Finale von "Promi Big Brother" Alles Echte weggedrückt

Janine Pink gewinnt "Promi Big Brother" und tanzt mit ihrer Containerliebe Tobi in den Sonnenuntergang. Ihre Liebe wird sicher ewig währen - solange das Miederhöschen nicht platzt.

Henning Kaiser/ DPA

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Mehr gepresst wurde selten. "Ich glaube, du warst ein fairer Spielpartner", sagt Moderator Jochen Schropp zu Zlatko. Dem auf der "Big Brother"-Ursuppe dahergeschwommenen Pionierbewohner, der dem schlaffen Promi-Ableger in diesem Jahr quasi als Eigenbluttherapie neuen Schwung verleihen sollte, dann aber schnell durch inakzeptable Beleidigungen gegen Mitinsasse Joey auffiel. Er nannte ihn "Fickfehler", "Stricher", fantasierte, ihn im Pool ertränken zu wollen - und erklärte nun, in der Finalsendung, das sei alles nur Ausdruck seiner enttäuschten Gefühle gewesen, er sei halt nun mal so, Schwamm drüber: "Mein Gott, das Spiel ist vorbei, gut is'".

Und man ließ den Mobber und alle anderen im sozialen Umgang fragwürdigen Figuren dieser Staffel damit davonkommen, weil "Promi Big Brother" in diesem Jahr eben eine TV-Format gewordene Shapewear-Hose war, in der offensichtliche Dellen und Verbeulungen einfach weggepresst und glattgedrückt wurden.

Die Quoten waren gut, doch das Geschehen im Container, der dieses Jahr als Zeltplatz ausstaffiert war, über weite Strecken quälend langweilig: Wegen des alten Formatproblems der zerschnittenen Stummel-Erzählungen, in denen Storylines zum beliebigen Krickelkrakel wurden, und wegen der hochalbernen bis beleidigend banalen Spiele - im Finale sah man zu, wie die drei Titelanwärter um die Wette Schlafsäcke zusammenrollten und Gurkengläser öffneten, und schämte sich selten so für sich selbst und die eigene Freitagabendgestaltung.

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"Promi Big Brother": So war das Finale

Dazu der ewige Fokus auf der sogenannten Liebesgeschichte zwischen Tobi und Janine, die schon aus der Ferne so streng künstlich roch wie der Selbstbräuner, mit dem Janine ihrem Tobi in der Finalsendung das weiße Hemd besudelte.

Man kann ja bekanntlich auch ohne Alkohol lustig sein, und das stimmt ja wirklich, trifft aber nicht für "Promi Big Brother" zu: Traurigerweise waren die Szenen, in denen Theresia intensiv beschwipst bei Rammsteins "Engel" mitgrölte und durch die Kulisse stakste wie ein junges Okapi nach dem Genuss vergorener Früchte, tatsächlich mit Abstand die lustigsten der Finalsendung. Ulkiger besoffen waren wahrscheinlich nur die Menschen, die die gewohnt pathosfriemeligen Texte schrieben, mit denen die wagnerianisch dräuende Big-Brother-Düsterstimme das fatal banale Geschehen in Richtung Bedeutsamkeit hieven wollte: "Ihr habt euch selbst auf die Größe normaler Personen reduziert, doch seid ihr dadurch gewachsen", brömmelt sie allen Ernstes zu den Menschen, die sich bei ihrem Einzug erst einmal gegenseitig erklären mussten, wer sie eigentlich sind "Seht nun die Meilensteine eures emotionalen Triumphs", werden die traurigen Zusammenfassungen angeblicher Höhepunkte anmoderiert, und es ist fast nicht auszuhalten, wie dabei niemand lachen muss.

Am Ende wird Theresia Vierte hinter Tobi und Joey, Janine wird zur Siegerin erklärt und gewinnt 100.000 Euro, während sie abwechselnd an einer Stange Wassereis und einer Rolle Kräuterbutter nagt, es ist ein anders würdevoller Moment.

Und einer mit echter menschlicher Tragik, die natürlich ebenfalls weggepresst wurde: Während sie von der Außenwelt abgeschnitten auf dem Big-Brother-Zeltplatz saß, verunglückte ihr guter Freund Ingo Kantorek, ein Schauspielkollege aus der RTLII-Serie "Köln 50667" tödlich - vor einer Woche bei einem Verkehrsunfall. Man hat ihr davon nichts gesagt.

Angeblich will diese Sendung echte Menschen zeigen und negiert doch alles Echte, Schmerzhafte und Schlimme, sobald es sich nicht in dreiminütige Schicksals-Storytimes quetschen lässt, in denen die Kandidaten mal eben schnell von ihren Mobbingerlebnissen und der Heimkindheit erzählen können, bevor sie wieder um die Wette Klappstühle aufstellen müssen. Das Miederhöschen sitzt abschnürend stramm.

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Jor_El 24.08.2019
1.
Trash TV für Trash People auf einem Trash Sender. Jeder wartet auf einen Fick live on Air. Dann lieber echte Pornos gucken. SAT 1, RTL und co habe ich mittlerweile von meiner Fernbedienung gelöscht.
peterbraun 24.08.2019
2. Kultur ?
Was hat dieses Unterschichtenfernsehen im "Kultur"-ressort des SPIEGEL zu suchen ? Man kann ja gerne mal über die Sinnhaftigkeit solcher Formate sprechen. Auch warum sich die Leute sowas ansehen. Aber - muss denn jedes einzelne Voyeurprogrämmchen im Einzelnen besprochen werden ?
alba36 24.08.2019
3. Warum überhaupt berichten?
"Big Brother" war von Anfang an das, was man nachher "Unterschichten- Fernsehen" nannte. Ein selten dämliches Format, in dem man begrenzt intelligenten Menschen beim Ausleben ihrer banalen Instinkte und beim künstlichen Inszenieren hochgepuschter Pseudo- Konflike zuschauen kann. Ich finde das gruselig, konsequenterweise liegt die Gesamtzeit, die ich in all den Jahren vor solchen Formaten verbracht habe, unter 20min. Big Brother zu kritisieren ist überflüssig, es kreiert immer noch mediale Aufmerksamkeit, wo diese absolut nicht angebracht ist.
unixv 24.08.2019
4. WoW!
Einige der Protagonisten waren sogar in der Lage, einen zusammen hängenden Satz zu sprechen! Mal ehrlich, wir wundern uns doch schon lange nicht mehr, das der IQ stetig sinkt und rücksichtslose Egoisten allen auf den Kecks gehen, oder? Ist das noch TV oder schon Mühlhalde? Sollte eigentlich Zwangs-TV für Politiker sein, damit sie sehen, was sie in den letzten 20 Jahren angerichtet haben! Spiegelbild der Bevölkerung?!? Jetzt kann ich Frau Schwesig /SPD verstehen, das sie ihre Kinder lieber auf eine Privat-Schule bringt! ;-) Schönen Tag noch!
spon_4_me 24.08.2019
5. Ich freue
mich sehr über den Sieg der sympathischen und klugen Janine, der ich von Anfang an die Daumen gedrückt habe. Hoffentlich gerät sie mit dem vielen Geld nicht an falsche Freunde. Aber Tobi wird ihr in seiner zugewandten und liebevollen Art sicher in allen Lebenslagen beistehen. Toi toi toi den beiden Turteltäubchen.
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