Nach Rauswurf 2018 Roman Polanski klagt gegen Oscar-Academy

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ist die mächtigste Filmorganisation der Welt, sie vergibt die Oscars. Sie schloss im vergangenen Jahr Regisseur Roman Polanski aus - der wehrt sich.

Roman Polanski (Archivbild)
Beata Zawrzel/ NurPhoto/ Getty Images

Roman Polanski (Archivbild)

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Am Freitag legten die Anwälte von Roman Polanski vor einem Gericht in Los Angeles Klage ein.

Der 85-jährige Regisseur und Oscarpreisträger möchte bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences wieder als vollberechtigtes Mitglied aufgenommen werden. Im Mai 2018 war Polanski wegen sexuellen Fehlverhaltens ausgeschlossen worden, zur gleichen Zeit wie Bill Cosby. Harvey Weinstein war schon vorher aus der Academy rausgeflogen.

In einer fünfseitigen Erklärung gaben Polanskis Anwälte zur Begründung an, die Acadamy hätte gegen ihre eigenen Regeln und Prinzipien verstoßen, da sie den Filmemacher im vergangenen Mai ohne Ankündigung und Vorlaufzeit rausgeworfen hätte. Polanski sei überrumpelt worden, er habe von dem Rausschmiss aus den Medien erfahren und hätte sich nicht verteidigen können. Schon voriges Jahr hatte sich Polanski bei der Academy beschwert.

Die nun erneut angegriffene, ehrenamtliche Vereinigung, die für die Vergabe der Oscars verantwortlich ist, bekräftigte noch einmal ihre Entscheidung: Sie sei "fair und nachvollziehbar" getroffen worden.

40 Jahre auf der Flucht vor US-Gerichten

In den USA läuft seit 40 Jahren ein Verfahren gegen Polanski. Ihm wird sexueller Missbrauch einer 13-Jährigen vorgeworfen. Polanski hatte damals unerlaubten Sex mit der Minderjährigen zugegeben, sich kurz vor der Verkündung des Strafmaßes aber ins Ausland abgesetzt. Polanski lebt seitdem überwiegend in Frankreich und vermeidet es, Länder zu besuchen, die ein Auslieferungsabkommen mit den USA haben.

Der Regisseur wurde 2009 bei der Einreise in die Schweiz festgenommen und verbrachte acht Monate unter Hausarrest. 2010 lehnte die Schweiz ein Auslieferungsgesuch der USA ab.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs gegen Polanski. Die Anschuldigungen beziehen sich auf angebliche Taten in den Siebzigerjahren.

Nach dem Rauswurf Weinsteins und den Debatten über die #MeToo-Bewegung hatte die Academy die Verhaltensstandards für ihre Mitglieder revidiert. Keinen Platz habe demnach in der Institution, wer "seinen Status, seine Macht oder seinen Einfluss einsetze, die die Regeln des Anstands" verletzten.

Polanski verbindet mit der Academy eine lange Geschichte: Seit fast 50 Jahren ist er Mitglied, seine Filme erhielten insgesamt 28 Oscarnominierungen. 2003 wurde er für sein Holocaust-Drama "Der Pianist" als bester Regisseur ausgezeichnet.

cbu/AP



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