwerbungs-Vorwürfen auf dem Weg in den Urlaub konfrontiert worden und "völlig überrascht".

Beim ZDF war man auch überrascht - allerdings eher über den Vertrag der "Familiengeheimnisse"-Hauptdarstellerin mit der Herstellerfirma "Body Cosmetics International". Man habe nicht gewusst, dass Frau Zoulé für ein solches Produkt werbe, erklärt Pressesprecher Jörg Berendsmeier gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Natürlich ist eine gewisse Ähnlichkeit der Logos gegeben", räumt Berendsmeier ein. "Hätten wir von der Verbindung gewusst, hätten wir dies selbstverständlich nicht akzeptiert. Da es sich aber um kein bekanntes Markenlogo handelt, ist dies im Vorfeld nicht aufgefallen."

Neue Form von Schleichwerbung?

Genau das könnte aber der Kniff für eine neue Form von Schleichwerbung sein: Laut Rundfunkstaatsvertrag ist es den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht erlaubt, Produkte gegen Geld in ihren TV-Produktionen zu platzieren. Was aber, wenn eine Firma eine neue Marke mithilfe einer Schauspielerin am Markt zu platzieren versucht - und zur Unterstützung einen Fernsehfilm nutzt, der eben diese Schauspielerin mit einem ähnlich designten Produkt ins Zentrum stellt? "Ich kann Ihnen dazu leider nichts sagen", erklärt díe Pressesprecherin der Kosmetikfirma Body Cosmetics International gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Immerhin 7,24 Millionen Zuschauer (19,9 Prozent) wollten die Afrika-Schmonzette sehen - am traditionell vom "Tatort" dominierten Sonntagabend eine hervorragende Quote.

Im ZDF-Film spielt Dennenesch Zoudé die kenianische Ärztin Dahna, die am Sterbebett ihrer Mutter erfährt, dass sie die Tochter des Kosmetik-Patriarchen Victor Frey (Hardy Krüger) ist, der seinerzeit ein Verhältnis mit der Mutter gehabt hat. Sie geht mit ihrem leiblichen Vater nach Deutschland - und hat mit den Ressentiments seiner Frau und seiner Kinder zu kämpfen. Nur der Vater selbst unterstützt sie - und ist entschlossen, den neuen Duft des Beauty-Konzerns nach ihrer Mutter zu benennen: "Das Parfüm wird Ayana heißen", verkündet er. "Ayana war die große Liebe meines Lebens." Seine eifersüchtige Ehefrau empört sich: "Dieser Spleen mit den natürlich Inhaltsstoffen, was das alles kostet!"

Auch die Pflegeserie, für die Hauptdarstellerin Zoudé ihren Namen hergibt, setzt auf die "ursprüngliche Kraft der Natur". Auf der Website der Kosmetikfirma behauptet Zoudé, das Rezept für die Crèmes stamme von ihrer äthiopischen Großmutter: "Nach all den Jahren, in denen meine Oma mich nun damit versorgt hat, muss ich sagen: Jetzt verstehe ich, warum die Frauen in meiner Familie überhaupt keine Falten im Gesicht haben!"

Moovie, die Produktionsfirma des ZDF-Films, bestreitet, eine Kooperation mit Body Cosmetics International eingegangen zu sein und will auch von Zoudés Werbevertrag nichts gewusst haben. "Es handelt sich bei der afrikanischen Akazie um ein urtypisches afrikanisches Symbol, das auch schon in vielen anderen Produktionen Verwendung gefunden hat", so Pressesprecherin Wiebke Döhla. Beim ZDF dagegen ist man nicht mehr ganz so sicher, ob die goldene Akazie nicht doch ein Geschmäckle hat: "Wir haben die zuständigen Stellen im Haus mit der Prüfung des Sachverhalts beauftragt."

Zuletzt hatte sich das ZDF im Mai 2010 mit Schleichwerbungs-Vorwürfen auseinanderzusetzen, als im "Fernsehgarten" die Chefin einer Gartencenter-Kette als Expertin auftrat und in der Sendung die Produkte der Firma anpries. Die ZDF-Clearingstelle hatte diese Praxis seinerzeit für unbedenklich erklärt.



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