"Quizduell" in der ARD Gott sei Dank, ein Wackelkontakt

Quizduellant Jörg Pilawa mit Motivations-Shirt: "APP APP hurra"

Quizduellant Jörg Pilawa mit Motivations-Shirt: "APP APP hurra"

Foto: ARD

Das "Quizduell", zuletzt an großen technischen Problemen gescheitert, geht in die zweite Staffel. Jetzt sind es die kleinen Probleme, die Jörg Pilawa glänzen lassen.

Wie nennt man es, wenn eine aufwändige ARD-Sendung im Vorabendprogramm an technischen Problemen scheitert? Katastrophal? Peinlich? Rührend? Typisch?

Die richtige Antwort wäre "katastrophal", klappte in der ersten Staffel von "Quizduell" doch rein gar nichts. Es spielten nicht Kandidaten im Studio gegen "Deutschland" draußen an den Smartphones. Es kämpfteJörg Pilawa gegen die Technik. Live. Anstatt aber diese Katastrophe standhaft zu überspielen und damit sein Soll zu erfüllen, schmunzelte der selbsternannte "Quizonkel" alle Pannen mit Gelassenheit und Geistesgegenwart unter den Teppich.

Erst Pilawas respektable Leistung machte das "Quizduell" überhaupt interessant, er selbst aus der Not eine Tugend. In den folgenden Sendungen lief er mit T-Shirts auf, anspielungsreich bedruckt mit "APPwarten" oder "Das Internet ist für uns alle Neuland". Jetzt, zum Start der zweiten Staffel, sollte es aber erstmals wirklich alles funktionieren. Oder? Unterm Jacket trug Pilawa diesmal ein T-Shirt mit dem semi-lustigen Motto "Wetten, App ..?!", immerhin gedeckt durch eine echte Wette. Zu Hause in seinem Wohnzimmer hockte Oliver Pocher und verwettete per Skype seine Haarfarbe, dass die Technik auch diesmal versagen würde. Allein, es klappte wie am Glasfaserschnürchen.

Leute, die auf Displays starren

So ganz vom Charme der Improvisation lassen mochte man aber doch nicht. In einem kleinen Sketch ließ sich Pilawa über ein rotes Telefon vom App-Entwickler selbst anrufen und machte eine versteinerte Miene: "Und was machen wir jetzt? Okay, Werbung." Und danach klappte noch immer alles, wer hätte das gedacht? Der Rest hätte nun hübsch routiniert ablaufen können. Die Kandidaten rieten, "Deutschland" auch, zuerst 70.000, dann 97.000, am Ende in einer Mannschaftsstärke von 105.000 Mitspielern.

Pilawa, sichtlich entspannt, spielte seinerseits lässig und wie nebenbei die Vorteile des Fernsehens gegen das Internet aus - die Menschen. Der Moderator ging weite Wege, plauderte wahllos mit Studiogästen und fragte die Kandidatin, eine "Miss Germany" von 2009, "ob der Titel noch nachschwingt". Und als jemand im Publikum nieste: "Gesundheit! Noch alles drin? Allergie oder Schnupfen?" Besser hätte er das Studiopublikum auch nicht anpacken können, dessen Anblick verdächtig an eine Fahrt in der morgendlichen U-Bahn erinnerte - Leute, die auf Displays starren.

TV, Twitter, Apps und Skype in reibungsloser Interaktivität

Zwischendurch erkundigte er sich bei Oliver Pocher, ob der denn schon nervös werde. Und als Pocher mäkelte, einige seiner Follower bei Twitter hätten ihm gemeldet, die App funktioniere nicht, verfügte Pilawa unbürokratisch, Pocher solle diese Leute doch jetzt mal direkt antwittern, ob es wirklich nicht gehe oder woran es denn liege: "Soviel Zeit muss sein!" Für ein paar Minuten liefen Fernsehen, Twitter, Apps und Skype in reibunsloser Interaktivität nebeneinander her, als wären es alte Freunde. Bei so viel Eintracht störten eigentlich nur die lästigen Quizfragen.

Und bevor die prinzipielle Frage aufkommen konnte, wie einzelne Kandidaten im Studio sich jemals gegen das vereinte Schwarmwissen einer kleinen Großstadt durchsetzen sollten, passierte dann doch noch etwas: "Alle fünf Sekunden ist mein Monitor schwarz!", stutzte Pilawa und stellte sicher, dass der Kameramann das Flimmern auch wirklich einfing. Weil der Monitor immer wieder ausfiel, las Pilawa die Fragen kurzerhand vom Bildschirm der Kandidatinnen ab. Zuletzt ging er vergnügt hinter seinem Gerät in die Hocke und stellte fest: "Ich glaube, das ist ein Wackelkontakt hier. Der HDMI-Stecker geht immer raus!"

Hoffentlich bleibt das so, denn wir haben es mit unerwartet guter Unterhaltung zu tun. Vorausgesetzt, es ist irgendwo eine Schraube locker.

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