"Maischberger" zum Wahlkampf "Merkel kann sich zurücklehnen"

"Klartext" zum Duell Schulz gegen Merkel forderte Sandra Maischberger von ihren Gäste. Leider wurde daraus nicht viel. Immer wieder verlor sich die Diskussion im Kleinteiligen. Die Sendung im Check.
Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht

Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht

Foto: WDR/Oliver Ziebe

Die Sendung: Auch nach drei von seiner Partei vergeigten Landtagswahlen hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Hoffnung nicht aufgegeben, die Bundestagswahl gegen Angela Merkel gewinnen zu können. Wie realistisch ist das? "Klartext, bitte! Was wollen Merkel und Schulz für Deutschland?", titelte Sandra Maischberger ziemlich ambitioniert und versuchte mittels eines sachpolitischen Ansatzes, die Wähler ein bisschen klüger zu machen - ein Anspruch, der leider nicht erfüllt wurde.

Die Gäste: Der meist freundlich-verbindliche CDU-Generalsekretär Peter Tauber; SPD-Vize Ralf Stegner, auch diesmal kein Ausbund an guter Laune; Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, wie üblich enttäuscht von den Sozis; FDP-Vize Katja Suding als lebender Beweis dafür, dass Talkshow-Teilnehmer der Liberalen nicht immer nur Lindner oder Kubicki heißen müssen; Robin Alexander von der "Welt am Sonntag", der unter anderem ein bisschen Werbung für sein Buch machen durfte.

Das Konzept: Schon klar, die Moderatorin hatte einen Plan, nämlich die beiden großen Themenfelder Gerechtigkeit inklusive Steuerpolitik sowie Sicherheit möglichst intensiv und mit Erkenntnisgewinn zu beackern. Wie sich zeigte, hatte sie sich damit allerdings einiges zu viel vorgenommen. Alles musste irgendwie erwähnt werden, ohne jedoch wirklich ausdiskutiert werden zu können. Und was so mancher Beitrag mit der Erhellung der Schulz- und Merkel-Absichten zu tun hatte, blieb auch offen. Außerdem warf die Besetzung Fragen auf. Die AfD brauchte man gewiss nicht zu vermissen. Doch weshalb war die Linke vertreten, nicht aber die andere Oppositionspartei, die Grünen?

Der Verlauf: Immer wieder verlor sich die Diskussion entweder im Kleinteiligen oder hinreichend Bekannten und oft genug in handelsüblicher Floskelei. Und wirkliche Klarheit etwa in der Steuerpolitik ließ sich schon deswegen nicht schaffen, weil sowohl SPD als auch Union noch beim Rechnen sind. Stegner beispielsweise auf die Frage, warum seine Partei nicht explizit für eine Vermögensteuer sei: "So weit sind wir noch nicht." Ohnehin sei es wichtiger, die Abgaben zu senken.

Tauber äußerte sich zufrieden, dass Wolfgang Schäuble, der Hüter der vielen zusätzlich sprudelnden Milliarden, "manchmal etwas knurrig guckt". Das ging auch an die Adresse Sudings, die - ungerührt von der Konfrontation mit der unrühmlichen Vergangenheit der FDP als Steuersenkungspartei - forderte, Schäuble solle statt 15 doch bitte 30, 40 Milliarden herausrücken.

Einvernehmen bestand darüber, dass endlich etwas gegen die kalte Progression getan werden müsse, was bisher, so Alexander, aus schierer Reformunlust versäumt worden sei. Er wie auch Suding verlangten die Abschaffung des Soli, während Wagenknecht die Gelegenheit nutzte, noch einmal ihr konkretes Zahlenwerk zur Belastung der Reichen vorzutragen und zugleich den Gerechtigkeitskurs des Genossen Schulz für unglaubwürdig zu erklären, da er nun mal nicht für eine andere Politik stehe. Schlussfolgerung der Linken: "Merkel kann sich zurücklehnen."

Atmosphärisches: Ein bisschen Zunder kam in die sonst meist eher langweiligen Dispute, als es um die Fragen der inneren Sicherheit ging. Wie immer in solchen Runden überbot man einander mit Bekundungen, dass mehr für die Ausstattung der laut Wagenknecht "kaputtgesparten" Polizei getan werden müsse. Von Tauber bekam die Linke derweil bestätigt, sie sei zusammen mit Frauke Petry das doppelte Lottchen des Populismus, während Stegner sowohl gegen den Innenminister wegen der Zustände beim Bamf als auch gegen die Verteidigungsministerin angesichts der rechtsradikalen Umtriebe in der Bundeswehr ätzte und mutmaßte, jemand von der SPD hätte an von der Leyens Stelle längst zurücktreten müssen.

Fazit: Nicht eben eine Sternstunde des politischen Entertainments. Aber man muss befürchten, dass es bis zur Wahl nicht die letzte TV-Veranstaltung dieser Art bleiben wird.