"Maischberger" mit Gabriel und Koch Gelutschte Drops

Sandra Maischberger wollte mit Roland Koch und Sigmar Gabriel eigentlich besprechen, wohin Deutschland steuert. Das Vorhaben scheiterte grandios - die Sendung geriet zur Rückschau.

Sigmar Gabriel (l.) und Roland Koch schwelgten bei Sandra Maischberger in Erinnerungen
WDR/Max Kohr

Sigmar Gabriel (l.) und Roland Koch schwelgten bei Sandra Maischberger in Erinnerungen

Von Klaus Raab


"Wohin steuert Deutschland" - also dieses Land, das "möglicherweise vor größeren Umbrüchen" steht? Tja. Es war eine der etwas größeren Fragen, die die "Maischberger"-Redaktion stellte. Ein Titel, der den Inhalt ein wenig besser zusammengefasst hätte, wäre: "Versuch eines Doppelporträts zweier derzeit passiver Politiker, die beide einmal Bundeskanzler werden wollten, es aber nicht geworden sind, und die sich nun unter anderem zu einigen Fragen des aktuellen Geschehens äußern, wenn auch nicht wirklich mit Gedanken, die vor ihnen noch nie jemand geäußert hat."

Sigmar Gabriel, SPD, und Roland Koch, CDU, waren zu Gast bei Sandra Maischberger, "zwei der profiliertesten Köpfe", wie sie sagte. Zwei, "die das offene Wort nicht scheuen".

Allerdings auch zwei eher milde gestimmte Außerdienstler. Gabriel, der ehemalige Außenminister und SPD-Vorsitzende, wollte, als es um den Zustand der SPD ging, nicht einmal in die eingespielten Lästereien Gerhard Schröders über die Parteivorsitzende Andrea Nahles einstimmen. Es gelte für seine Partei, den "Zugang zu denen" wieder zu finden, "die jetzt ein Repräsentationsdefizit haben", sagte Gabriel. "Die Reduktion des Problems auf Personen" aber, die sei "leider zu einfach". Etwas anderes zu sagen wäre freilich wohl auch nur mittelschlau gewesen; er war ja selber für längere Zeit eine solche vorsitzende Person.

Die Aussage, dass die SPD ein Personalproblem habe, stand trotzdem - vor allem dank der "Maischberger"-Redaktion: Nahles wurde im einen Filmbeitrag von ausgewiesenen Gegnern kritisiert. In einem anderen Beitrag wurde Gabriel von einem Journalisten belobhudelt und seine Rückkehr in die Spitzenpolitik gefordert, aus der er verschwunden sei, weil "Nahles mit ihm nicht kann". Gabriel lächelte und deutete das ungläubige Kopfschütteln eines geschmeichelten Jubilars an, der sich über den Geburtstagsbesuch des Ortsbürgermeisters freut. Die Fantasie, dass er zurückkehre, halte er "ehrlich gesagt für albern", sagte er.

Als Roland Koch dran war, der ehemalige hessische Ministerpräsident, kamen - zur Erinnerung noch einmal kurz die Sendungsfrage: "Wohin steuert Deutschland?" - der Anden-Pakt und die CDU-Spendenaffäre auf den Tisch. Und auch das berühmte Frühstück von Angela Merkel und Edmund Stoiber in Wolfratshausen wurde aufgewärmt, bei dem Stoiber sich die Kanzlerkandidatur 2002, Merkel aber den Fraktionsvorsitz der Union sicherte - wodurch Koch quasi der Chance verlustig ging, selbst einmal Kanzler zu werden. "Haben Sie Angela Merkel unterschätzt?", fragte Maischberger. Und Koch: "Das würde ich historisch sagen und jemanden suchen wollen, der das nicht getan hat."

Zu großen Teilen, das muss man also sagen, handelte dieser Talk von gelutschten Drops.

Das aktuellste Thema, das aber nun bereits in der dritten ARD-Talkshow binnen vier Tagen zur Sprache kam, war die Sozialismusdebatte, die Juso-Chef Kevin Kühnert angestoßen hatte. Gabriel, der ihm deshalb die "Methode Trump" unterstellt hatte, sagte nun, dass es neben nationalen auch "linke Mythen" gebe. "Menschen erleben staatliches Versagen auf der einen Seite, und auf der anderen: Geld regiert die Welt." In dieser Lage müsse man sich aber "ein bisschen mehr Mühe geben", statt die "Leute auf die einfachen Pfade" zu locken.

Koch nahm einen anderen Zugang. Man müsse über "Korrekturen" an den Rändern der sozialen Marktwirtschaft, jedoch "nicht übers Prinzip sprechen". Unter dem Strich, sagte er, sei es aber "nicht falsch, dass man sich auf die Grundauseinandersetzungen wieder ein Stück weit besinnt". Polarisierung zwischen Union und SPD sei gut.

Womit die Diskussion dann auch bei der Titelfrage angekommen war, wohin Deutschland steuere. Vielleicht Richtung Neuwahlen? Kurzes Gezicke, ob es in Ordnung sei, dass die SPD Annegret Kramp-Karrenbauer nicht zur Kanzlerin wählen wolle, oder "ein verdammt starkes Stück", wie Koch fand. Schlussprognose: Denkbar ist, dass Angela Merkel Ende 2019 nicht mehr Kanzlerin ist oder es bis 2021 bleibt.



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insgesamt 6 Beiträge
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hans.lotz 09.05.2019
1. Gestohlene Zeit
Zwei politische Ladenhüter, Inhaltsleer und ohne Unterhaltungswert. Tja Frau Maischberger, wenn Sie keine besseren Gäste gewinnen können dann sollten Sie Mut zur Lücke haben und Ihre Sendung einfach einmal ausfallen lassen. Oder etwas für die Lachmuskeln tun und Herrn Jörges einladen.
e_pericoloso_sporgersi 09.05.2019
2.
Sehr hübsch und spitz formuliert, danke dafür!
Grummelchen321 09.05.2019
3. Der eine
hat bei Bilfinger Berger mist gebaut,Der andere merkt nicht wenn es Zeit ist der Politik den Rücken zu kehren.Was will man da in einer Talkshow von beiden erwarten.
kritischer-spiegelleser 09.05.2019
4. Wohin wollte Maischberger?
Habe eine halbe Stunde zugehört, aber nur Geplänkel. Ging am Thema vorbei! Und bei Spitzen gegen Politiker-Kellegen hat niemand mitgespielt.
anonlegion 09.05.2019
5. Soziale Marktwirtschaft?
Abseits der Sinnlosigkeit einen Sigmar Gabriel zu der sozialen Ausrichtung seiner Partei zu befragen - siehe seine auch im SPON publizierte erneute Forderung nach Entlastung der Wirtschaft - wäre es an der Zeit unser derzeitiges Wirtschaftssystem und den wirtschaftspolitischen Rahmen als das zu bezeichnen was es ist: Neoliberalismus in seiner rücksichtslosesten und unehrlichsten Ausprägung. Mit sozialer Marktwirtschaft hat das ähnlich viel gemein wie die SPD mit einer dem sozialen Frieden verpflichteten Volkspartei. Gar nichts.
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