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27. September 2011, 16:35 Uhr

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle

Die deutsche Frau, eine Planschkuh

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Wann immer man das Programm von ARD oder ZDF ansehen will - schließlich bezahlt man ja dafür! - scheinen Christine Neubauer oder Veronica Ferres über den Schirm zu wandeln. Ist das Paranoia? Oder gibt es in der ARD und im ZDF nur noch Filme mit diesen Damen?

Nico Hofmann, Filmproduzent von TV-Mehrteilern, die Titel tragen ähnlich wie "Der Förster, der Wald, der Greif, der Hund", wurde zu seiner Arbeit befragt. Er lese die "Bunte", um Frauen zu verstehen, sagte der erfreulich bescheiden gebliebene Herr, der sich vielleicht später vor einem hohen Gericht für seine Arbeit rechtfertigen muss. "Der Erfolg gab mir recht", könnte Hofmann dann zu seiner Verteidigung sagen.

Ein Satz wie eine Handgranate. Und dann, wird er hastig anfügen, "habe ich ja doch gelernt, was Frauen denken, dank 'Bunte' eben, wissen Sie?" Die "Bunte" ist, das ist zu schließen aus der Häufigkeit der Homestorys mit Herrn Stoiber und seiner Muschi, beide im Dirndl, oder mit Menschen, die so aussehen wie die beiden, eine Illustrierte mit CSU-naher Leserschaft.

Anhand von "Bunte"-Lektüre die Frauen zu verstehen, meint also, man könne auch die "Sudetendeutsche Zeitung" lesen, um alle Männer zu verstehen und im Anschluss mehr Gonzo-Filme anzufertigen (aber die würden wohl nicht in den von imaginären Fernsehzuschauern bezahlten öffentlichen Sendeanstalten gezeigt).

Ich schweife ab, das versteht doch wieder keiner und dann regen sich alle auf.

Da brennt die Heide, die Furche knirscht, der Hund ist tot

Also, wir wollten vom öffentlichen Fernsehen reden, und den wunderbaren Filmen, die den Bildungsauftrag erfüllen, denn sie lehren uns Zuschauer, dass der Deutsche ein Pfundskerl ist, die deutsche Frau eingeschlossen, und jetzt schließt sich der Kreis zu Frau Christine Neubauer oder Frau Veronica Ferres, oder Frauen, die so aussehen wie sie, die also eher als Frauendarstellerinnen denn durch filigrane Schauspielkunst überzeugend ihre großflächigen Gesichter vor eine untergehende Landschaft halten.

Da brennt die Heide, die Furche knirscht, der Hund ist tot - und all die ehrbaren Frauen trotzen mit Trümmertüchern im Haar lauter widrigen Umständen, erklären Afrika und dem Zuschauer die Luftbrücke, buddeln sich durch Tunnel aus der DDR und haben Vorbildwirkung.

Die deutsche Frau, eine klugscheißerische Planschkuh.

Warum die Figuren in diesen Filmen so seltsam analog sind, so holzschnittartig und absolut abstoßend, hängt vielleicht mit dem Frauenbild von Produzenten und Redakteuren zusammen oder schlicht mit dem Zuschauer, dem nach der schwungvollen Mischung von Volksmusik und Monumentalschinken nach diesen Frauen verlangt, der danach giert, Frau Neubauer und Frau Ferres zu sehen, die sind wie er, und gerne zahlt er dafür.

Ermittelt werden die - also IHRE! - Bedürfnisse vom Rundfunkrat, der - Vorsicht, Ironie! - aus einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung besteht: jugendliche Kiffer, alleinerziehende Frauen und Männer, Homosexuelle, geldlose Künstler, Behinderte, Konfessionslose, Dönerbudenbesitzer, Fahrradkuriere. Und so entsteht dieser bunte Blumenstrauß des Fernsehprogramms, das wir alle mit unserer Spende gerne ermöglichen, denn es klärt uns auf, informiert uns bestens, unterhält uns auf hohem Niveau.

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