ProSieben-Serie "Die Borgias" Sex, Lügen und Jeremy

Noch mehr Sex im Vatikan: Die ZDF-Serie über den Laster-Papst Alexander VI. und seine Sippe fuhr hohe Quoten ein, jetzt legt ProSieben mit "Die Borgias" nach. Der Neunteiler verspritzt ein paar Liter weniger Blut und andere Körpersäfte, wartet dafür aber mit Oscar-Preisträger Jeremy Irons auf.

Von Lisa Goldmann


Rote Kardinalsroben, weiße Papstgewänder, Blut und Sex. Hat man das nicht gerade erst gesehen? Ja, man hat. Ende Oktober im ZDF. Dort lief sehr erfolgreich die europäische Produktion "Borgia", eine sechsteilige Serie über den Spanier Rodrigo Borgia, der 1492 Papst Alexander VI. wurde und seine Macht mit allen Mitteln verteidigte.

Ab Mittwoch zeigt ProSieben nun eine andere Verfilmung des Stoffes, den Neunteiler "Die Borgias", der für den als Edelserienschmiede bekannten Kabelsender Showtime produziert wurde. Autor ist Oscar-Preisträger Neil Jordan ("Interview mit einem Vampir"), die Hauptrolle des Lüster-Papstes übernahm Jeremy Irons, ebenfalls Oscar-Preisträger.

Historienstoffe gehen gut, das weiß man beim ZDF genauso wie bei ProSieben. Und die Borgias scheinen wie gemacht fürs Fernsehen: Rodrigo und seine Sippe - er hatte mehrere uneheliche Kinder, zu denen er sich bekannte - gingen ein in die Geschichte als machtbesessen, skrupel- und zügellos.

Keine Angst vor dem ZDF

Dass sich gleich zwei Produktionsfirmen für den Stoff interessierten, ist also verständlich. Aber reicht auch das Interesse der Zuschauer für zwei Serien? Ist das Publikum durch die ZDF-Serie schon Borgia-gesättigt? Oder erst richtig angefixt? Werden ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen?

ProSieben zieht traditionell ein jüngeres und serienaffineres Publikum an als das ZDF. So argumentiert auch der Sender selbst: "Die ZDF-Produktion bereitet uns kein Kopfzerbrechen. Das ZDF hat ein Zielpublikum, das ja nicht weiter von ProSieben entfernt sein könnte", sagt Rüdiger Böss, der beim Privatsender für den Erwerb von Filmen und Serien verantwortlich ist. ProSieben hat dem ZDF sogar freiwillig den Vortritt gelassen. "Es gab ein Telefonat zwischen unserem Programmdirektor Thomas Bellut und ProSieben-Chef Andreas Bartl, und die beiden haben sich auf die Sendetermine geeinigt", sagt der für "Borgia" verantwortliche ZDF-Redakteur Wolfgang Feind.

Ob diese entspannte Haltung berechtigt ist, wird sich zeigen. "Borgia" lief im ZDF recht erfolgreich, durchschnittlich fünf Millionen Zuschauer verfolgten die Serie, bei der für ProSieben besonders relevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte man einen Anteil von zehn Prozent, was für das ZDF beachtlich ist.

Lust und Sünde auf allen Kanälen

Das ZDF sendete nicht nur früher, sein "Borgia" ist auch brutaler, schmutziger und expliziter als der des Privatsenders. Es wird ein verdrecktes, verschwitztes, verkommenes Rom gezeigt und obwohl die pikantesten Szenen aus der ab 20.15 Uhr ausgestrahlten Serie herausgeschnitten wurden, gab es doch so viel Blut, Qual und nackte Körper wie nur selten zuvor im Zweiten.

Das Rom der Renaissance-Zeit, das die ProSieben-Serie "Die Borgias" ab Mittwoch zeigt, ist im Vergleich dazu hübsch und sauber. Frisch gewaschene Menschen sitzen in opulenter Kulisse, jede Einstellung ein Gemälde, Obstschalen auf den Tischen, das Licht fällt seitlich ins Bild.

