Weitreichende Medienkooperation RTL und Gruner + Jahr rücken näher zusammen

Für einzelne Formate kooperieren die Mediengruppe RTL und der Zeitschriftenverlag G + J bereits. Nun sollen die beiden Häuser noch enger miteinander verzahnt werden.
RTL und Gruner + Jahr: »Champions« schaffen

RTL und Gruner + Jahr: »Champions« schaffen

Foto: Georg Wendt / picture alliance / dpa

Schon länger arbeiteten RTL Deutschland und Gruner+Jahr projektbezogen eng zusammen: Die G + J-Illustrierte »Stern« und die Nachrichtenmagazine der Mediengruppe RTL kooperieren auf Nachrichtenebene, »Gala« und »RTL Exclusiv« sind ebenfalls verbandelt. Nun wollen der Hamburger Zeitschriftenverlag und der in Köln ansässige Senderverbund die Zusammenarbeit verstärken und eine gemeinsame Wachstumsstrategie entwickeln.

In einer Mitteilung, die im Intranet beider Häuser veröffentlicht wurde und die dem SPIEGEL vorliegt, heißt es, dass die Unternehmen Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern ihres jeweiligen Topmanagements aufgesetzt hätten. Diese sollten demnach »ergebnisoffen« verschiedene Optionen prüfen.

Im Printsegment bröckeln die Auflagen

Beide Medienunternehmen gehören zu Bertelsmann. Mit dem Schritt forciert der Mutterkonzern die Strategie starker Bündnisse innerhalb des Hauses. Hintergrund: Der Markt in beiden Medienbereichen ist komplizierter geworden: Im Fernsehbereich sorgen Streamingplattformen wie Netflix und Amazon Prime Video für massive Konkurrenz, im Printsegment bröckeln die Auflagen zum Teil drastisch.

Zuletzt sorgte G+J in Medienkreisen mit der Mitteilung für Aufregung, für den »Stern« und die Wirtschaftszeitschrift »Capital« eine gemeinsame Redaktion für die Bereiche Wirtschaft und Politik in Berlin einzurichten. Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurden auch Entlassungen angekündigt.

Unlängst sagte Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seiner Vertragsverlängerung, Ziele für die nächsten fünf Jahre seien weiteres Wachstum und Technologisierung. Bei den nationalen Mediengeschäften in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden wolle man »Champions« schaffen.

»Bertelsmann muss eigene Antworten finden auf den Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen. Allein und auf sich gestellt werden unsere Geschäfte in diesem Wettbewerb langfristig kaum bestehen.«

Thomas Rabe, Bertelsmann-Konzernchef

In den Intranet-Auftritten wurde Rabe mit folgender Aufgabenstellung zitiert: »Bertelsmann muss eigene Antworten finden auf den Wettbewerb mit den globalen Techplattformen. Allein und auf sich gestellt, werden unsere Geschäfte in diesem Wettbewerb langfristig kaum bestehen. Unsere Antwort heißt daher: mehr Zusammenarbeit, um an Größe, Ressourcen und Kompetenz zu gewinnen.«

In einem Artikel des Branchenmagazins »Horizont«  hieß es zuvor, dass die Unternehmensberatung McKinsey im März damit beginnen soll, den Unternehmenswert von G+J zu ermitteln. Es wäre die Voraussetzung, um den Aktionären von RTL ein Kaufangebot für den Zeitschriftenverlag zu unterbreiten.

Auf Anfrage des SPIEGEL wollte eine G+J-Sprecherin das Engagement von McKinsey nicht bestätigen. Stattdessen wies sie darauf hin, dass die neuen Kooperationsgespräche beider Häuser für die gemeinsame Wachstumsstrategie erst ganz am Anfang stünden.

Transparenzhinweis: G+J ist mit 25,25 Prozent am SPIEGEL-Verlag beteiligt.

cbu
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