Aufklärung im Fall Schlesinger »Es geht immer noch verdammt langsam voran«

In der Affäre um seine frühere Intendantin Patricia Schlesinger berichtet der RBB überraschend direkt – auch »Abendschau«-Moderatorin Sarah Oswald. Hier spricht sie über die Rolle der Mitarbeiter im Rechercheprozess.
Ein Interview von Isabel Barragán
Moderatorin Oswald: »Mit der gleichen Haltung rangehen wie bei einem Politiker«

Moderatorin Oswald: »Mit der gleichen Haltung rangehen wie bei einem Politiker«

SPIEGEL: Frau Oswald, »das ist heute kein leichter Tag«, damit starteten Sie am Montag als Moderatorin die »Abendschau«, einen Tag nach dem Rücktritt Patricia Schlesingers. Wie lange haben Sie über den Einstieg Ihrer Sendung nachgedacht?

Oswald: Relativ lange. Ich wusste schon morgens Bescheid, dass das Thema ansteht. Damit dann auch noch die Sendung zu beginnen: eine Herausforderung. Während der S-Bahn-Fahrt habe ich also meine ersten Worte überlegt. Da war für mich schnell klar: Ich will das nicht nachrichtlich oder distanziert machen. Sondern zeigen, wie auch uns als RBB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern die Angelegenheit betrifft.

SPIEGEL: Gerade befinden Sie sich in einer Doppelrolle: als Journalistin und Angestellte. Wie schwer ist es, das in der Berichterstattung zu trennen?

Oswald: Ich finde es nicht so schwer. Wir sind als Journalisten dazu angehalten, konfrontativ zu arbeiten. Hier musste das erst recht passieren. Am Montag hatte es schon eine Schalte mit unserem Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus und RBB-Mitarbeitern gegeben. Da habe ich gespürt, wie fassungslos die Kollegen sind. Ich wusste: Die kann ich nicht enttäuschen.

SPIEGEL: Trotzdem, Ihre Berichterstattung richtet sich immerhin gegen Ihren eigenen Arbeitgeber. In einem Gespräch mit Schulte-Kellinghaus in Ihrer Sendung hatten Sie scheinbar kein Problem damit.

Oswald: Zwar erfuhren wir am Montag erst eine Stunde vor der Sendung, dass er kommt. Mir war aber klar, dass ich mit der gleichen Haltung rangehen muss wie bei einem Politiker. Ich wusste außerdem, wenn ich als Journalistin den Programmdirektor kritisch befrage, werde ich meinen Job nicht verlieren. Ich hatte deshalb keine Angst.

»Wir können unseren Ruf nur wieder herstellen, indem wir sauber berichten und offenlegen, was da noch in den Schubladen liegt.«

SPIEGEL: Wie gestalten sich Ihre Recherchen? Von manchen Entwicklungen im RBB haben Sie selbst erst aus den Medien erfahren, so auch vom Rücktritt Schlesingers.

Oswald: Um die Recherchen kümmern sich vor allem die Autoren und Autorinnen. Aber ich spüre schon, wie schwer das ist. Auch im Gespräch am Montag kam ja kaum etwas heraus. Und in der Schalte mit Kellinghaus haben alle in ein fragendes Gesicht geschaut. Da hieß es nur: Das weiß ich nicht, das kann ich Ihnen nicht sagen. Ja, es bewegt sich etwas: Es gibt nun ein Rechercheteam, das sich um Aufklärung kümmert. Am Dienstag lagen wir mit der Berichterstattung auch einmal vorne. Da berichteten wir als Erste, dass Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf zurückgetreten ist. Aber insgesamt geht es immer noch verdammt langsam voran. Und es ist einfach sehr ärgerlich, wenn man bei Kollegen in anderen Medien zu lesen bekommt, was im eigenen Haus passiert.

SPIEGEL: Der Ruf der Öffentlich-Rechtlichen ist durch den Vorfall bereits stark angeschlagen. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier  sagte im Interview mit den ARD-Tagesthemen: Der Schaden für die ARD ist immens. Was erhoffen Sie sich von einer selbstkritischen Berichterstattung jetzt noch?

Oswald: Wir können unseren Ruf nur wieder herstellen, indem wir sauber berichten und offenlegen, was da noch in den Schubladen liegt. Damit die Menschen sehen, dass wir auch mit unserem eigenen Arbeitgeber so umgehen, wie wir es auch mit der Politik tun.

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SPIEGEL: Mit welchem Effekt, welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Oswald: Nach meiner Sendung am Montag habe ich viel Unterstützung bekommen aus dem eigenen Haus, Kollegen haben sich bedankt. Dazu gab es viele positive Reaktionen aus der Branche auf Social Media. Sogar auf der Straße wird man angesprochen von Zuschauern, die einem sagen: Was da läuft, hat nichts mit euch Journalisten zu tun, sondern mit der Chefetage. Die Leute wissen das also zu trennen.

SPIEGEL: Was würden Sie sich für die weiteren Recherchen wünschen?

Oswald: Dass uns schonungslos alles zu den Vorwürfen berichtet wird. Dass Kollegen sämtliche relevanten Dokumente wie Verträge und Rechnungen einsehen können. Mit allen Konsequenzen: Das bedeutet, dass wahrscheinlich weitere Personen gehen müssen.

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