Reality-TV Kamerateam soll zu Schlägerei angestiftet haben

Mitarbeiter der ProSieben-Doku-Soap "Der Club der bösen Mädchen" sollen zwei Jugendliche dazu ermutigt haben, eine Gleichaltrige zu attackieren. Zuvor hätten sie die damals 16- und 18-Jährigen mit Alkohol versorgt, so der Vorwurf. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt.


Köln/Hamburg - Klaus Visser, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Aurich, bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass gegen vier Mitglieder der Produktionsfirma "Good Times" wegen des Verdachts der Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung ermittelt wird. Sie sollen bei Dreharbeiten der ProSieben-Doku-Soap "Der Club der bösen Mädchen" zwei Jugendliche zum Prügeln ermutigt und ihnen Alkohol gegeben haben.

Das sagten die beiden Mädchen während einer Verhandlung im Kölner Amtsgericht, wo sie sich für gefährliche Körperverletzung verantworten mussten. Beide hatten gestanden, bei den Aufnahmen für die Fernsehsendung das Mädchen angegriffen und verletzt zu haben.

"Laut Aussage der Mädchen wurden sie dazu aufgefordert, sich auffällig zu verhalten. Nach dem Vorfall sagte einer der Filmleute, dass sie heute tolles Material geliefert hätten", teilte Volker Siebert vom Amtsgericht Köln SPIEGEL ONLINE mit. "Die Initiative ging aber von den beiden Jugendlichen aus, nachdem das angegriffene Mädchen das Aussehen einer der beiden Angeklagten kritisiert hatte", sagte er weiterhin.

Produktionsfirma weist Vorwürfe zurück

Die Geschäftsführerin von Good Times, Silvia Fahrenkrog-Petersen, wies alle Vorwürfe zurück: "Ich verbürge mich dafür, dass keiner meiner Mitarbeiter so etwas tun würde." Sie habe selbst vier Kinder, und wenn einer ihrer Mitarbeiter Jugendliche zur Gewalt anstiften oder ihnen Alkohol geben würde, würde sie ihn sofort entlassen. Es gebe aber auch gar kein Interesse an solchen Szenen, weil sie im Nachmittagsprogramm gar nicht gezeigt werden dürften. "Wir machen Reality-TV mit authentischem Hintergrund", betonte Fahrenkrog-Petersen gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Zudem sei das Rohmaterial der Aufnahmen in Anwesenheit eines Staatsanwaltes gesichtet worden. Hinweise auf eine Einwirkung durch ihre Mitarbeiter ließe sich nicht erkennen, so die Geschäftsführerin. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Aurich konnte dies allerdings nicht bestätigen.

Den Mädchen sollte eigentlich geholfen werden

Die beiden Mädchen sollten in der Doku-Soap eigentlich ihr Leben in den Griff bekommen - unter anderem mit Hilfe eines Anti-Aggressionstrainers. Nun wurde die Ältere zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, die Jüngere verwarnt und mit der Ableistung von 40 Sozialstunden bestraft.

Ob ein Prozess gegen die Mitarbeiter von "Good Times" eingeleitet wird, steht noch offen.

rox/dpa



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