Katzenberger-Show "Mit Lucas im Familienglück" Wenn selbst das Bustier kapituliert

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"Kennst du das, wenn du was siehst, und kannst es gar nicht glauben und denkst, gleich wachst du auf aus einem Traum?" Yo, dieses Phänomen kennt man als Trash-TV-Gourmand zur Genüge. Auch dank Daniela Katzenberger.

Daniela "Katze" Katzenberger, die schwerwimperige Reality-Extension auf Beinen, meint damit allerdings nicht ihre neueste Sendung "Mit Lucas im Babyglück", sondern beschreibt damit den Moment, in dem sie ihren positiven Schwangerschaftstest in Augenschein nahm. Ein intimer Moment, über den man nicht bei RTL 2 plappern sollte? Ach, iwo. "Jedes Paar braucht ja eigentlich seine Privatsphäre", sagt Daniela Katzenberger fast sinnierend. "Wir nicht." Babyvater Lucas Cordalis grient zustimmend.

Und so reihen sie also ihre Schwangerschaft ein in die Lach- und Sachgeschichten aus der sonderbaren Zwischenwelt der Irgendwie-Berühmten und Eigentlich-Bekannten, in der die Kamera bei der Ultraschall-Untersuchung fast so nah über den Kugelbauch flutscht wie der Schallkopf des Gynäkologen. Gleich sollen die werdenden Eltern erfahren, welches Geschlecht ihr Baby hat, und da hält dann selbst das alte Reality-Schlachtross Katzenberger kurz mal inne und lässt hinter die Klimbim-Fassade lugen.

Wenn mit dem Kind "was wäre", nicht alles fernsehrosagerecht in Ordnung, wie würde sie reagieren? "Man ist dann so bloß", sagt sie und lächelt unsicher, und man findet sie in diesem Mini-Moment richtig sympathisch, und dann rollen ihre Tränen vor Freude, weil das Baby ein Mädchen ist.

Schnell werden diese Rührungspartikel wieder überplappert. "Sieht man schon die kleine Vulva?", kräht die werdende Mutter dem Arzt entgegen. "So könnte man das formulieren", holt der den professionellen Abstandhalter raus, und dann schwadroniert die Katzenberger über Brustwarzenjucken, Blähungen und ihren eigenen Geschlechtsfeststellungsultraschall, als ihrer Mutter ausgiebig die Geschlechtsteile ihres Fötus präsentiert wurden - noch heute werde sie darum von ihrer Mutter "Vulffl" genannt, so die überinformative Katze, die an der nahenden Geburt nicht die Schmerzen schrecken: "Am meisten Angst habe ich vor den Geräuschen und Gerüchen."

"Ich möchte Eichhörnchen und Vögel als Freunde"

Als semi-empathischer Zuschauer fürchtet man eher den Psychostress, dem Mutter und Kind durch die Alpha-Großeltern ausgesetzt sein werden: Katzenberger-Mutter Iris, bereits im Dschungelcamp eher als Bulldozer-Gemüt aufgefallen, will die beiden übergluckig in ihrer Nähe halten, während Lucas' Vater Costa Cordalis schon mal einen Architekten beauftragt hat, um die Familienfinca auf Mallorca um einen Anbau für die Katzenkleinfamilie zu ergänzen.

Oder doch in die alte Cordalis-Villa im Schwarzwald ziehen? Eigentlich, sagt die werdende Mutter mehrfach leise, wäre sie am Anfang gern erst einmal ganz alleine mit ihrem Kind und ihrem Mann, doch von allen Seiten zerrt man an ihr wie sie selbst an ihren notorisch auf Halbmast hängenden Bustier-Oberteilen, die unter der schwellenden Mutterbrust zu kapitulieren drohen. "Ich möchte Eichhörnchen und Vögel als Freunde und im ersten halben Jahr meine Ruhe", fantasiert die Katze und übt dann doch lieber wieder im Rollenspiel mit Lucas, mit welchen Worten sie ihrer Mutter am besten beibringen könnte, dass sie nicht im Kreißsaal mit dabei sein soll. Die tatsächliche Aussprache findet dann in einem Ludwigshafener Straßencafé statt, das offenbar mitten auf einer Verkehrsinsel errichtet wurde.

Zum Abschluss noch ein Pro-Tipp für Menschen, die aufgrund misslicher Umstände gezwungen sind, weitere Folgen von "Daniela Katzenberger - Mit Lucas im Babyglück" (mit-)anzuschauen, obwohl sie sich kein Stück für die Pinkprotagonistin oder den Cordalis-Clan interessieren: Man kann sich ganz gut über Wasser halten, indem man sein Hauptaugenmerk auf innenarchitektonische Details lenkt. Wie weiland bei den "Sexy Clips" des DSF, wo ja auch die sonderbare Wohnungseinrichtung hinter den Busenübungen das eigentlich Interessante war.

Im aktuellen Fall bietet die Ludwigshafener Katzen-Wohnung viel Schönes: Sie beherbergt trotz Winzgröße neun Kleiderschränke und gleicht so einem fortgeschrittenen Tetris-Level - selbst auf eine Klotür wurde verzichtet, um noch ein Klamottenregal mehr in die Bude zu quetschen, und statt herkömmlicher Küche gibt es ein Taschenlager. Bestaunenswert auch eine Art römisches Wandgemälde, das bei Mutter Iris zu sehen ist, und: die original Eighties-Braunfliesen in der Schwarzwälder Cordalis-Familienresidenz.

Zur Autorin
  • Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Seit April 2015 ist sie Autorin für SPIEGEL ONLINE.



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21 Leserkommentare
jaykay2003 09.09.2015
sam242 09.09.2015
j.m.c 09.09.2015
bildammontag 09.09.2015
humble_opinion 09.09.2015
leser66in 09.09.2015
ge1234 09.09.2015
14republic 09.09.2015
andolo 09.09.2015
Christkind1980 09.09.2015
genugistgenug 09.09.2015
cor 09.09.2015
Franke aus Hamburg 09.09.2015
Milkshake 09.09.2015
bollrock 09.09.2015
Franke aus Hamburg 09.09.2015
argumentumabsurdum 09.09.2015
rennflosse 09.09.2015
jakopp.auckstayn 09.09.2015
genie_der_genies 09.09.2015
stuff 09.09.2015

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