"Maischberger"-Talk zur US-Wahl "Versemmeln kann man alles"

Wie verändert der "Trump-Schock" die Welt? Das wollte Sandra Maischberger wissen. Es ging um die Schuldfrage, um die AfD - und um die Gorillahaftigkeit des weißen Mannes.

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Nach dem "Trump-Schock" will Sandra Maischberger wissen: "Wie verändert er die Welt?" Auf die Frage nach Trump hat kurz zuvor im ARD-Brennpunkt Außenminister Frank-Walter Steinmeier die einzige seriöse Antwort gegeben: "Wir wissen es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht."

Was den Schock betrifft, zeigt schon allein die Talkrunde mit Maischberger anhand der Diskussionskultur der Gäste: Es wird alles aufregender in der Welt, viele Stimmen reden durcheinander, mahnen, geißeln - und hatten schon immer recht.

Alice Schwarzer beispielsweise findet es "schon bedrückend", dass nicht nur keine Frau gewählt wurde, sondern "ein Mann, der noch ein Mann ist, wie wir eigentlich dachten, dass wir das überwunden hatten", gewissermaßen "den Mann an sich, so boah", und dann schaukelt sie in ihrem Sitz hin und her, um den unüberwundenen Mann in seiner Gorillahaftigkeit vor Augen zu führen.

Schwarzer weiß, was sie schon vor 40 Jahren wusste: "Der weiße Mann ist das Problem."

Diese Analyse ruft Widerspruch hervor von, natürlich, gleich zwei weißen Männern. Der US-Autor Eric T. Hansen erklärt trocken, dass 45 Prozent der Frauen den Gorilla gewählt hätten. Und Julian Reichelt von Bild.de würde gerne wissen, ob aus Schwarzers Erkenntnis resultiere, dass der "weiße Mann" nicht wählen dürfe. Und überhaupt: "Wenn Sie als Demokratin in New Hampshire gegen einen Mann mit gelben Haaren verlieren, dann müssen Sie das Problem bei sich selbst suchen. Und nicht bei dem weißen Mann." (Eine Analyse zum Thema "Der Bürgerkrieg des weißen Mannes" lesen Sie hier.)

Auch Oskar Lafontaine hat recht, immer, und sich das soeben frisch von den Wahlen in den USA bestätigen lassen. Es sei ja nicht Trump gewählt, sondern ein korruptes Wirtschaftssystem abgewählt worden, das seine Kandidaten im Wahlkampf unterstütze: "Da fließen ja Riesensummen" in dieser, und hier zitiert er Jimmy Carter, "korrupten Oligarchie".

Wieder ist es Hansen, der widerspricht: "Sie interpretieren das zu ihren Gunsten, aber das stimmt nicht." Keiner der Kandidaten habe das System jemals in Frage gestellt, und kein Wähler in den USA stelle den Kapitalismus in Frage . Übrigens, so Hansen, verfolge Lafontaine mit seinem Verständnis für Putin und seiner Absage an den Freihandel eine ähnliche Linie wie der kommende Präsident: "Es ist ihre Politik, die Trump macht in Amerika."

Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Thomas Roth springt dem bedrängten Linken bei, es würde tatsächlich "reaktionäres Kapital" beispielsweise der berüchtigten Koch-Brüder "in das System gepumpt". Gleichwohl hätten die Linken "in der Tat versagt in Amerika", schon zu Zeiten der Deregulierung unter Bill Clinton.

Nach dem weißen Mann schlechthin und der weißen Frau sowie den Linken und den Rechten präsentiert Julian Reichelt noch einen weiteren Schuldigen für den Erfolg von Trump: Obama. Ein Mann also, der "den Weißen nicht weiß und den Schwarzen nicht schwarz genug" gewesen sei. Tatsächlich, erinnert Reichelt, sei Obama einst mit zwei zentralen Forderungen ins Weiße Haus eingezogen. Erstens wollte er "Washington verändern" und zweitens die USA vereinen. An beiden Aufgaben sei er "fulminant gescheitert".

Irgendwann erinnert sich Maischberger, dass ihre Sendung nicht "Der Trump-Schock - Wer ist schuld?" heißt.

Wie wird Trump, wie wird der Schock die Welt verändern? Nadja Atwal, PR-Expertin und Trump-Unterstützerin, ist mit ihrer Ansicht alleine, dass sich die Welt zum Besseren wenden werde. Außer ihrer auftrumpenden Euphorie hat die Frau wenig beizutragen, sie ist spürbar eingeladen als Platzhalterin für ähnlich begeisterte AfD-Funktionäre.

"Die AfD-Wähler sind die gleichen wie die Trump-Wähler", analysiert auch schon Hansen. Die würden ebenfalls als "Verrückte und schlechte Menschen" dargestellt. "Der Mensch, links wie rechts, will wieder die Nation zurück." Roth zitiert düster François Mitterand: "Le nationalisme, c'est la guerre." Gleichwohl, diesen Punkt nimmt Lafontaine mit, sei Europa immer auch ein Versprechen auf Wohlstand, an das heute viele Leute nicht mehr glauben könnten.

An wen könnten sich denn die Menschen wenden, will Lafontaine wissen, die vom politischen System enttäuscht seien? Wer früher kommunistisch gewählt habe, der wähle doch heute rechts, sagt Lafontaine und verweist auf das wirklich sehr instruktive Buch "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon. Maischberger stutzt und kalauert: "Wie nennt man das dann? Eine Kombination aus national … und sozialistisch?"

