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Wiener "Tatort": Alkis, Luden, Bullen

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Rotlicht-"Tatort" aus Wien Bibi, lass das Ballern!

Ärger mit den Leberwerten, Petting mit dem Zuhälterfreund: Kriminalassistentin Bibi Fellner bringt einen wunderbar tragikomischen Drive in den Wiener "Tatort". Christian Buß hofft, dass man bei allem Witz auch künftig nicht in den Klamauk der Münsteraner Kollegen verfällt.

In manchen Branchen tut man sich immer noch schwer mit der Akzeptanz homosexueller Männer. Ganz schlimm ist es im Zuhältergewerbe: Versuchen sie mal als Schwuler einen kleinen Puff am Wiener Prater mit vier, fünf Mädchen am Laufen zu halten, da machen Ihnen die anderen Strizzis aber ganz schnell den Laden platt.

Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz), der sich privat eher zu Männern hingezogen fühlt, beruflich aber die Hetero-Keule gibt, hat deshalb vorgebeugt. Mit Bibi Fellner (Adele Nauhauser) hält er sich eine Alibi-Freundin, die ihm gleich in zweierlei Hinsicht Respekt bei den Kollegen verschafft: zum einen als ansehnliche und trinkfeste Lady, zum anderen als Kriminalermittlerin. Wer legt sich als Lude schon mit jemandem an, dessen Freundin bei der Polizei ist?

Für Fellner selbst hält die Beziehung mit dem Zuhälter berufsbedingt einige Komplikationen bereit: Schwierig, wenn man mit dem Rotlichtfreund ein Autohaus besucht, das der offensichtlich nur betritt, um es für einen Bruch auszuspionieren. Peinlich, wenn einen der griesgrämige Chef (Harald Krassnitzer) zum nächsten Einsatz aus dem Bordell des Freundes rausholen muss, wo man gerade mit einer zwielichten Schar von Leuten feiert.

Auf die Frage des Vorgesetzten, was da mit dem Luden laufe, erwidert Bibi Fellner nur: Außer einmaligem Petting sei nie etwas gewesen. Und dieses Petting sei auch schon sehr halbherzig vollzogen worden. Weil Inkasso-Heinzi in Wirklichkeit ja eben schwul sei.

Ermittler auf Entzug

Keine Frage, dem Wiener "Tatort" hätte nichts Besseres passieren können als der Neuzugang Adele Neuhauser in der Rolle der Bibi Fellner. Alkoholkrank, zur Hilfspolizistin degradiert und mit schwierigen sozialen Kontakten ausgestattet, ist Fellner nicht gerade das Paradebeispiel einer vorbildlichen Ermittlerin. Aber wahrscheinlich konnte nur ein Charakter wie sie den von Krassnitzer gespielten Inspektor Eisner aus der ehrwürdigen Starre herausreißen, in die er in über zehn Jahren Einsatz geraten ist. Düster wie die kleinen Schwarzen, die er ein wenig zu oft und zu feierlich während seiner Einsätze trank, blickte er in die Welt, die ihm eh nur eine einzige Zumutung war.

An Kaffeepausen ist seit Bibis Erscheinen nicht mehr zu denken, jetzt ist immer was los im österreichischen "Tatort". Seit sie in der letzten Folge aufgetaucht ist, hat der Krimi ein anderes Tempo und eine andere Tonlage, einen neuen, tragikomischen Drive, durch den sich schwarzer Humor und ernsthafte Milieubesichtigung durchaus zusammenbringen lassen. Eine schwierige Aufgabe für die Zukunft wird es sein, den Wiener "Tatort" nicht in den Klamauk kippen zu lassen, so wie es beim Pendant aus Münster geschehen ist. Pointen können den Plot auch killen.

In der aktuellen Folge "Ausgelöscht" (Regie: Harald Sicheritz, Buch: Uli Brée) wird die Handlung um Machenschaften der bulgarischen Mafia bei allem düsteren Witz geschickt am Laufen gehalten. Sicher, tiefe Einblicke in das organisierte Verbrechen Osteuropas und seine Verknüpfungen nach Österreich werden nicht geboten; im Lauf der Geschichte werden aber geschickt einige doppelte Böden geöffnet. Die beiden Polizisten, so viel sei verraten, stehen am Ende nicht wirklich grandios da.

Eventuell waren Alkoholikerin Fellner und Pummelchen Eisner doch zu sehr mit persönlichen Anforderungen beschäftigt. Sie zum Beispiel damit, das Saufen nicht wieder anzufangen. Er damit, endlich mit dem Fressen aufzuhören. Im Auto findet Fellner die Diagnose vom gerade 50 gewordenen Kollegen: "Dreifach erhöhte Leberwerte, wow! Ist das dein Befund oder meiner?"

Ermittler auf Entzug: ein guter Dreh, dem Krimi einen schönen, nervösen Vibe zu geben. Wer braucht da noch die vielen kleinen Schwarzen.


"Tatort: Ausgelöscht": Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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