Mord und nackte Haut gibt es natürlich dennoch zu Genüge. Geschickt verknüpft die Serie religiöse Motive, Sex und Gewalt. Sowohl die Selbtsgeißelung der Papst-Geliebten Giulia Farnese (Lotte Verbeek), als auch das Auspeitschen eines vermeintlichen Verräters durch den Priester und Papst-Sohn Cesare (François Arnaud) werden zum erotischen Akt stilisiert.

Im Gegensatz zu der ausschweifend erzählten ZDF-Serie entledigt sich "Die Borgias" größerer Teile des historischen Backgrounds und fokussiert auf Rodrigo Borgia (Irons), der gleich in der ersten Folge zu Papst Alexander VI. wird. Die Erzählung erhält dadurch mehr Tempo, was durch schnelle, schlagfertige Dialoge bestärkt wird. Die Inszenierungsweise passt zum ProSieben-Publikum, das besonders gerne amerikanische Filme und Fernsehserien sieht. In den USA lief "Die Borgias" so gut, dass bereits eine zweite Staffel bestellt wurde. An der hat ProSieben auch schon Interesse bekundet.


"Die Borgias", mittwochs 20.15 Uhr, ProSieben



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Gungosh 09.11.2011
1. Dufte
Zitat von sysopNoch mehr Sex im Vatikan:*Die ZDF-Serie*über den Laster-Papst Alexander VI. und seine Sippe*fuhr*hohe Quoten ein, jetzt legt*ProSieben*mit "Die Borgias" nach.*Die US-Produktion*verspritzt*ein paar Liter weniger*Blut und andere Körpersäfte, wartet dafür aber mit Oscarpreisträger Jeremy Irons auf. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,795980,00.html
Hey toll! Vielleicht ist das ja ein Anfang neuen Qualitätsfernsehens und es werden von verschiedenen Sendern noch weitere historische Serien produziert, z.B. die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias. Sehr interessanten Stoff bieten sonst auch die Borgias, oder die Borgias. Oder die Borgias.
eu-sklave 09.11.2011
2. Aber bitte mit den Borgias des 21 Jahrhundert!
Zitat von GungoshHey toll! Vielleicht ist das ja ein Anfang neuen Qualitätsfernsehens und es werden von verschiedenen Sendern noch weitere historische Serien produziert, z.B. die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias. Sehr interessanten Stoff bieten sonst auch die Borgias, oder die Borgias. Oder die Borgias.
Aber bitte mit den Borgias des 21 Jahrhundert!
Augustusrex 09.11.2011
3. "Angefixt"
Werte Frau Goldmann, wie wäre es denn, wenn Sie dieses unsägliche "angefixt" weglassen würden?. Das hat Frau von der Leyen schon über Gebühr und genauso sinnentleert strapaziert. Abgesehen davon war das "Ausschweifend erzählte" ZDF Spektakel einer furchtbare Schmiere.
josifi 09.11.2011
4. wenig
Zitat von AugustusrexWerte Frau Goldmann, wie wäre es denn, wenn Sie dieses unsägliche "angefixt" weglassen würden?. Das hat Frau von der Leyen schon über Gebühr und genauso sinnentleert strapaziert. Abgesehen davon war das "Ausschweifend erzählte" ZDF Spektakel einer furchtbare Schmiere.
...aber mit sehr wenigen historischen Schnitzern bzw. künstlerischen Freiheiten.
neutrina 09.11.2011
5. Letztenendes will der Zuschauer doch nicht
Zitat von GungoshHey toll! Vielleicht ist das ja ein Anfang neuen Qualitätsfernsehens und es werden von verschiedenen Sendern noch weitere historische Serien produziert, z.B. die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias, oder die Borgias. Sehr interessanten Stoff bieten sonst auch die Borgias, oder die Borgias. Oder die Borgias.
Letztenendes will die breite Masse der Zuschauer doch nicht "die Borgias" im TV oder auf der Leinwand sehen, sondern "die Orgias". Sex sells! Daher halten manche die TV-Rolle von Andrea Sawatzki als strenge, päpstliche Betreuung auch für nicht adäquat. Besonders nach ihrem Auftritt bei Gottschalk.
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