Ob aggressive Nationalisten sich verstehen, wenn sie unter sich sind? Das künftige Verhältnis zwischen USA und Russland sieht Roth skeptisch, Putin sei viel zu geschickt. Er habe mit seiner geheuchelten Sympathie schon dem Kandidaten eine Falle gestellt, "in die Trump vielleicht wegen seines Männlichkeitsbildes hineingelaufen ist".

Hansen sieht das ein wenig anders, die USA hätten kein Problem mit Russland. "Das Problem, das Russland hat, ist dieser riesige Nachbar, den es vor seiner Tür hat, die wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt: die EU." Und die müsse sich warm anziehen: "Es liegt an den europäischen Führern, Trump davon zu überzeugen, wieder in Europa zu investieren."

Lafontaine will diesen Punkt, wie alle Punkte, "strukturell" beantwortet wissen und betont den systemischen Charakter der transatlantischen Verflechtungen, die auch ein isolationistischer Trump nicht einfach auflösen könne. "Doch", wirft Roth ein und versinkt wieder in seiner Düsternis: "Versemmeln kann man alles." Auch wage er die These, "dass Trump für Merkel der absolute Anti-Typ ist".

Steckbrief Donald Trump

Im Hinblick auf Syrien ist wiederum Lafontaine der Pessimist. Da stünden sich einfach zwei Oligarchien gegenüber, "da wird nicht mehr geredet, da wird nur gelogen". Eine Einschätzung, die Reichelt und Roth unisono als populistisch geißeln. "Sie sagen", sagt Roth, "es wird nur gelogen, und das hört sich schon ziemlich trumpisch an".

Da war er wieder, der deutsche Donald Trump. Nicht auszudenken, wie weit es dieser Lafontaine noch bringen könnte, ginge er eines Tages in die Politik.



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Seite 1
panzerknacker 51 10.11.2016
1. Das übliche
... Geschwafel; nur Oskar hatte was zu sagen.
arrache-coeur 10.11.2016
2.
"Wenn Sie als Demokratin in New Hampshire gegen einen Mann mit gelben Haaren verlieren, dann müssen Sie das Problem bei sich selbst suchen. Und nicht bei dem weißen Mann." - Gute Zusammenfassung:-)
Newspeak 10.11.2016
3. ...
Der letzte Satz ist großartig ("Nicht auszudenken, wie weit es dieser Lafontaine noch bringen könnte, ginge er eines Tages in die Politik.") und er zeigt genau das Problem von solchen Populisten. Reden können sie, liefern, wenn sie an der Macht sind, meistens nicht. In diesem Punkt ist übrigens Obama kein kleinerer Populist, als Trump! Was hat Obama nicht alles versprochen. Und was hat er davon umgesetzt. Die Ausrede mit der Blockade durch die Republikaner erklärt manches, aber nicht alles. Obama ist ein Mann der Phrasen. Mal schauen, was Trump ist. Was schlimmer ist, als Trump, ist allerdings das deutsche Talkshowpersonal. Gräßlich. Immer dieselben Leute. Immer die gleichen, vorhersagbaren Beiträge. Dazu solche "Lichtgestalten" wie Schwarzer, die durch was noch mal qualifiziert ist, zu solchen politischen Themen zu sprechen? Alles sehr mittelmäßig, was man da geliefert bekommt. Und dann solche Sätze wie von Roth "Auch wage er die These, "dass Trump für Merkel der absolute Anti-Typ ist"." Ja, und? Vielleicht muß Merkel ja nur ein halbes Jahr mit ihm auskommen. Vielleicht könnte man als Journalist auch einfach mal annehmen, daß Merkel nicht wieder gewählt wird, oder sich fragen, ob Merkel ein ähnliches Problem darstellt, eine Amtsinhaberin, die zu lange schon dabei ist, sich für unersetzlich hält, den Fortschritt blockiert und Deutschlands Gesellschaft spaltet, nicht anders als in Amerika geschehen. Aber das ist wohl alles zu hoch für Roth, diesen müden Gesellen, der nur dort sitzt, weil er mal "was mit Medien" gemacht hat. Schlimmstes Beispiel für die Proporzinzucht der Medien, für die Echokammer, die aus Leuten besteht, die nur schon alle zu lange immer recht hatten und in ihren Berliner Lofts und demnächst versorgt mit der großzügigen Pension des GEZ-Beitragszahlers keinen Bezug zur Wirklichkeit mehr haben. Ganz grausam. Und da wundert man sich noch, woher die ganze Verachtung und der ganze Hass kommt? Trump ist ein Produkt dieser verlogenen Scheinwelt, die von den Medien mit erschaffen wird. Die Medien sind Teil des Problems und nicht der Lösung.
Klapperschlange 10.11.2016
4. In dieser.......
..... Diskussion war Oskar nur noch peinlich. Seine staatszersetzenden Ansichten sind bekannt, traurig, dass die Öffentlich Rechtlichen ihm immer wieder für seine kruden Äußerungen einen Plattform bieten.
marthaimschnee 10.11.2016
5. Wer ist schuld?
Offenbar alle, außer der Presse, bzw den Medien. Dabei halten sich hartnäckige Gerüchte, daß die Kandidatur Trumps das Resultat einer, von den Demokraten inszenierten, medialen Intrige ist. Das wäre natürlich vergleichbar mit einem Elfmeter im Fußball, denn man ins eigene Tor befördert. Und unglaubwürdig ist das auch nicht gerade, auch Sanders wurde ja per Intrige aus dem Weg geräumt und damit, so wie es heute aussieht, um die Präsidentschaft betrogen, denn der hätte gegen Trump eine weitaus bessere Figur abgeben können und hätte nicht darauf vertrauen brauchen, als der vielleicht etwas weniger. böse rüber zu kommen.
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